Unterstützung für den Verein Lichtblick Seniorenhilfe

„Altersarmut betrifft längst die Mittelschicht“ - Auftakt für Spendenaktion

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Ein Lichtblick: Die Sparda-Bank München spendet auch heuer für den Verein Lichtblick Seniorenhilfe 250 000 Euro. Bei der Scheckübergabe (v. r.): Professorin Irene Götz, die Kommunikationsdirektorin der Sparda-Bank München Christine Miedl, Vereins-Chefin Lydia Staltner, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München Helmut Lind, Merkur-Redakteurin Barbara Nazarewska und Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Verdeckte Armut taucht in keiner amtlichen Statistik auf. Dennoch ist sie da, breitet sich immer mehr aus. Daher unterstützt der Münchner Merkur zusammen mit der Sparda-Bank München den Verein Lichtblick Seniorenhilfe.

München – Verdeckte Armut taucht in keiner amtlichen Statistik auf. Dennoch ist sie da, breitet sich immer mehr aus. Daher unterstützt der Münchner Merkur zusammen mit der Sparda-Bank München den Verein Lichtblick Seniorenhilfe. Dieser Verein kümmert sich um bedürftige Rentner aus der Region. Zum Auftakt unserer diesjährigen Spendenaktion haben wir den Vorstands-Vorsitzenden der Sparda-Bank München, Helmut Lind, die Vereins-Chefin Lydia Staltner und die Professorin Irene Götz, Expertin für Altersforschung von der Ludwig-Maximilians-Universität München, an einen Tisch gebracht. Ein Gespräch über ein Thema, das uns alle angeht.

-Verdeckte Armut gibt es offiziell nicht. Wie kommt das?

Irene Götz: Viele Bedürftige, vor allem Frauen, wollen ihre Armut nach außen nicht zeigen. Sie sparen also nach innen: Selbst im tiefsten Winter drehen sie die Heizung ab, es werden zu Hause Tomatenpflanzen gezüchtet, um kein Geld ausgeben zu müssen, und einige kochen sogar Krautwickerl aus Essensresten, die sie vorm Supermarkt finden. All das sind wahre Geschichten, die uns Betroffene für ein Forschungsprojekt erzählt haben. Natürlich anonym, die Scham ist ja viel zu groß. Diese Form der Armut ist längst in der Mittelschicht angekommen. Denn: Selbst wer 45 Jahre gearbeitet hat, kann heute nicht automatisch von seiner Rente leben.

Lydia Staltner: Das kann ich nur bestätigen! Besonders die nächste Generation von Rentnern wird es zu spüren bekommen. Selbst wer 45 Jahre ohne Ausfallzeit 3000 Euro brutto pro Monat verdient hat, kann heute mit einer Nettorente von rund 1120 Euro rechnen. Mindestens 700 Euro gehen für die Miete drauf. Es bleiben höchstens 420 Euro zum Leben. Das ist Grundsicherungsniveau. Kommen in dieser Situation unvorhergesehene Kosten auf den Rentner zu, wie eine kaputte Waschmaschine oder ein defekter Kühlschrank, sind häufig keine finanziellen Mittel für Neuanschaffungen vorhanden.

-Will die Politik das hören?

Lydia Staltner: Natürlich nicht! Sie hat keine Lösungen. Altersarmut betrifft vor allem Frauen. Sie verdienen weniger und arbeiten oft in Teilzeit, um die Kinder großzuziehen. Häufig sind sie auch für die Pflege der Eltern zuständig. Daher plädiere ich dafür, dass jeder Politiker für eine gewisse Zeit im sozialen Bereich mit dem entsprechenden Gehalt arbeitet – und sich so einmal selbst der Realität stellt.

Irene Götz: Die Politik hat in der Tat zu lange geschlafen. Sie fängt jetzt langsam an, an einigen Stellschrauben zu drehen. Doch das reicht nicht, wir sind immer noch beim Gießkannen-Prinzip: hier ein bisschen, dort ein bisschen. Aber die Renten müssten deutlich erhöht werden. Das geht allerdings nur, wenn mehr Menschen in den Rententopf einzahlen, zum Beispiel auch Beamte. Und: Versicherungsfremde Leistungen, etwa Erziehungszeiten, müssen aus Steuern finanziert werden. Zudem dürfen wir nicht vergessen: Mini-Jobs und Billiglöhne geben keine Rentenpunkte!

Viele Bedürftige wollten partout nicht zum Amt gehen 

-Was könnte die Wirtschaft tun, damit es weniger Altersarmut gibt?

Helmut Lind: Ich persönlich bin ein großer Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. Es gibt inzwischen einige Steuermodelle, die solche Zahlungen berücksichtigen. Und: Dieses Konzept würde speziell auch Rentnern, die heute am Existenzminimum leben, ein Stück Würde zurückgeben. Denn sie müssten sich nicht länger schämen für ihre Armut – und nie wieder Angst davor haben müssen, jemandem zur Last zu fallen, etwa ihrer Familie.

