Gefechtsübung mit Verletzten

Bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall schlug der Blitz ein

+
Einsatz im Gebirge: Ein Hubschrauber bringt Verpflegung, was sogleich per Funk gemeldet wird. 

Blitzschlag, verstauchte Knöchel, Murren über die Verpflegung – die Gefechtsübung „Berglöwe“ der Gebirgsjägerbrigade 23 Mitte Juli im Berchtesgadener Land erwies sich für einige Soldaten als äußerst strapaziös.

Bad Reichenhall – Am Ende der mehrtägigen Gefechtsübung, die größte dieser Art seit fast 20 Jahren, zählt die Bundeswehr 70 Verletzte. Bei 1400 Soldaten sei ein Ausfall von fünf Prozent aber keine sonderlich hohe Quote, sagte der stellvertretende Brigadekommandeur Stefan Leonhard gegenüber unserer Zeitung. Der Oberst wehrt sich gegen den Eindruck, bei den Angriffs- und Verteidigungssimulationen rund um die Reiteralpe sei den Soldaten zu viel abverlangt worden. Einige Akteure seien zwar „an der Grenze der physischen Belastung“ angelangt, insgesamt aber sei er froh, dass sich die Zahl der Verletzungen „im Rahmen“ gehalten habe.

Die Übung war von den Gebirgsjägern minutiös geplant und auch vorab publik gemacht worden. Die Gebirgsjäger bewegten sich auf Durchgangsstraßen Richtung Reiteralpe, wo dann das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall einen Angriff des Nachbarbataillons 232 aus Bischofswiesen abwehren sollte. „Aus einer politischen Krise erfolgten für die beiden Gebirgsjägerbataillone entsprechende Aufträge im Angriff und in der Verteidigung“ – das war das Szenario.

Dass die Soldaten dabei mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatten, stellt Oberst Leonhard nicht in Abrede. Heftige Regenfälle verschlammten die Wege, die Felspassagen am Seil wurden rutschig. Aber das muss ein Gebirgsjäger wohl aushalten. Allerdings wurde es einmal auch brenzlig, als ein Blitz in unmittelbarer Nähe eines Soldatentrupps einschlug. „Mehrere Soldaten gerieten in das Spannungsfeld“, sagte Leonhard. Sie wurden vorsorglich abtransportiert und kamen zur Beobachtung auf die Intensivstation eines Krankenhauses. Gesundheitsschäden habe niemand davongetragen, betont Leonhard. Die Zahl anderer Verletzungen wie Verstauchungen, Bänderdehnungen und -risse hätten sich „in Grenzen“ gehalten. Das zeige „die Leistungsfähigkeit und Robustheit“ der Gebirgsjäger.

Viele der jetzigen Soldaten werden in Kürze nach Mali geschickt

Die Verpflegung stellte der Gebirgsjäger-Kommandeur als ausreichend dar. Freilich habe bei bis zu 40 Kilogramm schweren Rucksäcken der ein oder andere Soldat vielleicht bei der Mitnahme von Essen oder Getränken gespart, was nicht ratsam sei. Eher amüsant waren andere Zwischenfälle: Einmal geriet eine Kuhherde ins Scharmützel, ein andermal kamen sich die Gebirgsjäger wie auf einer Fotosafari vor, weil neugierige Wanderer das spektakuläre Geschehen eifrig knipsten. Die Soldaten nahmen das gerne hin, wie auch die Aufnahme der Bevölkerung freundlich war. Beim Abmarsch der Soldaten hingen sogar Botschaften wie „Papa, ich hab dich lieb“ oder „Viel Glück bei der Übung“ an Brücken.

Insgesamt war „Berglöwe“ ein Erfolg, sagte Leonhard, weshalb die Übung im kleineren Maßstab 2019 wiederholt werden soll. Allerdings mit anderen Teilnehmern: Viele der jetzigen Soldaten der Bataillone werden in Kürze nach Mali geschickt, wo sie Teil der UN-Friedensmission „Minusma“ werden.

Quelle: Merkur.de