Mammutprojekt der Bahn im Inntal

Exklusiv: Brenner-Zugstrecke durch Oberbayern - Scheuer lässt Tunnel-Lösung prüfen

Baustelle im Tunnel
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Schon weit gediehen: Blick in den Brennerbasis-Tunnel.

Der Protest gegen die Planung der Brennerzulauf-Bahnstrecke im Inntal reißt nicht ab. Der Bundesverkehrsminister hat nun eine Machbarkeitsstudie zugesagt: Es wird geprüft, ob ein neuralgischer Abschnitt unter die Erde verlegt werden könnte.

München/Rosenheim – Traktorproteste, Demonstrationen, erst kürzlich Mahnfeuer: Die Bahn hat bei der Planung zweier neuer Gleise zwischen Rosenheim und Kiefersfelden einen schweren Stand. Zuletzt ballte sich der Unmut über die Planung der „Verknüpfungsstelle Wildbarren“ bei Niederaudorf, wo die Gleise der Alt- und Neubaustrecke zusammengeführt werden sollen – damit Züge zwischen den Abschnitten wechseln können. Bürgermeister in der Region genauso wie CSU und Freie Wähler im Landtag haben wiederholt gefordert, die etwa 500 Meter lange Betonkonstruktion mit Überwerfungsbauwerken und Weichen unter die Erde zu verlegen – zu groß wäre nach ihrer Ansicht sonst die Landschaftsverschandelung.

Brennerzulauf-Bahnstrecke: Scheuer gibt Studie in Auftrag

Nachdem sich die Bahn aus Kostengründen geweigert hatte, eine Studie in Auftrag zu geben, reagierte nun der Bundesverkehrsminister. „Ich greife den Vorschlag der Region gerne auf“, sagte Andreas Scheuer (CSU) dem Münchner Merkur (Samstag in der Printausgabe nachzulesen). Er habe das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung in Dresden mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Das (erst 2019 gegründete) DZSF ist ein Forschungsinstitut von Scheuers Verkehrsministerium. „Wir wollen herausfinden, ob und gegebenenfalls wie eine Verknüpfungsstelle unterirdisch realisiert werden kann“, sagte Scheuer. Er wolle „keine Chance auslassen, um die Akzeptanz für die geplante Strecke zu erhöhen“.

Ob die Studie die Gemüter in der Region beruhigt, bleibt abzuwarten. Ende Januar hatte die Regierung von Oberbayern das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Dabei blieben vier mögliche Trassen durch das Inntal übrig. Als Favorit gilt die wahrscheinlich teuerste Lösung: eine Trasse, die in einem weiten Schwenk nordöstlich um Rosenheim herumführt, den Inn über- oder sogar unterquert und dann in langen Tunnelabschnitten gen Süden führt. In wenigen Wochen will die Bahn mitteilen, für welche der vier Trassen sie eine Baugenehmigung beantragen will.

Brennerzulauf: Möglicherweise wird die Strecke erst 2040 fertig

Über den Sinn der Neubaustrecke gehen die Meinungen auch innerhalb der CSU auseinander. Während Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer ebenso wie lokale Vertreter stets betonen, das Erfordernis für den Bau sei noch nicht erwiesen und müsse erst durch Bedarfsanalysen festgestellt werden, legt sich Scheuer im Gespräch mit dem Münchner Merkur fest: „Es gibt hier kein Vielleicht und auch kein Ob.“ Der Deutsche Bundestag habe den Bedarf gesetzlich festgelegt. „Jetzt geht es um das Wie.“

Als möglicher Termin für die Fertigstellung gilt das Jahr 2040. Zum Vergleich: Der Brennerbasis-Tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste in Südtirol soll nach optimistischer Schätzung 2028, wahrscheinlich aber einige Jahre später betriebsbereit sein.

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