In Franken geplant

Bayern erprobt Zug ohne Lokführer - 2023 soll er starten

Ein Zug an einem Bahnhof
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Bisher fahren diese Dieselzüge auf der Strecke.

Es ist ein Novum, das in Lokführerkreisen für Stirnrunzeln sorgen könnte: Auf einer Bahnstrecke in Oberfranken soll ein autonom fahrender Zug erprobt werden. 2023 könnte er anrollen.

München/Forchheim – Es gehört zur Begleitmusik jedes größeren Lokführerstreiks, dass nach autonom fahrenden Zügen gerufen wird. Meist kommt dann ein flapsiger Kommentar des mächtigen Chefs der Gewerkschaft der Lokführer, Claus Weselsky, und dan beruhigen sich die Gemüter wieder. Doch Politik und Wirtschaft scheint es ernst damit zu sein, autonom fahrende Züge auf die Schiene zu bringen. Das bayerische Verkehrsministerium hat jetzt Geld für eine Vorstudie frei gegeben – 11 400 Euro für eine Grundlagenermittlung des Projekts „BahnAutonom Bayern 2029 – Automatisiertes Bahnfahren auf Nebenstrecken im ländlichen Raum“. Weitere 19 000 Euro steuert die Stiftung „Innovation und Zukunft“ bei.

Als Teststrecke wurde die Verbindung zwischen Forchheim und Ebermannstadt nördlich von Erlangen ausgesucht. Dort fährt heute der private Bahnbetreiber Agilis. Da der Vertrag mit Agilis bis Ende 2023 läuft, „besteht ein großer Anreiz, dies auch innerhalb dieses Zeitrahmens umsetzen zu können“, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Ziel des Versuchs ist es, einen hochautomatisierten Betrieb zu verwirklichen. „Das durch Personal begleitete, autonom fahrende Demonstrator-Schienenfahrzeug soll in der Öffentlichkeit Vertrauen in den digitalen Schienenverkehr aufbauen“, erläutert der Sprecher. „Die Bezeichnung 2029 soll in erster Linie die Zukunftsorientierung verdeutlichen. Es gilt, dann auch die Erkenntnisse des Demonstrationszugs abzuwarten, ehe man prognostizieren kann, ob und wann und wo eine solche Lösung im Regeleinsatz denkbar ist.“

Erster Versuch in den Niederlanden

Allerdings muss ein Versuchsfahrzeug erst noch entwickelt werden. Hier kommt das Schweizer Unternehmen Stadler ins Spiel, das in der Niederlanden bei Groningen im vergangenen Jahr ein Versuchsfahrzeug eingesetzt hat – zunächst ohne, dann mit Fahrgästen. Sicherheitshalber blieb bei allen Tests ein Lokführer an Bord.

Das Ministerium verweist zudem auf ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt im Erzgebirge (Annaberg-Buchholz bis Schwarzenberg). Wichtiger Unterschied zum geplanten Versuch in Bayern: Die Strecke in Sachsen ist eigentlich stillgelegt, das Versuchsfahrzeug ist also allein auf der Strecke unterwegs. Zwischen Forchheim und Ebermannstadt hingegen fahren auch normale, diesel-betriebene Züge.

In Bayern gibt es bisher nur vereinzelte Versuche mit autonomen Fahrzeugen im öffentlichen Personenverkehr. Zwischen dem Terminal 2 und dem Satellitenterminal am Flughafen München fährt der „People Mover“ autonom, er ist allerdings gummibereift. Die Nürnberger U-Bahn betreibt die Linien U2 und U3 ohne Fahrer. Zudem sind in Bad Birnbach in Niederbayern zwei autonome DB-Busse eingesetzt. Normalerweise. Derzeit sind sie Corona-bedingt stillgelegt.