Brenner-Zulauf: Alles zurück auf null?

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Proteste gegen den Bahnlinien-Ausbau

Am Montag kommt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach Rosenheim – in eine Region in Aufruhr. Der Widerstand gegen Planungen der Bahn, zwei neue Gleise ins Inntal zu legen, gewinnt an Stärke. Und eine neue Studie könnte die Gegner noch beflügeln.

Rosenheim – Für Rosenheimer Verhältnisse ist es eine Großdemo: 14 Bürgerinitiativen trommeln am Montag gegen den Bau des Brenner-Nordzulaufs durch das Inntal. Peter Margraf, Sprecher der BI Inntal und einer der Initiatoren des Protests, rechnet mit mindestens 2000 Demonstranten. Die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig spricht von einer „Ausnahmesituation – das zeigt, dass sich die Leute Sorgen machen“. Im Traktorkonvoi wollen Landwirte das Landratsamt sternförmig einkreisen. In der Behörde wird gegen 13 Uhr Minister Scheuer erwartet. Jeder Bürgermeister der Inntal-Gemeinden darf zwei Vertreter der Bürgerinitiativen zur ansonsten nicht öffentlichen Besprechung mitnehmen. Vier Stunden will sich Scheuer Zeit nehmen – und wenn nicht alle Anzeichen trügen, eine neue Entwicklung beim umstrittenen Ausbau der Bahn im Inntal einleiten.

Ein ganzes Bündel an möglichen Trassen hat die Deutsche Bahn im vergangenen Sommer vorge stellt. Der Protest dagegen (unser dpa-Foto) nimmt zu.

Erwartet wird, dass der Minister Teile einer noch geheimen Szenarienstudie vorstellen wird, die sein Ministerium in Auftrag gegeben hat. Darin wird die Entwicklung des Güterverkehrs im Inntal bis ins Jahr 2050 prognostiziert und auch untersucht, ob sich bei einer Ausstattung der zweigleisigen Bestandsstrecke mit neuester Digitaltechnik der Bau zweier weiterer Gleise vermeiden ließe. Dazu zählt insbesondere das Zugbeeinflussungssystem ETCS, das kürzere Abstände zwischen den Zügen ermöglichen würde. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dann wird Scheuers Ministerium den Bedarf für neue Gleise deutlich skeptischer beurteilen als bisher. Vorab weist das Ministerium alle Anfragen ab – kein Kommentar.

Scheuers neue Studie würde gut passen zur jüngsten Absetzbewegung der CSU-/FW-Staatsregierung, die erst einen Bedarfsnachweis für eine Neubaustrecke fordert – und das, obwohl der Inntal-Ausbau vom CSU-geführten Verkehrsministerium einst als „vordringlich“ im Bundesverkehrswegeplan eingestuft wurde. Darauf beruft sich auch die Bahn. Es gehe nicht um das Ob, sondern um das Wie, heißt es. Aktuell fahren im Inntal knapp 200 Züge täglich – inklusive Meridian-Regionalzüge. Künftig könnten es bis zu 400 sein. Das gehe nur mit neuen Gleisen. Nach etlichen, teils umstrittenen Probebohrungen hatte die Bahn vergangenen Juni erstmals Trassenvorschläge vorgestellt. Viele Tunnel, viele Kurven, viele Fragezeichen – denn nach der Präsentation ging es nicht recht weiter. Eigentlich wollte die Bahn in sechs Gemeindeforen die Auswahl weiter einengen und bis 2020 eine Variante auswählen. Zwei Foren wurden auf Eis gelegt. Der Zeitplan ist wohl nicht zu halten.

Der Stephanskirchner Bürgermeister Rainer Auer weist in einem Video-Blog darauf hin, dass täglich 2000 Lkw nur deswegen durchs Inntal fahren, weil der Spritpreis in Tirol so niedrig sei. Da müsse man mal ansetzen. Auch für BI-Sprecher Peter Margraf liegt ein Teil des Problems in Österreich. Österreichische Züge nutzten das sogenannte Deutsche Eck zwischen Kiefersfelden und Freilassing als Abkürzung – und belegten so bayerische Gleise.

Quelle: Merkur.de