Kommentar

Impfaktion an Schule bei München: Die Geduldigen sind jetzt die Dummen

Ein Mensch und eine Impfung
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Merkur-Redakteur Dirk Walter kommentiert die Impfaktion.

Die Impfaktion am Feodor-Lynen-Gymnasium in Planegg am kommenden Freitag sorgt für Wirbel. Dazu ein Kommentar.

Nicht immer ist das, was legitim ist, auch gerecht. Das lässt sich jetzt im Landkreis München beobachten, wo ein Gymnasium die Schüler und Schülerinnen ab 16 zum Impfen einlädt. Wie das? Im Landkreis München warten ja sogar noch Personen mit der erhöhten Priorisierungsstufe 2 auf einen Impftermin. Da stellt sich schon die Frage, wie es sein kann, dass ein Ärzteteam im selben Landkreis mehrere hundert Dosen Biontech übrig hat und sie jetzt an Schüler und Schülerinnen ab 16 verimpft? Das Impfen von Schülern ist ja nicht falsch.

Aber als einmalige Aktion einer Schule führt es auch nicht recht weiter. Die Geduldigen, die sich lediglich in einem der vier Impfzentren des Landkreises angemeldet haben und weiter auf den Pieks warten, sind jetzt die Dummen.

Minister hebt Prioritätenliste zu früh auf

Möglich macht die Schulaktion eine Entscheidung des bayerischen Gesundheitsministers, der die niedergelassenen Ärzte schon ab diesen Donnerstag von der Priorisierung entbindet. Das ist grundsätzlich richtig, kommt aber zu früh. Die Hausärzte impfen nun, wen und wann sie wollen – während die Impfzentren sich weiter strikt an die Priorisierungsliste halten müssen.

Solange der Impfstoff aber rar ist (und das ist Biontech immer noch), solange führt das Aufhebung der Priorisierungsregeln unweigerlich zu Verteilungskämpfen. Die niedergelassenen Ärzte jedenfalls haben nun Spielraum für Sonderaktionen. Dass da der ein oder andere auch mal Einflüsterungen unterliegt – wer würde das ausschließen?