Bambi vor dem sicheren Tod gerettet

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Völlig abgemagert hockt das Rehkitz in der Waage auf dem Küchentisch von Kunigunde Kögl.

Peiting - Schutzsuchend schmiegt sich das kleine Bambi in Kunigunde Kögls Arm. Mit der Flasche päppelt die „Ersatz-Mama“ das verstoßene Kitz auf.

In einer Nacht- und Nebel-Aktion wurde das verlassene Jungtier aus einer Wiese bei Wildsteig vor dem sicheren Tod gerettet.

Große schwarze Augen, lange Wimpern, ein herzzerreißender Blick: Dieses süße Bambi möchte man am liebsten knuddeln. Noch ist das kleine Rehkitz schwach und wackelig auf den Beinen. Mit seiner letzten Kraft hatte das von der Mutter verstoßene Kitz um sein Leben geschrien. Ein aufmerksamer Landwirt und ein Jäger retten das süße Bambi am Samstagabend vor dem sicheren Tod.

Bei der Arbeit findet Bauer Peter Zeller das Reh-Baby fiepend im Feld bei Wildsteig (Landkreis Weilheim-Schongau). Herzzerreißend schreit das Bambi. Ein Fiepen, das durch Mark und Bein geht. Zeller kontaktiert Jäger Werner Schubert aus Böbing. Der warnt: „Nicht anfassen, sonst holt es die Mutter nicht mehr.“ Doch auch noch Stunden später liegt das kleine Bambi im Gras. Keine Mutter in Sicht. Den beiden Männern jedoch lässt das kleine, magere Tierchen keine Ruhe mehr.

Kunigunde Kögl mit Petra

Als dann auch noch am Abend ein Gewitter aufzieht, reagieren sie. In einer Nacht- und Nebelaktion betten sie das stark unterkühlte Kitz in eine Wanne auf Stroh und bringen es zu einer Frau, die schon viele Tiere aus dem Wald bei sich zu Hause wieder aufgepäppelt hat: Kunigunde Kögl aus Ingenried. „Das Rehkitz war vielleicht zwei Tage alt und hat nur 1400 Gramm gewogen“, erzählt Jäger Schubert. Normal sind zwei Kilo. Unter einer Infrarotlampe wärmt sich der unterkühlte kleine Körper wieder auf. Kunigunde Kögl gibt dem Bambi die Flasche. Bambi-Spezialnahrung, die dem Kleinen wieder Kraft geben soll. Noch beim Trinken fällt das erschöpfte Tier-Baby in einen tiefen Schlaf.

Die Retter haben das Kitz gleich ins Herz geschlossen. Und auch Dackel Heidi hat sofort einen Narren am Bambi gefressen. „Der hat das Rehkitz abgeschleckt, wie wenn’s sein eigenes Kind wäre“, erzählt Werner Schubert. Fünf Mal am Tag trinkt das Bambi inzwischen schon, erzählt Kunigunde Kögl. Sie hat in ihrem „Privatzoo“ schon viele Tiere wieder aufgepäppelt, die noch immer bei ihr leben: ein Dachs, ein Fuchs, sechs Rehe, viele kleine Vögel sind es derzeit. Und auch „Petra“ – so hat Kögl das Bambi getauft – scheint sich sichtlich wohl zu fühlen in der neuen, liebevollen Umgebung. „Es läuft mir schon nach“, freut sich die neue „Mama“ von Petra – dem Kitz, das ein neues Leben geschenkt bekam.

Barbara Schlotterer-Fuchs

Quelle: tz