Perspektive? 

Stellenangebot für Aushilfs-Lehrer an Bayerns Schulen

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An vielen Schulen unterrichten Lehrer befristet.

Das Kultusministerium legt ein Sonderprogramm auf, um die Zahl der Lehrer mit befristeten Verträgen abzubauen. Doch die Zeit tickt.

München – In einem ersten Schritt sollen langjährig befristete Lehrer, die sich schon fünf Jahre oder mehr mit Jahresverträgen über Wasser gehalten haben, eine Perspektive bekommen. „Das ist unsere primäre Zielgruppe, sie können sich ab sofort für eine Stelle bewerben“, kündigte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gegenüber unserer Zeitung an. Er betont, das Programm sei eine Chance, um „rechtliche Sicherheit“ zu bekommen.

In der Koalitionsvereinbarung von CSU und FW ist der Abbau befristeter Beschäftigungsverhältnisse bei Lehrern explizit vereinbart. Das werde jetzt umgesetzt, sagte Piazolo.

Frist für Sonderprogramm läuft am 30. April ab

Wer das Sonderprogramm in Anspruch nehmen will, muss sich sputen: Lehrer an Realschulen und Gymnasien sollen sich bis zum 30. April bewerben, um noch im nächsten Schuljahr zum Zuge zu kommen. Die Voraussetzung definiert das Ministerium auf einer extra dafür freigeschalteten Homepage wie folgt: „Es müssen Mindestbeschäftigungszeiten nach Erwerb oder Anerkennung der Lehrbefähigung in befristeten Beschäftigungsverhältnissen an staatlichen Schulen in Bayern von 60 Monaten – unabhängig davon, in welcher Schulart die Leistung erbracht wurde – nachgewiesen werden.“ Außerdem muss die Staatsexamensnote mindestens 3,5 betragen.

500 Lehrer und Lehrerinnen können hoffen

Piazolo erwartet, dass sich in diesem Schuljahr etwa 500 Lehrer bewerben. So viele Stellen gibt es in einer ersten Tranche. Sollten sich mehr Lehrer bewerben, entscheidet die Note. Auch im Jahr 2020 läuft das Sonderprogramm noch weiter. Insgesamt stehen dafür im Doppelhaushalt für die Jahre 2019/20 808 Stellen zur Verfügung. Da nicht alle Lehrer eine Vollzeitstelle wollen, rechnet das Ministerium damit, dass rund 1000 Lehrer von dem Programm profitieren könnten.

Niemand im Ministerium erwartet, dass mit dem Sonderprogramm das Problem befristet beschäftigter Lehrer endgültig beseitigt ist. Das hatte zuletzt die SPD im Landtag kritisiert. „Wir werden wahrscheinlich nie ganz ohne Befristungen auskommen“, sagt Piazolo. Aktuell zum Beispiel gebe es rund 1300 ausgebildete Real- und Gymnasialschullehrer, die mit befristeten Verträgen eine Zweitqualifikation zum Grund- oder Mittelschullehrer absolvierten. Ihre spätere Übernahme sei aber garantiert.

Auch den rund 200 an bayerischen Schulen stundenweise eingesetzten Ruheständlern könne man keine feste Stelle geben. Zudem werde es immer der Fall sein, dass Schulen aus ihrem Budget Aushilfslehrer etwa für Schwangerschaftsvertretungen einstellten – ebenfalls befristet. 

Beim Lehrerbedarf setzt Bayern auf Qualität - und will auch in Zukunft auf Seiteneinsteiger verzichten. Dabei sorgten schon vergangenes Jahr die steigende Zahl der Grundschüler für ein großes Problem: Unterrichtsausfall.

Quelle: Merkur.de