Interview

BRK-Chef zur Coronavirus-Krise: „Die Schutzkleidung ist bis Ende März gesichert“

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Im Krisenmodus: BRK-Geschäftsführer Leonhard Stärk sitzt seit Ende Februar im Krisenstab in München.

Das Bayerische Rote Kreuz hat am Wochenende wegen des Coronavirus den Krisenfall erklärt. Der Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk erklärt, wieso.

Das BRK hat den Krisenfall erklärt. Was bedeutet das?

Stärk: Das ist eine Vorsichtsmaßnahme. Es geht darum, unsere Arbeitsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Wir haben Ende Februar einen Krisenstab auf Landesebene eingeführt, der durch den Krisenfall nun andere Befugnisse hat. Die 73 Kreisverbände und fünf Bezirksverbände sind jetzt angehalten, eigene Krisenstäbe zu bilden. Sie sind nun 24 Stunden an sieben Tagen die Woche erreichbar und bereiten sich darauf vor, gemeinsame Maßnahmen umzusetzen. Zum Beispiel könnte es passieren, dass wir Ressourcen an einigen Stellen abziehen, um sie für Rettungsdienst, stationäre Pflege oder Essen auf Rädern einsetzen zu können. Durch den Wegfall all unserer Aus- und Weiterbildungen sind Kapazitäten frei geworden.

Was bereitet dem BRK gerade am meisten Sorgen?

Stärk: Wir können noch nicht absehen, welche Auswirkungen die Schul- und Kindergartenschließungen auf unsere Strukturen haben werden. Viele Mitarbeite sind Eltern. Wegen der Betreuung ihrer Kinder werden sich einige wohl abmelden müssen. Auch bei einer normalen Grippewelle haben wir zehn bis 15 Prozent Personalausfälle – auf sowas sind wir immer vorbereitet. Wenn es aber 30 oder 40 Prozent werden, kommen wir an die Grenze der Arbeitsfähigkeit in den Altenheimen und im Rettungsdienst.

Wie groß sind die Vorräte für Schutzkleidung noch?

Stärk: Europaweit ist der Markt leer. Seit Ende Februar machen wir fast nichts anderes als die nationalen und internationalen Märkte abzugrasen und Schutzausrüstung zu besorgen. Unsere Rettungsdienste haben Vorräte für zwei bis drei Wochen. Mehr war in den vergangenen 20 Jahren nie nötig. Jetzt müssen wir mit dem Engpass umgehen. Wir haben zigtausend Schutzanzüge, -handschuhe und -masken bekommen, sodass der März gesichert ist, wenn die Zahl der Infizierten nicht weiter explosionsartig nach oben geht. Vom Freistaat bekommen wir viel Unterstützung.

Die Preise dafür sind bereits um das Zwanzigfaches gestiegen...

Stärk: Was früher 1,80 Euro gekostet hat, kostete vorletzte Woche bereits zwölf Euro – und heute noch mehr. Einige machen damit jetzt ein Geschäft, das können wir nicht ändern. Die Maßnahme von Gesundheitsminister Jens Spahn, ein Exportverbot für deutsche Schutzausrüstung zu erlassen, war kontraproduktiv. Es gab sowieso nur wenige Hersteller, aber jetzt liefern die ausländischen Hersteller nicht mehr nach Deutschland.

Wie besorgt sind die BRK-Mitarbeiter, dass sie sich infizieren könnten?

Stärk: Die Sorge ist natürlich da. Es wird auch dazu kommen, dass wir Mitarbeitergruppen mit Schutzausrüstung ausstatten müssen, die wir jetzt noch nicht ausgestattet haben. Zum Beispiel die für den Hausnotruf. Unsere Mitarbeiter erwarten, dass wir sie vernünftig ausstatten. Dafür tun wir und die Staatsregierung alles. Wir müssen strategisch arbeiten, damit die Versorgung – gerade der Älteren und Kranken – aufrechterhalten bleibt.

Wie groß ist die Angst bei Älteren und Kranken?

Stärk: Wir stellen eine zunehmende Sorge fest. Gut ist nach unseren Beobachtungen, dass die Menschen nicht in Panik geraten. Wir können jeden versorgen. Damit es so bleibt, haben wir den Krisenfall ausgerufen, um kurze Entscheidungswege zu schaffen. Die Menschen erwarten, dass ihr Rotes Kreuz funktioniert – wir tun Tag und Nacht nichts anderes, als das sicherzustellen.

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Es gibt viel zu wenige Atemschutzmasken in Deutschland. Die Schuld dafür soll laut einem Hersteller auch beim Gesundheitsministerium und Minister Jens Spahn liegen.

Quelle: Merkur.de