Tagebuch eines 21-jährigen Syrers

Bayans Leben in Bayern: „Piercings sind verboten“

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Bayan Alrazzah schreibt über Mode.

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier. Heute berichtet er über Mode.

Jeder zieht sich anders an. Und jede Zeit hat ihre Modetrends. Viele Menschen träumen von teuren Klamotten. Aber ich finde es seltsam, wenn man zum Beispiel für ein paar Schuhe hunderte Euro ausgibt.

Als ich noch in Syrien gelebt habe, habe ich drei Winter lang dieselbe Jacke getragen, weil meine Mutter mir keine neue gezahlt hat. Erst als ich als Kellner in einem Restaurant gearbeitet habe, konnte ich selbst entscheiden, was ich mir kaufen möchte. Mein Stil hat sich nicht so sehr geändert seit damals – nur dass ich jetzt immer ein Cap trage. Ich mag immer noch gern Sportklamotten und schwarze Sachen.

Mein Kleidungsstil hat sich in Deutschland nicht so sehr geändert

In Syrien ist, was die Kleidung betrifft, nicht alles erlaubt. Männer dürfen zum Beispiel keine Piercings haben oder sich die Haare grün oder pink färben. Das ist in meiner Religion verboten – man wird beschimpft, wenn man es tut.

Mir ist aufgefallen, dass in Deutschland viele Flüchtlinge Ohrringe tragen – vielleicht, weil sie das in ihrer Heimat nicht durften. Mir gefällt so etwas aber nicht. In Syrien tragen die meisten Frauen ein Kopftuch. Viele tun es nicht gern, aber es ist nun mal eine Pflicht. Viele Mädels ziehen zu dem Kopftuch enge Kleidung an, um schön auszusehen. Im Winter tragen die meisten Frauen Burka oder lockere Jacken, im Sommer längere Pullover – denn T-Shirts zum Kopftuch sind verboten. Manche tragen einen Niqab, also zusätzlich einen Schleier vor dem Gesicht und Handschuhe – alles in Schwarz. Auch meine Mutter hat sich so angezogen. Aber als sie in meinem Alter war, hat sie noch kein Kopftuch getragen. Viele sagen, dass die Religion damals noch nicht so streng war wie heute.

Im Dorf ziehen sich die Leute etwas anders an, das sieht man auf den ersten Blick. Sie tragen zum Beispiel ein rotes Stirnband, ein lockeres Hemd oder eine weite Hose. Auch die Frauen tragen lockere Klamotten – aber immer in Schwarz. 

Bayan Alrazzah

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Quelle: Merkur.de