„Katastrophale“ Lage an Nationalpark

Corona-Ausflügler überrollen Bayern: Landrat bittet Söder um härteren Lockdown - doch Herrmann erteilt Absage

Auch im Taunus sorgen Corona-Ausflügler für Chaos: Die Polizei musste einige Straßen sperren.
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Auch im Taunus sorgen Corona-Ausflügler für Chaos: Die Polizei musste einige Straßen sperren.

Ausflugs-Chaos im Naturschutzgebiet: Nationalpark Bayerischer Wald überlaufen. Während ein Wasserstand vom Alpenrand überrascht, ruft man aus Miesbach um Hilfe - direkt bei Markus Söder.

Update vom 29. Dezember, 18.16 Uhr: Tagestouristen überrollen die die Ausflugsziele in Bayern regelrecht. Parkplätze sind vielerorts überfüllt, manche Ausflügler kommen wegen des extremen Verkehrsaufkommens erst gar nicht an ihr Ziel. „Es brennt wirklich“, hatte der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis bereits Markus Söder alarmiert.

Folgt jetzt eine drastische Reaktion vonseiten der Landesregierung? Appelle hätten nicht gewirkt, also müssten jetzt strikte Ausgangsbeschränkungen her, forderte Landrat von Löwis. Wenn zu den Corona-Erkrankten jetzt auch noch verletzte Tagestouristen kommen, könne das schlimme Folgen in den Krankenhäusern haben, mahnt er.

Die Strafen seien zu niedrig, schimpft aber auch Jörg Müller, stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald: „Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass es eine Höhe kriegt, dass man sagt: Jawoll, also zu den Preisen überlege ich es mir wirklich, ob ich die Regeln einfach so bewusst missachte.“

Bayerische Ausflugsziele überfüllt: Verantwortliche fordern härtere Strafen - Hermann und Polizei reagieren

Bei Innenminister Hermann stößt Müller jedoch auf taube Ohren. Das Recht auf freien Genuss der Natur gelte und man habe nicht vor, weitere Beschränkungen zu erlassen, antwortete er auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks, „wir appellieren natürlich an alle Bürgerinnen und Bürger, auch bei ihren Ausflügen die Abstände zu wahren und zu vermeiden, dass es da zu größeren Ansammlungen kommt.“

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd reagiert trotzdem. Der „erhöhte Ausflugsverkehr“ werde ab jetzt verstärkt kontrolliert, heißt es in einer Pressemitteilung. Die kilometerlangen Staus in den Bergregionen seien der Behörde nicht entgangen.

Die Bayerische Bereitschaftspolizei wird dabei helfen, die verstärkten Kontrollen durchzuführen. Verstöße werde man konsequent mit Bußgeldern oder Anzeigen bestrafen. Damit es nicht so weit kommt, appelliert auch das Präsidium, die Menschen sollen bestenfalls zuhause bleiben.

Bayern: Tagestouristen überrennen Miesbach - Landrat schickt SMS an Söder

Update vom 28.12.2020, 19.55 Uhr: „Lieber Markus, ich nerve dich nur sehr ungern per SMS.“ So begann eine Nachricht an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Der Absender: Der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU). Der wollte auf die wohl abermals rollende Ausflügler-Lawine aufmerksam machen: „Bei uns ufert der Tagestourismus aus. Es brennt wirklich.“

Wie Merkur.de berichtet, war Löwis entsetzt über Bilder von Autokolonnen im Miesbacher Raum. Die Polizei sei bereits jetzt überfordert - außerdem befürchtet er eine Überlastung des Klinikums Agatharied durch eventuelle Verletzungen. Der Landrat hat klare Forderungen an Söder: Die Ausgangsbeschränkungen müssten durch Regeln untermauert werden.

Ausflügler trotz Corona unterwegs: Bayerischer Nationalpark spricht von „katastrophaler Lage“ auf Parkplätzen

Erstmeldung vom 28.12.2020, 19.55 Uhr: Grafenau -  „Die Lage an den Parkplätzen kann vielerorts nur mit dem Wort „katastrophal“ beschrieben werden“, sagt der stellvertretende Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Jörg Müller. Am Wochenende haben Ausflügler den Bayerischen Wald förmlich überrannt. Viele Besucher seien „kreuz und quer durch das Kerngebiet“ des Nationalparks gelaufen. An den Parkplätzen wurden Rettungswege blockiert.

Die Ranger haben jetzt eine eindringliche Bitte an alle Besucher: Es sollen nur ausgewiesene Wanderwege benutzt werden. Denn leidtragend sind hier nicht etwa geplagte Anwohner, sondern geschützte Tiere, die sich gar nicht über lärmende Menschen auf Abwegen freuen: „Das gefährdet vor allem störungsempfindliche Arten wie das Auerhuhn, die sich unter den winterlichen Temperaturen im Energiesparmodus befinden“, so Müller.

Ausflugschaos trotz Corona: Bergbahnen sehen sich gut gerüstet

Vielleicht hat das Ausflugschaos im Bayerischen Wald auch damit zu tun, dass in den Skigebieten die Lifte still stehen. Auch hier, an den Bayerischen Bergbahnen war für die Weihnachtstage ein starker Andrang befürchtet worden. Doch in Garmisch-Partenkirchen atmet man auf nach den freien Tagen. Zwar seien die Parkplätze an der Zugspitze* „definitiv gut besucht“ gewesen, sagte eine Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. Doch die großen Dramen blieben offenbar aus: „Es gab aber keine Staus oder Parkchaos. Das war ganz weit weg von dem, was befürchtet wurde.“

In Österreich kam es - trotz Lockdown und dank einer Ausnahmeregelung für Sport - zu Chaos an den Skipisten. Hier hat Kanzler Sebastian Kurz inzwischen reagiert. Denn die Befürchtungen sind groß, dass es zu einem „Ischgl zwei“ kommt und sich das Coronavirus wieder von Skiorten aus über ganz Europa verbreitet. Doch in Garmisch blickt man auf die kommenden Ferientage nicht so pessimistisch.

Corona und die Skisaison: Bayerische Bergbahnen

Damit es weiterhin ruhig bleibt, hoffen die Betreiber weiter auf die Vernunft der Menschen. In Garmisch bleibt der Parkplatz für Besucher auch weiter geöffnet sowie vom Schnee geräumt. Dafür wurden die Parkgebühren angehoben. So sind zum Beispiel auch Skitouren grundsätzlich möglich. „Wir weisen dort nur mit Schildern darauf hin, dass wir keine
Gefahrensicherung betreiben“, sagte eine Sprecherin der Zugspitzbahn

Andernorts haben sich manche Bergbahnenbetreiber für eine alternative Strategie entschieden. Bei den Bergbahnen Oberstdorf Kleinwalsertal im Allgäu haben die Parkplätze geschlossen. Und das soll auch weiterhin so bleiben. Im Nationalpark Niederbayern will man unterdessen nur mehr Ranger ausschicken, um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren. (dpa/kat)