Tagebuch eines 21-Jährigen Syrers

Bayans Erlebnisse in Aleppo: „Bei uns regnet’s Oma Zähne“

Winter in Aleppo: Das Bild zeigt die Uni. Bayan hat damals in der Nähe gewohnt.

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für unsere Zeitung führt er ein Tagebuch über seinen Alltag. Heute berichtet er darüber, wie der Winter in Aleppo aussieht.

In meiner Heimat warten die Leute auf den Winter, weil wir in Syrien lange Sommer haben. Der Winter dauert immer circa vier bis fünf Monate. Davor und danach ist Sommer. Frühling und Herbst gibt es bei uns nicht. In Syrien ist der Ramadan normalerweise im Sommer und es ist sehr heiß. In Deutschland ist die Situation für uns Muslime etwas anders, weil der Ramadan im Mai beginnt. Es ist noch nicht so warm und deshalb ist es für uns einfacher, den ganzen Tag nicht zu trinken.

Der 21-jährige Bayan berichtet über seine Flucht aus Syrien und sein Leben in Bayern.

In Syrien haben wir niemals gesehen, dass der Schnee auf dem Boden liegengeblieben ist. Erst in den letzten sieben Jahren hat es richtig geschneit. Das war für uns etwas Neues. Damals haben wir, ich und meine Freunde, im Garten oder auf der Straße mit dem Schnee gespielt. Wir haben auch einen Schneemann gebaut. Um Spaß zu haben, warfen wir von den Dächern Schneebälle auf die Leute. Das war für uns ganz lustig. Doch bald ist der Schnee für uns normal geworden.

Wenn es sehr viel schneit, wird der Straßenverkehr in Syrien schwierig. Vor dem Krieg wurden die Straßen noch geräumt – so wie hier in Deutschland. Als der Krieg kam, gab es überall Barrieren von der Armee auf den Straßen, niemand konnte mehr räumen. Im Winter regnet es in Syrien manchmal Eis. Witzig ist, dass die Leute das Oma Zähne nennen.

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Als ich vor zwei Jahren in Deutschland ankam, war gerade Winter. Ich habe gleich gemerkt, dass der Winter hier anders aussieht als in Aleppo. Hier kann man manchmal an einem Tag alle Jahreszeiten sehen. Es gibt zum Beispiel Tage, an denen morgens die Sonne scheint, nachmittags schneit es und abends regnet es. Darüber beschweren sich die Menschen hier immer. Aber so ist das deutsche Wetter. Für mich ist es anstrengend. Seit ich in Deutschland bin, mag ich den Winter nicht mehr. Er fühlt sich hier so lang an. Ich freue mich auf den Sommer – wie die deutschen Bürger. Oft vermisse ich das Wetter in Syrien. Jeder vermisst wohl das Wetter ihn seinem Heimatland.

Bayan Alrazzah

Quelle: Merkur.de