Tagebuch eines 21-Jährigen Syrers in Bayern

Bayan vergleicht Lebensgewohnheiten: „Vor Feiern gehen alle zum Friseur“

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Bayan Alrazzah schreibt über Friseurbesuche. 

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier.

Heute berichtet er über Friseurbesuche – in Syrien und in Bayern.

In Syrien sagt man, ein Friseur ist genauso viel wert wie ein Koch – man kann auf beide nicht verzichten. In meiner Kindheit durfte ich meine Frisur nicht selbst auswählen. Erst als ich 14 wurde, durfte ich entscheiden und habe meine Haare wachsen lassen. Als Friseur kann man in Syrien reich werden.

Für Frauen ist das Haareschneiden teurer als für Männer. Sie haben eigene Friseure, dort darf kein Mann sein. Muslimische Frauen gehen nicht so oft zur Friseurin, weil sie draußen immer Kopftuch tragen. Außer sie sind zu einer Hochzeit eingeladen, dann geben sie für die Frisur viel Geld aus. Sie tragen das Kopftuch nur auf den Weg bis zu der Feier, dann nehmen sie es ab. In meinem Leben habe ich nie erlebt, dass meine Mutter zu einer Friseurin gegangen ist. Sie hat ihre Haare von ihrer Freundin schneiden lassen.

„Als Friseur kann man in Syrien reich werden.“

Bei den Friseuren wird man verwöhnt in Syrien – wenn man Trinkgeld gibt. Man bekommt auch ein Getränk. Damals in Aleppo ging ich ab und zu zum Friseur. Seit ich in München lebe, habe ich mehrere Friseure ausprobiert, bis ich einen guten gefunden hatte. Wir sind befreundet, so wie ich mit meinem alten Friseur in Aleppo befreundet war. Und wir reden Arabisch.

Der Preis steht bei den Friseuren in Syrien nicht fest. Jeder hat seine eigene Qualität. Natürlich war es vor dem Krieg günstiger zum Friseur zu gehen als heute. Bevor ein Fest gefeiert wird, ist es in den Friseurläden immer sehr voll gewesen. Manche Friseurläden blieben deswegen sogar rund um die Uhr offen. Als ich noch in Aleppo gelebt hatte, wollte ich immer gerne das Rasieren lernen. Damit konnte man gut Geld verdienen. Doch ich musste fliehen, bevor ich es lernen konnte. 

Bayan Alrazzah

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Quelle: Merkur.de