Papier zur Landtagswahl

Aus Erfahrungen werden Forderungen: Appell der Asylhelfer

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Für eine humanere Asylpolitik in Bayern gehen Asylhelfer oft protestieren – wie auf diesem Bild im März 2017 in München. Nun haben sie 60 Forderungen formuliert.

Gute zwei Wochen vor der Landtagswahl haben sich mehr als hundert Asylorganisationen aus Bayern zusammengetan. Sie fordern eine menschlichere Asylpolitik – und erklären in 60 Punkten, wie die aussehen müsste.

München – Petra Nordling fehlen immer häufiger die Antworten. Sie engagiert sich seit vier Jahren im Asylhelferkreis in Vilsbiburg. 150 Flüchtlinge kamen damals in der niederbayerischen Kleinstadt an. Die Ehrenamtlichen haben Sprachkurse organisiert und den Flüchtlingen geholfen, Arbeit zu finden. Dann kam im Jahr 2016 die Weisung aus dem Innenministerium – und ein Großteil der Asylbewerber hat die Arbeitserlaubnis entzogen bekommen. Sie haben ihre Arbeits- und Ausbildungsplätze verloren. Und Nordling weiß nicht, wie sie ihnen erklären soll, warum. „Wir Asylhelfer können nicht auffangen, was das bei den Menschen auslöst.“

Viele Asylhelfer sind frustriert

Petra Nordling ist eine von zwei Millionen Bayern, die sich in den vergangenen vier Jahren in irgendeiner Form für Flüchtlinge eingesetzt haben. Und wie sehr viele andere Asylhelfer ist sie frustriert. Nicht nur wegen der in Bayern so strikt praktizierten Arbeitsverbote. 103 Flüchtlings- und Asylorganisationen haben sich nun deshalb zusammengetan und eine Liste von 60 Forderungen veröffentlicht. Sie wollen für „eine bayerische Asylpolitik mit Zukunft und Anstand“ kämpfen. Zu den Gruppierungen gehören unter anderem der Bayerische Flüchtlingsrat, der kirchennahe Verein Matteo, Refugio München oder „Unser Veto Bayern“, aber auch zahlreiche Helferkreise aus bayerischen Gemeinden.

„Die Idee dazu ist Anfang des Jahres entstanden“, berichtet Christian Stegmüller vom Trägerkreis Junge Flüchtlinge. „Wir wollten die Erfahrungen der Asylorganisationen bündeln.“ Deshalb haben die Initiatoren 50 Organisationen und Experten befragt.

Die Kernforderungen der Asylhelfer sind: Gleichbehandlung aller Asylbewerber unabhängig von einem sicheren oder unsicheren Herkunftsstaat. „Sonst wäre das Recht auf Asyl für einige von vornherein abgeschafft“, sagt Stegmüller. Dezentrale Unterbringung statt Isolation in Transit- oder Ankerzentren. Wer arbeiten will und Arbeit findet, muss arbeiten dürfen. Deutsch- und Alphabetisierungskurse sollen für alle Asylbewerber zugänglich sein. Faire Asylverfahren. Besonders schutzbedürftige müssen besser geschützt und unterstützt werden. Auch für Geduldete muss es Perspektiven geben – zum Beispiel die Möglichkeit zu arbeiten. Bewährte Strukturen bewahren und fördern. Wichtig ist den Asylhelfern vor allem: Es darf keinen bayerischen Sonderweg in der Asylpolitik geben. „Doch viele asylrechtliche Verschärfungen werden in Bayern durch besonders rigorose Durchführungsanweisungen an die Asylbehörden nochmals verschärft“, sagt Stegmüller. „Was in Bayern passiert, ist alles andere als christlich“, betont auch Stephan Reichel, Geschäftsführer von Matteo. „Die Asylpolitik der CSU ist unmenschlich.“

Mit ihren Forderungen wollen die Asylhelfer nun sowohl an Kommunal- als auch an Landespolitiker herantreten. Und das nicht nur in den letzten Tagen vor der Wahl.

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Quelle: Merkur.de