Zwei Jahre A 94

Zu laut und hässlich: Isental hadert mit der Autobahn

Der Streitpunkt: Mit Plexiglas an der Lappachtalbrücke bei Dorfen soll der Lärm in Grenzen gehalten werden. Vertreter der Bürgerinitiative finden das läppisch und fordern eine richtige Lärmschutzwand.
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Der Streitpunkt: Mit Plexiglas an der Lappachtalbrücke bei Dorfen soll der Lärm in Grenzen gehalten werden. Vertreter der Bürgerinitiative finden das läppisch und fordern eine richtige Lärmschutzwand.

Vor zwei Jahren eröffnete Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die A 94 durch das Isental bei Dorfen (Kreis Erding). Heiner Müller-Ermann, Galionsfigur des Widerstands, hadert bis heute mit der Entscheidung. Er fordert zumindest mehr Lärmschutz: „Diese Autobahn ist lauter als sie sein müsste.“

Dorfen/Mühldorf - Wegen Leuten wie dem ehemaligen Mühldorfer Bürgermeister Günther Knoblauch wäre Heiner Müller-Ermann einst beinahe aus der SPD ausgetreten. Knoblauch, ein SPD-Mann, war kompromissloser Befürworter der Autobahn A 94, die sich auf 33 Kilometern durch das früher idyllische Isental windet. Auch heute noch findet der Vorsitzende des Vereins „Ja zur A 94“ nur Jubelworte für die A 94. Er nennt sie „Nabelschnur und Lebensader“. Das dürfe „nicht schlecht geredet werden“.

Von solchen warmen Worten für die Autobahn lässt sich Müller-Ermann nicht beirren. Er nennt die Isental-Trasse eine „Wahnsinns-Fehlentscheidung“. Die Region, sagt der Dorfener, habe mit der A 94 bis heute nicht ihren Frieden gemacht. Und das liege auch an der Lärmfrage.

Man erinnert sich: Kaum war die Autobahn eröffnet, formierte sich erneut Protest - die A 94 sei „brutal laut“, klagten Anwohner. Daraufhin versprach Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kurz vor der Kommunalwahl 2020 ein Tempolimit. Die Höchstgeschwindigkeit 120 km/h wurde jedoch nach Klage eines Autofahrers von einem Gericht kassiert. Darüber ärgert sich nicht nur die Feuerwehr Lengdorf, die während des Tempolimit eine Reduzierung der Unfallzahlen registriert hatte.

Ärger um die A 94: Lärmschutz nur mit Plexiglas - Nachbesserungen könnten 40 Millionen Euro kosten

Es wummert also wieder unangenehm laut. Vor allem die Brücken seien ein Problem, sagt Müller-Ermann. So hat die Autobahndirektion an der Lappachtalbrücke, die bei Dorfen 280 Meter überspannt, aus optischen Gründen nur transparente Lärmschutzelemente aus Plexiglas installiert - normal wären dicke Schutzwände wie bei Bahnprojekten üblich. Müller-Ermann nennt das „eine Sauerei“.

Auch die Grünen fordern Nachbesserungen: Die CSU sei den Anwohnern das schuldig. So müssten die Lärmschutzwände verbessert und ein lärmmindernde Fahrbahnbelag eingebaut werden - für insgesamt 38,8 Millionen Euro. Die Autobahn-GmbH hält das bis jetzt für nicht notwendig. Die Lärmgrenzwerte würden eingehalten, versichert Sprecher Josef Seebacher. Einzig die Wartungsgänge unter den Brücken will die Behörde verkleiden lassen - im Rahmen eines Forschungsprojekts. Es kostet nur 2,2 Millionen. Startzeitpunkt: unklar.

Ärger um die A 94: Kritiker würde heute vor Bundesverfassungsgericht ziehen

Auch Müller-Ermann fährt manchmal auf der A 94: „Sie ist ja nun mal da.“ Klar werde die Autobahn angenommen - in Spitzenzeiten fahren über 35.000 Fahrzeuge, ein Fünftel davon Lkw, bei Dorfen über die Autobahn. Vor allem weiter östlich wird die Autobahn als „außerordentliche Zukunftschance“ (Knoblauch) beurteilt. Ingrid Obermeier-Osl, Chefin des Holzwerks in Schwindegg und Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern, nennt die „Anbindung an das Fernstraßennetz“ zeitgemäß und für den „Wirtschaftsstandort“ unabdingbar.

Letztendlich, sagt der Widerstands-Veteran Müller-Ermann, sei die Autobahn nur ein paar Jahre zu früh gekommen. Jetzt gebe es das Bundesverfassungsgericht mit seinem bahnbrechenden Urteil zum Klimaschutz: „Auch wir würden heute nach Karlsruhe gehen.“

Dirk Walter & Marco Heinrich (OVB)