Wintertouristen nutzten Dörfer als Schlupflöcher

Stau-Chaostag im Isartal: Endlose Blechlawine statt Gaudiwurm

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Nichts geht mehr auf der Krüner Karwendelstraße Richtung Süden. In solchen Fällen sind Radfahrer klar im Vorteil.

Autos – soweit das Auge reicht: Nicht die Narren haben am Faschingssamstag das Ortsbild von Krün und Wallgau beherrscht, sondern tausende von Vehikeln, die sich in den „Erholungsorten“ stauten. 

Krün/Wallgau „So einen Stau wissen wir noch überhaupt nicht.“ Maria Neuner („Gansler“) kennt sich in Sachen Verkehr aus, schließlich liegt ihr Krüner Traditionslokal Schöttlkarspitz direkt an der Karwendelstraße. Dort haben sich am Faschingssamstag haarsträubende Szenen abgespielt. Eine Blechlawine sondergleichen schob sich von in der Früh bis zum späten Nachmittag vom Walchensee bis zur Landesgrenze – erst auf der Bundesstraße 11 (sie führt sowohl durch Krün als auch durch Wallgau), dann weiter auf der B 2 Richtung Scharnitz.

Viele Ski-Touristen aus ganz Europa 

Auffallend dabei: In der endlosen Auto-Schlange, die für die Anwohner alles andere als ein Gaudiwurm war, fanden sich unzählige Pkw aus Tschechien, Polen, den Niederlanden und Belgien. Sie alle wollten offenbar an diesem Wochenende auf ihrer Tour in die Tiroler Skigebiete dem Nadelöhr am Autobahnende Eschenlohe entgehen und entschieden sich für die vermeintlich bequemere Variante über Kochel, Kesselberg, Walchensee und das Obere Isartal. Ein Trugschluss – wie sich herausstellen sollte.

„Einfach nur lebensgefährlich!“

Doch nicht nur die Durchreisenden waren sichtlich genervt. „Bei nur einem Zebrastreifen im Ortszentrum ist das Überqueren für Kinder und ältere Menschen an solchen Tagen ein Ding der Unmöglichkeit, einfach nur lebensgefährlich“, schimpft Fernando Barkow. Der Krüner, der sich wegen seiner permanenten Holzofen- und Feinstaub-Kritik in seinem Heimatort nicht nur Freunde gemacht hat, will sich am Stausamstag die Mühe gemacht und längere Zeit den Verkehr beobachtet haben. „Ich habe es ab 8 Uhr überprüft“, versichert er. „Alle zwei Sekunden ein Fahrzeug. Das wären mindestens 30 Fahrzeuge pro Minute – also 1800 pro Stunde.“ Nimmt man davon nur ein Mittel von 1500 Pkw, so ergeben sich daraus über acht Stunden verteilt 12.000 Fahrzeuge pro Tag. „Das betrifft nur den Verkehr nach Süden“ – nicht die Gegenspur.

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Mega-Stau war Thema Nummer eins im Rathaus

Doch nicht nur Barkow, der sich den Kampf um bessere Luft zur Lebensaufgabe gemacht hat, irritiert die ungewöhnliche Blechlawine durchs Isartal über einen solch langen Zeitraum. „Das ist mir völlig neu“, bestätigt Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). „Sanfter Tourismus und eine Naherholer-Schlange – das passt gar nicht.“ Ebenfalls irritiert zeigt sich sein Krüner Amtskollege. „Ein Verkehr in dieser Intensität, das kenne ich so noch gar nicht“, meint Thomas Schwarzenberger (CSU). Der Mega-Stau war natürlich am Rosenmontag Thema Nummer eins im Rathaus – und wahrscheinlich nicht nur da. Den Unmut geplagter Isartaler hörte man allerorten.

Die Tatsache, dass immer mehr Transitreisende ihre beiden Dörfer als Schlupflöcher nutzen, behagt niemandem in Krün und Wallgau. Und schnell wird in solchen Fällen eine altbekannte Forderung laut. „Farchant, Oberau, Mittenwald – alle haben ihre Umgehungsstraßen bekommen“, verdeutlicht Barkow. „Und wann ist sie für Krün vorgesehen? Sie ist seit 20 Jahren längst überfällig!“

„Dann ist die hohe Politik gefragt“

Ein eher illusorischer Wunsch. Das Thema Umgehungsstraße ist laut Schwarzenberger bereits aus dem vorletzten Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden. Eine Umfahrung an der Isar sei „ökologisch und finanziell unmöglich“. Doch wird der Horror-Faschingssamstag zur Regel, steht für den Wallgauer Rathauschef Zahler felsenfest: „Dann ist die hohe Politik gefragt.“

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Christof Schnürer

Quelle: tz