„Ich würde es ungeschehen machen“

Beifahrer fast getötet: Alkohol-Raser (25) muss ins Gefängnis

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Heftiger Aufprall: Vom Fahrzeug des Angeklagten war schlussendlich nicht mehr viel übrig.

Alkoholisiert und mit überhöhter Geschwindigkeit baute ein 25-jähriger Kreuther einen schweren Unfall. Büßen musste das vor allem sein 21-jähriger Beifahrer. Jetzt stand der Fahrer vor Gericht.

Weissach – Auf dem Weg von Rottach-Egern nach Kreuth touchierten sie zunächst den Bordstein, gerieten daraufhin ins Schleudern, rammten ein Schild auf der Verkehrsinsel und schließlich die Ampel. Der Fahrer selbst wurde schwer verletzt, sein Beifahrer schwebte zwischenzeitlich sogar in Lebensgefahr. Und alles nur, weil der Kreuther alkoholisiert und mit stark überhöhter Geschwindigkeit gefahren war. Dafür wurde er nun vor dem Amtsgericht zur Rechenschaft gezogen: neun Monate Gefängnis und drei Jahre Fahrverbot.

Alles hatte im Juni vergangenen Jahres mit einem gemütlichen Abend in einer Kreuther Kneipe begonnen. Dort hatten sich der Angeklagte und der geschädigte Beifahrer zufällig getroffen, geratscht und etwas getrunken. Der Geschädigte fünf Bier, der Angeklagte „genügend“ Bier und vielleicht einen oder zwei Schnaps – jedenfalls so viel, dass die Blutuntersuchung am Ende 1,41 Promille ergab. Gegen 22.30 Uhr will der Geschädigte dann gezahlt und den Heimweg angetreten haben. An den weiteren Verlauf des Abends könne er sich nicht erinnern – seine Erinnerung setze erst wenige Sekunden vor dem Aufprall gegen 0.17 Uhr wieder ein. „Ich habe gesehen, dass wir schnell auf die Ampel zugerast sind“, sagte der 21-Jährige im Zeugenstand. Schnell, das waren laut Gutachten eines Sachverständigen zwischen 97 und 122 Kilometer pro Stunde. Bei erlaubten 50.

Auch den Angeklagten ließ seine Erinnerung im Stich. Sein letzter Kenntnisstand: „Wir saßen zusammen im Biergarten.“ Wie es zu dem Unfall kam, konnte er sich nicht erklären. Er sei zwar mit dem Auto gekommen. „Ich hatte aber vor, zu Fuß nach Hause zu gehen. Das sind nur 600 Meter.“ Auf die Frage des Staatsanwalts, warum die beiden aus Richtung Rottach auf die Kreuzung zukamen, wo doch die Kneipe in Wiesseer Richtung liegt, wusste der Angeklagte keine Antwort. „Meine Erinnerung setzt erst in der Früh ein.“ Was in den zwei Stunden vor dem Unfall passiert war, war nicht zu klären.

Teuer bezahlt haben den Abend beide. Der Angeklagte – wohl nicht angeschnallt – wurde bei dem Aufprall aus dem Fahrzeug geschleudert und erlitt eine offene Unterschenkelfraktur sowie im Nachgang des Unfalls eine Lungenembolie. Noch schlimmer erwischte es den Beifahrer: Er wurde im Fahrzeug eingeklemmt, trug ein Schädel-Hirn-Trauma, mehrere Frakturen im Gesicht sowie eine Lungenkontusion, also eine Quetschung wohl gefolgt von Einblutungen, davon und kam gerade so mit dem Leben davon.

Sowohl das Gericht als auch der Staatsanwalt sahen die Vorwürfe als erwiesen an. „Es ist mir unerklärlich, wie man alkoholisiert mit mindestens dem doppelten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit durch die Gegend fahren kann“, sagte dieser. Dass der Kreuther nicht mit einer Geld- oder Bewährungsstrafe davon kam, hatte er seine Vorstrafen – unter anderem zwei weitere Trunkenheitsfahrten – zu verdanken. Und nicht zuletzt der Tatsache, dass er zum Tatzeitpunkt bereits eine Bewährungsstrafe verbüßte. Er zeigte sich bei der Verhandlung reuig: „Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen.“

Quelle: tz