Aktion „Die Stunde der Wintervögel“

Der Star, ein Alleinunterhalter

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Immer häufiger überwintern die Stare in Deutschland.

Anfang Januar findet wieder bayernweit eine Wintervogelzählung statt. Im Vorfeld berichten wir in einer kleinen Serie über die Eigenheiten der Vögel. Im zweiten Teil geht es um den Star – ein schräger Vogel mit Alleinunterhalter-Qualitäten.

München – Auf den ersten Blick ist der Star keine Schönheit. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt man das violette und grüne Schillern seines ansonsten schlichten Gefieders. Auffällig ist der Star eher durch sein Verhalten, besonders im direkten Umfeld eines Brutplatzes. Dort bietet das Starenmännchen originelle Gesangseinlagen. Statt einer melodischen Abfolge von Tönen produziert er pfeifende, gepresste und schnalzende Geräusche, dazwischen baut er perfekte Imitationen von Gesängen anderer Vogelarten und Umgebungsgeräuschen ein. Den Damen imponiert’s: Wer das breiteste Repertoire hat, hat die besten Aussichten bei der Partnerwahl.

Stare sieht man selten allein

Stare sieht man kaum allein. Nur das direkte Umfeld des Nistkastens wird zur Brutzeit verteidigt, die Nahrungssuche wird in kleinen Trupps gemeinsam unternommen. Jungvögel bilden ab Juni kleine Schwärme, trippeln dann hoch aufgerichtet über frisch gemähte Wiesen oder Parkrasen, wo sie nach Insekten picken, oder sie fallen laut schwatzend in einem Kirschbaum ein um sich über die Früchte herzumachen. Nachts werden gemeinsame Schlafplätze genutzt. Wo dafür geeignete Schilfgebiete, Baum- oder Strauchgruppen fehlen, tut es auch ein Baukran oder ein höheres Gebäude. Diese Gemeinschaften dienen unerfahrenen Vögeln als Informationsbörse, denn wer Schwierigkeiten hat, Nahrung zu finden, muss nur den Vögeln hinterherfliegen, die es am eiligsten haben, an einen guten Platz zurückzukehren.

Ab September schließen sich die Altvögel den Schwärmen an, die dann auf viele tausend Tiere anwachsen können. Sie machen sich auf den Weg ins Winterquartier im Mittelmeerraum. Diese großen Herbstschwärme gleichen aus der Entfernung Rauchwolken, die über der Landschaft wabern, sich verwinden und plötzlich, wie einem Windstoß folgend, die Richtung ändern. Aus der Nähe fasziniert die Koordination der Vögel, die auch bei schnellen Manövern nicht zusammenstoßen. Wie das funktioniert, haben Wissenschaftler herausgefunden: Ein einzelner Star orientiert sich innerhalb des Schwarms an bis zu sieben Vögeln in seiner Umgebung. Zu diesen versucht er, die immer gleiche Position einzuhalten. Jede Richtungsänderung reißt somit auch die Schwarmgenossen mit.

Spektakulär sind die völlig synchronen Bewegungen großer Schwärme bei Annäherung eines Flugfeindes: Sie ziehen sich dann blitzartig zu einer Kugel zusammen. Stößt der Beutegreifer in diese hinein, weichen sie zurück, bilden Dellen, Wellen und pulsierende Bewegungen, die dem Angreifer die Auswahl eines einzelnen Vogels quasi unmöglich machen.

Der Star ist mit etwa 3,5 Millionen Brutpaaren einer der häufigsten Vögel in Deutschland. Dennoch steht er seit 2015 auf der Roten Liste der bedrohten Vögel. Grund dafür sind nicht die absoluten Zahlen, sondern der erschreckende Rückgang in den letzten Jahrzehnten. Zwischen 1998 und 2009 verschwanden in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Brutpaare, ein Rückgang um 42 Prozent. In Bayern gilt die Art noch nicht als gefährdet, doch die Rückgänge sind auch hier sichtbar. Gründe sind der Verlust von Lebensraum und Nahrungsmangel. So verschwinden Viehweiden, Hecken und extensiv genutzte Wiesen immer mehr aus dem Landschaftsbild.

Zum Glück scheut der Star aber nicht die Nähe des Menschen. Mit Nistkästen, beerentragenden Hecken und Rasenflächen kann man dem Star auch im Siedlungsraum helfen. Im Winter kommen kleinere Trupps, die eine Überwinterung in Bayern wagen, gerne an Futterstellen und fressen sich dort satt.

Die Vogelzählung

Wer kommt bei Ihnen im Garten oder am Futterhaus für einen Snack vorbei? Der Landesbund für Vogelschutz will’s genau wissen und ruft jedes Jahr am ersten Januar-Wochenende zur Vogelzählung, der Stunde der Wintervögel, auf.

Hier können Sie mitmachen bei der Vogelzählung zur Stunde der Wintervögel mit dem LBV.

Quelle: Merkur.de