TAGEBUCH EINES 22-JÄHRIGEN SYRERS

Bayans Leben in Bayern - „In Syrien zahlt man keine Steuer“

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Bayan Alrazzah schreibt über Berufe.

Bayan Alrazzah ist 22 und kommt aus Aleppo in Syrien. 2016 ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag.

Heute berichtet Bayan darüber, welche Berufe in Syrien beliebt sind – und was er als Kind werden wollte.

Ich wollte immer Arzt oder Ingenieur werden   

Ohne Fleiß kein Preis, sagt man ja. Als Kind wünscht sich wohl jeder den besten Beruf. Als ich ein Kind war, haben wir oft in der Schule darüber geredet, was jeder von uns werden will. Damals wurde ich immer gefragt: Was willst du werden? Ich habe immer die gleiche Antwort gegeben: entweder Arzt oder Ingenieur. Aber das bleibt wohl ein Wunsch – wie bei vielen.

„Man muss vieles ausprobieren, um zu sehen, was zu einem passt.“

In Syrien wollen viele Jungs arbeiten, statt lange zu studieren. Damit sie schnell Geld verdienen. Viele arbeiten ohne Studium. Von denen, die studieren, arbeiten viele später beim Staat und verdienen so wenig Geld wie ein Azubi im ersten Lehrjahr. Bei meiner Mutter war es so.

In Aleppo haben viele Jungs davon geträumt, Friseur zu werden. Oder Serviceleiter in einem Restaurant, Koch oder Automechaniker. Denn in diesen Berufen verdient man viel Geld. In Syrien zahlt man keine Steuer oder Versicherung. Außer man ist selbstständig. Seitdem der Krieg begonnen hat, zahlt niemand mehr. Allerdings reicht das, was man verdient, nicht für Miete und Lebensmittel. Viele Menschen arbeiten in Syrien in Berufen, die sie nicht mögen oder die sie gar nicht interessieren. Sie arbeiten nur, um genug Geld zum Leben zu haben.

In Deutschland habe ich noch keinen guten Überblick über die Berufe. Ich habe die Arbeit im Hotel ausprobiert. Das war anstrengend. Aber ich vermute, jeder Beruf ist anstrengend. Als ich noch in Aleppo war, wollte ich gern Friseur werden. Ich glaube, dass es in diesem Job nicht viele Regeln gibt. Auch die Arbeit im Hotel hat mich als Kind interessiert. Dann habe ich es hier in Deutschland ausprobiert und gemerkt, dass es anders ist, als ich es mir vorstellte. Ich bin der Meinung, dass man vieles ausprobieren kann, um zu sehen, was zu einem passt. Zurzeit bin ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz in einem Friseursalon. Und natürlich hoffe ich, dass ich irgendwann einen Job finde.

Bayan Alrazzah

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Quelle: Merkur.de