Grüne vor Landtagswahl

Bereit für Umwege

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Katharina Schulze will mit den GrünenVerantwortung übernehmen

Die Grünen stellen ihren Zehn-Punkte-Plan für Bayern vor - und deuten Koalitionsbereitschaft an.

München – Hinter Katharina Schulze tickt die Uhr. In roten Zahlen blinkt dort auf: 33 Tage, vier Stunden, 52 Minuten und 53 Sekunden. Schulze, die Spitzenkandidatin der Grünen in Bayern, zählt seit vielen Wochen fleißig mit, sie muss sich gar nicht umdrehen, um ihren kleinen Spruch abzufeuern. „In 33 Tagen“, sagt sie, „ist die absolute Mehrheit der CSU endlich Geschichte.“

Die Grünen wittern gerade ihre Chance. Sie fühlen sich bereit fürs Mitregieren. Um das zu verbildlichen, schleppen sie ihre Uhr durch Bayern. An diesem Dienstagmittag hinauf in den zweiten Stock des Lovelace Hotel in München. In einem kleinen Raum sitzen Schulze und Ludwig Hartmann, die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Ihre Namensschilder stecken in winzigen Baumstämmen, an der Wand schlängeln sich Pflanzen. Die Details stimmen, das entscheidende Dokument aber haben sie auf dem großen Tisch verteilt, einen Zettel mit der Überschrift: 10 Punkte für Bayern. Hartmann sagt: „Das sind Bereiche, in denen sich dringend etwas ändern muss.“

Was genau, das hat seine Partei nun ausformuliert. Es fängt mit der Umwelt an. Die Grünen wollen „eingesetzte Ackergifte bis 2030 halbieren“. Bis dahin soll Bayern auch „zu 100 Prozent sauberen Strom“ beziehen, ein dritter Nationalpark ist geplant. Die Partei will „fünf Milliarden Euro für 50 000 neue Sozialwohnungen“ bereitstellen, das Thema Wohnen nennt Hartmann „die entscheidende soziale Frage“. Die bayerische Grenzpolizei, so Schulze, soll abgeschafft, das umstrittene Polizeiaufgabengesetz verändert werden. Und zur Integration merken die Grünen an: Geflüchtete sollen von Beginn an Sprachkurse besuchen, Sammellager und Abschiebungen nach Afghanistan lehnen sie ab.

Mit diesen Punkten stecken die Grünen auch ihre Vorstellungen ab. Wer mit ihnen koalieren will, sagt Hartmann, muss in diesen Punkten einen großen Schritt machen. Doch in manchen Halbsätzen deutet sich auch Kompromissbereitschaft an. Schulze bemerkte, „dass wir pragmatisch die Welt retten müssen“, Hartmann glaubt, dass „man auch mit einem Umweg ans Ziel kommt“. Dieser Umweg heißt wohl: CSU. christopher meltzer

Quelle: Merkur.de