Bayerns neue Sozialministerin Carolina Trautner im Interview

„Wir müssen moderner denken“

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Blumen für die Neuen: Neben Carolina Traunter wurde gestern auch Staatssekretär Klaus Holetschek verei digt. 

Carolina Trautner hat sich als neue bayerische Sozialministerin viel vorgenommen. Sie will beim Fachkräftemangel neue Wege gehen und fordert: „Wir müssen moderner denken.“

München – Hinter Carolina Trautner liegt eine steile Karriere. Vor knapp sieben Jahren zog die zweifache Mutter aus Schwaben für die CSU in den Landtag ein, 2018 wurde sie Staatssekretärin im Sozialministerium. Seit gestern ist die 58-Jährige Sozialministerin. Ihr Traum-Amt, sagt sie. Und sie hat sich viel vorgenommen.

Frau Trautner, wie überrascht waren Sie, als Sie erfuhren, dass Sie die neue Sozialministerin werden?

Das war eine große Überraschung. Ich bin ganz entspannt zur Klausurtagung gefahren, weil ich sicher war, dass ich für das frei werdende Bauministerium nicht infrage komme. Als mir Markus Söder eröffnet hat, dass ich Sozialministerin werde, ist für mich ein großer Traum in Erfüllung gegangen.

Vor Ihnen liegen viele Herausforderungen. Das Thema Rente, die Altersarmut, der Erziehermangel. Warum reizt Sie das Amt so?

Das Schöne an diesem Ministerium ist, dass es so viele Berührungspunkte mit den Menschen gibt. Sie stehen bei unserer Arbeit im Mittelpunkt. Das große Themenspektrum macht die Aufgabe abwechslungsreich und herausfordernd. Da kann ich mich richtig einbringen.

Welche Stärken bringen Sie dafür mit?

Ich bin jemand, der auf andere Menschen zugehen und gut zuhören kann. Das ist auch die Leitlinie, unter die ich mein Amt stellen möchte: hinschauen, zuhören und kümmern. Da ich mich über ein Jahr lang als Sozialstaatssekretärin in die Themen eingearbeitet habe, kenne ich das Haus und die Verbände gut. Auch in meiner Zeit als Kommunalpolitikerin habe ich viele soziale Themen in Angriff genommen, das lag mir schon immer am Herzen.

Vor allem das Thema Barrierefreiheit ist für Sie ein Herzensthema. Warum geht in diesem Bereich so wenig voran?

Ich habe bisher den Staatssekretärausschuss „Bayern barrierefrei“ geleitet. Wir waren im vergangenen Jahr sehr aktiv – ohne große Öffentlichkeit. Diesen Ausschuss möchte ich anders aufsetzen, ich will das Thema ganz hoch ansiedeln. Um ein inklusives Bayern zu entwickeln, müssen alle Ministerien zusammenarbeiten.

Von dem barrierefreien Bayern, das Seehofer für 2023 angekündigt hatte, sind wir aber noch weit entfernt.

Ja, das ist noch ein weiter Weg. Aber das ist doch kein Grund zu verzagen. Wir müssen ambitioniert weiterarbeiten und dranbleiben. Das sind wir den Menschen schuldig.

Eine andere große Herausforderung ist der Fachkräftemangel im Erzieherbereich. Wie werden Sie die angehen?

Um junge Menschen für soziale Berufe zu gewinnen, müssen wir neue Wege gehen. Ich fand es spannend, dass meine Vorgängerin Influencer dafür ins Boot geholt hat. Erst konnte ich mir das nicht vorstellen – aber es hat super funktioniert. Man muss eben moderner denken und auch mal etwas ausprobieren. Da bin ich sehr aufgeschlossen.

Die Verbände in Bayern verzeichnen Mitgliederrekorde. Haben viele Menschen das Gefühl, Verbände kämpfen mehr für ihre Anliegen als die Politik?

Die Verbände waren den Menschen schon immer nah. Sie übernehmen eine wichtige Funktion. Der VdK ist zum Beispiel beim Thema Rente sehr engagiert. Das sind Bundesthemen, die mich nun betreffen. Ich möchte zeitnah nach Berlin fahren und Kontakt zu Sozialminister Hubertus Heil und Familienministerin Franziska Giffey suchen, damit wir bei diesen Themen gemeinsam vorankommen. Ich werde Bayerns soziale Stimme im Bund sein.

Sie sind zweifache Mutter, Apothekerin und Politikerin. Kann das heute jede Frau schaffen?

Jede Familie muss für sich herausfinden, was leistbar ist. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, der Rückhalt des Partners muss da sein. In meiner Familie hat das gut geklappt. Allerdings bin ich erst hauptberuflich in die Politik eingestiegen, als meine Kinder selbstständig waren.

Es gibt nun zwar fünf Ministerinnen in Bayern, der Frauenanteil im Landtag ist aber gering. Kämpfen Frauen zu wenig um Führungspositionen?

Vielleicht hat manchen Frauen die Zeit dafür gefehlt, weil sie sich um anderes kümmern mussten. Inzwischen sind ihre Chancen größer, weil wir bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten bieten und die Männer anders denken. Ich fühle mich dafür zuständig, weiterhin Ideen zu entwickeln, damit Familie und Beruf für Frauen und Männer noch besser vereinbar sind.

Quelle: Merkur.de