Fliegerhorst Lechfeld

Lärmtest über dem Lechfeld

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Die Luftwaffe holte diese A400M für den Testflug extra von Wunstorf bei Hannover nach Lechfeld. In Niedersachsen sind bis dato 31 solcher Transportflugzeuge stationiert. 40 sollen es werden. Zehn sind fürs Lechfeld geplant.

Zehn Transportflugzeuge des Typs A400M sollen bis zum Jahr 2028 auf dem Fliegerhorst Lechfeld bei Augsburg stationiert werden. Während die Luftwaffe damit wirbt, dass das der Region 600 neue Arbeitsplätze und Investitionen von rund 170 Millionen Euro bringt, fürchten Anwohner Lärm. Deshalb gab es nun einen Testflug.

Lechfeld – Es ist 10.30 Uhr, als eine A400M auf dem Fliegerhorst Lechfeld ankommt. Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und Vertreter einer Bürgerinitiative gegen Fluglärm stehen fast direkt an der Landebahn und hören ein Brummen. „Ich war angenehm überrascht“, sagt Manfred Menhard, Rathauschef in Scheuring (Kreis Landsberg). „Das ist viel leiser als ich gedacht hätte.“

Menhards Gemeinde liegt etwa zwei Kilometer östlich der Landebahn. Deshalb waren viele Bürger nicht begeistert, als Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Anfang des Jahres den Fliegerhorst Lechfeld nach Wunstorf in Niedersachsen zum zweiten deutschen A400M-Standort machte. Rund ums Lechfeld muss man mit Fluglärm leben. Bis 2013 waren dort Tornado-Kampfflugzeuge stationiert.

Beim Interview: Oberst Ludger Bette war der Pilot beim Testflug für rund 80 Amtsträger und Medienvertreter.

Nach dem Abzug der Kampfbomber wurde der Fliegerhorst nicht stillgelegt, sondern dient als Ausweichflugplatz für das Luftwaffengeschwader in Neuburg an der Donau, aber auch national. Trotzdem ist es seit 2013 deutlich leiser. Rund 8000 Flugbewegungen gibt es noch pro Jahr am Lechfeld. Geschätzt 2000 weitere werden mit dem A400M dazu kommen. 2028 will man mit zehn solcher Transportflugzeuge am Lechfeld einsatzfähig sein. Vorher wird umgebaut: Zum Beispiel müssen Start- und Landebahn verbreitert werden. Zudem sollen die jetzt 1000 Dienstposten auf 1600 aufgestockt werden.

Hansjörg Durz, Bundestagsabgeordneter für Augsburg-Land, hatte Anfang des Jahres den „Runden Tisch Lechfeld“ neu belebt: Um frühzeitig zwischen der Bundeswehr und Amtsträgern sowie Vertretern der Bürgerinitiative vermitteln zu können. Nach einem ersten Treffen im März kam man nun zum zweiten Mal zusammen. Und dabei erfüllte die Luftwaffe den Wunsch nach einem Testflug. „Damit sollen Vorbehalte ausgeräumt werden“, sagt Durz. „Jeder hat jetzt gehört, dass der A400M deutlich leiser ist als ein Tornado oder Eurofighter.“

Hinten im Cockpit: Bundestagsmitglied Hansjörg Durz kurz vor dem Abflug

Das Lechfeld soll internationale Drehscheibe im militärischen Lufttransport werden. „Die Idee ist, dass verschiedene Partnernationen militärische Lufttransportkapazitäten bei der Bundeswehr mitnutzen können“, erklärt Oberst Dirk Niedermeier, als Standortältester auch für die Lechfeldkaserne zuständig. Soll heißen, wer selbst keinen A400M hat, kann ihn bei der Bundeswehr leihen.

Für die Bürger in der Region bringt das den Vorteil, dass die Maschinen im Einsatz sind – und damit nicht am Lechfeld. Manchmal werden sie erst Wochen später wieder dort landen. Mit dem Testflug wollte die Luftwaffe aber auch beweisen, dass der als Pannenflieger verrufene A400M gut funktioniert: Der Rundflug bis fast nach Ravensburg und zurück mit etwa 80 Zivilisten an Bord klappte einwandfrei. Die Region werde also nicht nur Heimat eines relativ leisen, sondern auch hochmodernen Transportflugzeugs.

Bürgermeister Menhard ist positiv gestimmt. Trotzdem werde man die Entwicklung auf dem Fliegerhorst weiterhin kritisch begleiten, sagt er. Georg Wetzel von der Bürgerinitiative „Gegen Fluglärm auf dem Lechfeld“ stimmt zu. Sicher sei der A400M „das kleinere Übel“. Aber Fluglärm bleibe Fluglärm, man werde sich auch künftig für den Schutz der Bevölkerung einsetzen.

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Quelle: Merkur.de