Tagebuch eines 21-jährigen Syrers

Bayan und das Thema Haustiere: „Ich wollte einen Husky“

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Bayan Alrazzah schreibt über Haustiere: „Ich möchte nicht auf jemanden verzichten müssen. Egal ob Mensch oder Tier.“

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier. Diesmal schreibt er über Haustiere in Syrien.

In Syrien leben viele Katzen auf der Straße. Besonders auf den Müllcontainern sind sie immer, um Essen zu finden. Vor dem Krieg sah man keine Hunde auf der Straße – immer nur Katzen. Als der Krieg begonnen hatte, habe ich aber immer öfter Hunde gesehen. Meist nachts. Das war ungewöhnlich. In Syrien sind die Leute, die Hunde haben, fast alle reich. Und es sind Christen. Denn für Muslime ist es verboten, einen Hund zu versorgen. Deshalb durfte ich nie einen Hund haben – obwohl ich mir immer einen Husky gewünscht habe. Aber meine Mutter sagte immer Nein.

Mein Bruder und ich hatten Katzen. Nicht in der Wohnung, aber im Garten. Zum Glück hatten wir einen kleinen Garten, sonst hätten wir kein Tier haben können. Mein Bruder hatte die beiden Katzen eines Tages in der Nähe unserer Wohnung gesehen und hat sie mit nach Hause gebracht. Damals waren sie noch klein. Sie sind bei uns aufgewachsen. Es waren Geschwister, weiblich und männlich. Ihre Namen waren Max und Sandy. Max war mein Kater, Sandy war die Katze meines Bruders. Als sie größer wurden, haben sie immer die Pflanzen kaputtgemacht. Deshalb hat meine Mutter entschieden, dass wir sie weggeben müssen. Wir haben sie in einen Park gebracht. Das war für uns traurig, aber wir hatten keine andere Lösung. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag. Auch heute möchte ich nicht auf jemanden verzichten müssen – egal ob Mensch oder Tier.

Bevor ich Syrien verließ, hat mein Nachbar einen Hund gekauft. Einen Husky, wie ich ihn wollte. Er hieß Jessi. So hatte ich zumindest für ein paar Stunden einen Hund. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Bis heute mag ich es sehr, mit Hunden spazieren zu gehen. Doch seit ich in Deutschland lebe, habe ich mit Tieren nichts mehr zu tun. Ich habe ja keine Wohnung und lebe noch in einer Unterkunft. Dort sind Tiere verboten. Aber ich träume immer noch davon, einmal einen Husky zu haben. Vielleicht lerne ich in Deutschland irgendwann jemanden kennen, der einen Hund hat, mit dem ich spazieren gehen darf. 

Bayan Alrazzah

Quelle: Merkur.de