Wahl-Debakel

Die schwarzen Bastionen bröckeln - CSU-Abgeordnete alle unter 50 Prozent

Bundestagswahl in Bayern: Ein Mann in bayerischer Tracht gibt seine Stimme für die Bundestagswahl 2021 in einem Wahllokal ab.
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Bundestagswahl in Bayern: Ein Mann in bayerischer Tracht gibt seine Stimme für die Bundestagswahl 2021 in einem Wahllokal ab.

Die CSU hat das schlechteste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Der Rückhalt für die Christsozialen schwindet, prominente Direktkandidaten wurden abgewatscht.

München - Auf seinen Heimatort kann sich Alexander Radwan verlassen. Seit zwei Wahlperioden sitzt der CSU-Politiker im Bundestag. Auch diesmal holte er in seinem Wohnort Rottach-Egern am Tegernsee 61,3 Prozent der Erststimmen – und damit eines der besten Gemeindeergebnisse für die CSU in Oberbayern. Der 57-Jährige verliert nur gut drei Prozent im Vergleich zur letzten Bundestagswahl, bei den Zweitstimmen legte die CSU in Rottach-Egern sogar leicht zu auf 50,6 Prozent.

Bundestagswahl/CSU: Schwarze Bastionen in Oberbayern bröckeln

Jahrzehntelang gab es viele solcher schwarzen Bastionen in Oberbayern. In der Jachenau im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen verbuchten die Christsozialen mit Edmund Stoiber als Zugpferd bei der Bundestagswahl 2002 noch über 80 Prozent. Doch mit dem schlechtesten CSU-Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik schrumpfen auch die Wahlkreisresultate. Bei den Erststimmen kommt die CSU bayernweit nur noch auf 36,9 Prozent, mehr als sieben Punkte weniger als 2017. Und selbst in der Jachenau sind von den einst stolzen 80 Prozent nur noch 53,8 übrig. Erstmals seit Jahrzehnten kam kein CSU-Abgeordneter mehr über 50 Prozent der Erststimmen.

Zwar konnten die Christsozialen bis auf den Wahlkreis München-Süd, der an die Grünen ging, alle Direktmandate verteidigen. Doch häufig mit herben Verlusten. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär zum Beispiel büßte in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen fast 19 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017 ein. Oder Verkehrsminister Andreas Scheuer, abgewatscht in seinem Wahlkreis Passau mit einem Minus von 16,8 Prozentpunkten. Einem seiner Amtsvorgänger, Peter Ramsauer, erging es im Wahlkreis Traunstein nicht viel besser: 14 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren.

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Doch es gibt auch Gewinner bei der CSU. Das bayernweit beste Erststimmenergebnis fuhr die Kulmbacher Abgeordnete Emmi Zeulner mit 47,8 Prozent ein, damit liegt sie sogar bundesweit auf Platz drei. Schon 2017 war sie Bayerns Stimmenkönigin, allerdings lag auch sie diesmal fast acht Punkten niedriger als damals – was in etwa dem Durchschnittsverlust der CSU entspricht. Primus in Oberbayern ist Reinhard Brandl, seit 2009 im Bundestag und Experte für Sicherheitspolitik. Er holte im Wahlkreis Ingolstadt 44,9 Prozent und kratzte in einigen Gemeinden bei den Erststimmen an der 60-Prozent-Grenze.

Alexander Radwan hat diese zumindest in Rottach-Egern geknackt. „Natürlich ist da ein gewisser Heimatbonus dabei“, sagt Christian Köck. Er ist CSU-Ortsvorsitzender und Bürgermeister in der 6000-Einwohner-Gemeinde. „Die Bürger hier schätzen es, dass es einen direkten Ansprechpartner gibt.“ Radwan, der insgesamt auf 41,3 Prozent kam, sei sehr präsent in der Region und habe CSU-Größen wie Markus Söder oder Manfred Weber zur Diskussion in den Wahlkreis geholt.

Insgesamt sei das Wahlergebnis aber frustrierend, sagt Köck. Mit Blick auf die Landtagswahl in zwei Jahren verfestigt sich die für die CSU schmerzhafte Erkenntnis: „Es gibt kein Alleinrecht auf Mehrheiten.“ Die CSU müsse sich gut überlegen, wie sie sich für die Zukunft aufstelle. „Wir haben unseren Kreisverband deutlich verjüngt, ich habe mich bewusst zurückgezogen“, sagt der 50-Jährige. Diese Erneuerung sei nicht überall in Bayern gelungen. „Wir brauchen aber frische Ideen, eine moderne Denkweise, ohne die Menschen zu überfordern.“ Sonst war’s das mit den schwarzen Bastionen.

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