Irene Götz: Da sprechen Sie einen ganz wichtigen Punkt an! Viele Bedürftige, mit denen wir Interviews geführt haben, wollten partout nicht zum Amt gehen. Aus einem Grund: Sie sagten uns, „das werden die sich doch bei meinen Kindern zurückholen“. Viele wissen nicht um die Freibeträge für die Angehörigen. Generell wollen Ältere ihren Familien nicht zur Last fallen. Und eine ihrer größten Sorgen ist, kein Geld zu haben, um den Enkeln etwas zu kaufen.

-Fehlt in Deutschland inzwischen der Sinn fürs Gemeinwohl?

Helmut Lind: Dadurch, dass Deutschland die Lokomotive in der Wirtschaft ist, vergisst man oft das Gemeinwohl. Wir wachsen in eine Zeit hinein, wo die Methoden von früher nicht mehr passen, das System funktioniert nicht länger. Wir alle müssen begreifen, dass wir nicht isoliert von dieser Welt bestehen.

-Was meinen Sie damit?

Helmut Lind: Gewinnmaximierung darf nicht das einzige Ziel sein. Und das sage ich ganz bewusst als Banker. Deshalb hat die Sparda-Bank München beschlossen, sich für bezahlbaren Wohnraum starkzumachen. Das ist in München und Oberbayern ein sehr wichtiges Thema, denn es gibt immer mehr Menschen, die sich die zum Teil astronomischen Mieten nicht mehr leisten können. Das gilt vor allem auch für Rentner.

-Was planen Sie?

Helmut Lind: Wir wollen künftig den baugenossenschaftlichen Wohnungsbau unterstützen. Unsere Bank lebt schon seit ihrer Gründung den Genossenschaftsgedanken: Hilfe zur Selbsthilfe. Wir fördern Projekte, die vor allem benachteiligte Menschen in ihrer Autonomie stärken.

Irene Götz: Aus unserer Forschung können wir klar bestätigen: Das Wohnungsproblem ist der Dreh- und Angelpunkt von Altersarmut! Die meisten Bedürftigen haben große Angst davor, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen können und ihre vertraute Umgebung verlassen müssen. Was fatal ist! Denn damit werden soziale Kontakte, die im Alter ohnehin schwinden, gekappt. Die Folge ist Vereinsamung. Und: Eine neue Wohnung zu finden, ist für Rentner, insbesondere für die betagteren, nicht leicht. Sie werden auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert. Um es salopp auszudrücken: Niemand will potenzielle Pflegefälle aufnehmen.

-Was passiert dann mit diesen Menschen?

Irene Götz: Wir kennen eine Frau, die aus ihrer Münchner Wohnung ausziehen musste, jetzt in einer kleineren Stadt in einem Hinterhof haust, und sich nicht mal eine Fahrkarte leisten kann, um ihren erwachsenen Sohn zu besuchen. Viele verstehen nicht, dass Menschen im Alter mit ihrer Wohnung förmlich zusammenwachsen, dass sie sich dort richtige Wohninseln schaffen, um zurechtzukommen. Bricht all das weg, auch die Infrastruktur in der vertrauten Nachbarschaft, verlieren sie nicht nur ihr Zuhause, sondern auch die Orientierung. Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Wohnraum sollte daher nicht zum Spekulationsobjekt gemacht werden!

Das Gespräch führten G. Anastasiadis & B. Nazarewska

Schenken auch Sie ein bisschen Würde

Eine warme Mahlzeit pro Tag, etwas weniger Sorgen am Monatsende, ein erhobener Kopf im Supermarkt: Schon mit 35 Euro im Monat spenden Sie echte Lichtblicke für Rentner in Not.

Unter dem Motto „Oberbayern gegen Altersarmut“ suchen der Münchner Merkur und die Sparda-Bank München Paten für bedürftige Senioren. Eine Patenschaft kostet nur 35 Euro im Monat. Über die Laufzeit entscheiden die Spender.

„2003 waren wir der erste Verein in Deutschland, der sich finanziell für bedürftige Rentner eingesetzt hat – und das tun wir bis heute“, sagt Vereins-Chefin Lydia Staltner. „Allein in den vergangenen drei Jahren haben wir 11 600 Rentnern geholfen. Aber nur, wenn wir alle zusammen helfen, können wir Altersarmut nachhaltig bekämpfen.“

Schenken auch Sie ein bisschen Würde: als Pate oder mit einer einmaligen Spende! Überweisungen bitte aufs Konto 490 1010 des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe (Schweigerstr. 15, 81541 München) bei der

Sparda-Bank München, BLZ 700 905 00. 

IBAN: DE 307 0090 50 0000 4901010

BIC: GENODEF1S04

(Für eine Spendenquittung geben Sie bitte Ihre Anschrift an.) Oder spenden Sie online: www.seniorenhilfe-lichtblick.de/spendenformular-patenschaft/ Als gemeinnütziger Verein leitet dieser stets die volle Summe an die bedürftigen Senioren weiter. Weitere Informationen finden Sie unter www.seniorenhilfe-lichtblick.de.

Das soziale Engagement der Sparda-Bank München

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Quelle: Merkur.de