„Es dauert viel zu lange“

Der Wolf im Visier der Tierhalter - Skepsis gegenüber dem Aktionsplan der Staatsregierung

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Auf der Weide unerwünscht: Tierhalter fordern einen besseren Schutz vor dem Wolf.

Der geplante Aktionsplan Wolf der Staatsregierung ist noch immer nicht in Kraft. Derweil diskutieren Tierhalter im Landtag mit den Abgeordneten über den Umgang mit Bayerns wildem Einwanderer.

München – Langsam, aber sicher redete sich Franz Hage in Rage. Der Chef des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu hat sich im vergangenen Jahr mit einer ganzen Reihe von Beschwerden aus den Reihen seiner Berufskollegen herumschlagen müssen. Grund dafür sind die acht nachgewiesenen Wolfsrisse im Oberallgäu, die bei den Almbauern für gehörige Missstimmung gesorgt haben. „Es dauert viel zu lange, bis die genetischen Proben analysiert sind“, kritisierte Hage. Erst, wenn der Wolfsnachweis sauber geführt ist, können die Halter für Risse entschädigt werden. Weil sich die Gen-Analyse aber oft über Monate hinzieht, wachse der Frust. „Die Almbauern verlieren das Vertrauen in die Behörden.“

Skepsis gegenüber den Plänen der Staatsregierung

Franz Hage ist einer von zehn Experten, die gestern im Landwirtschaftsausschuss des Landtags zum Fachgespräch geladen waren. Unter der Überschrift „Betroffenheit der Bäuerinnen und Bauern durch den Wolf“ wollten die Abgeordneten Erfahrungen aus der Praxis im Umgang mit dem auch in Bayern immer präsenteren Wildtier sammeln. Die Tendenz war eindeutig, was auch an der Zusammensetzung der Referentenliste lag. Unter ihnen waren Vertreter der Almwirtschaft sowie der Rinder- und Schafhalter in Bayern, dazu Mitarbeiter aus dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium. Tier- und Naturschutzverbände blieben außen vor, was die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl prompt monierte. Der Ausschussvorsitzende Leopold Herz (FW) kündigte eine weitere Anhörung im Ausschuss an, bei der alle Seiten gehört werden sollen.

Fast alle Referenten einte die Skepsis gegenüber den Plänen der Staatsregierung, die Nutztiere primär mit Zäunen und Herdenschutzhunden vor dem Wolf zu schützen. „Die Zäune wären eine Riesenbarriere in der Landschaft“, sagte Georg Mair vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. „Damit würde ja das gesamte Wild in den Bergen in seiner Bewegung eingeschränkt“, ergänzte Michael Honisch vom Alpwirtschaftlichen Verein. „In Graubünden sehen wir schon jetzt, dass das zu Problemen bei der Jagd führt.“ Erika Sauer vom Fleischrinderverband Bayern forderte deshalb „klare Regeln, wo der machbare Herdenschutz endet“. Und Bayerns oberster Schäfer Joseph Grasegger griff Hages Kritik auf und mahnte zu schnelleren Entscheidungen bei den Behörden. Sollte Bayern wirklich einen Problemwolf bekommen, würden Nachweis und Abschussgenehmigung so lange auf sich warten lassen, „dass der Wolf vorher an Altersschwäche stirbt“

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Umweltministerium verteidigte Pläne des Aktionsplans Wolf

Erik Settles vom Umweltministerium räumte ein, dass das Nachweisverfahren „schneller und effektiver“ werden müsse. Er verteidigte aber die Pläne im Aktionsplan Wolf, der, so hatte es Umweltminister Thorsten Glauber (FW) angekündigt, noch im Frühjahr in Kraft treten soll. Darin will Bayern unter anderem sogenannte nicht schützbare Weidegebiete festlegen, in denen Tierhalter keine Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenhunde ergreifen müssen, weil es zu aufwendig wäre. Eine solche Regelung gebe es nur in Bayern, betonte Settles. Als letztes Mittel dürfen verhaltensauffällige Wölfe auch abgeschossen werden.

Unter den Abgeordneten sprachen sich Mitglieder von CSU, FW und AfD kritisch über den aktuellen Schutzstatus des Wolfes aus. „Wir müssen uns von einer Lebenslüge verabschieden“, sagte Klaus Steiner von der CSU: „Ein Lebensraum für große Beutegreifer existiert bei uns nicht mehr.“ Nikolaus Kraus (FW) outete sich als „Wolfsfeind“ und sprach sich dafür aus, den Schutzstatus des Wolfes zu senken (was allerdings nur auf EU-Ebene möglich ist). Und auch Ralf Stadler von der AfD forderte: „Der Wolf gehört gejagt.“

FDP, SPD und Grüne warben hingegen weiter dafür, sinnvolle Lösungen für eine Koexistenz von Wolf und Weidetieren zu suchen.

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Dominik Göttler

Quelle: Merkur.de