Andrang bei Teststationen trotz Ende der Gratis-Tests

Corona-Test? Macht 15 Euro!

Ein Mitarbeiter vom Testzentrum hält ein Stäbchen in der Hand. Vor ihm sitzt eine Mutter mit ihrer Tochter.
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Stäbchen in die Nase: Ein Großteil der Menschen, die am Montagmorgen im Testzentrum der Johanniter in Giesing einen Test brauchen, sind Eltern mit ihren Kindern.

In Bayern müssen Menschen seit gestern ihren Corona-Test aus eigener Tasche bezahlen. Ein Blick in die Testzentren zeigt: Das scheint nur wenige abzuschrecken.

München – Montag, kurz nach 9 Uhr: Marco Fusco, 44, kommt gerade aus dem Johanniter Testzentrum an der Perlacher Straße in Giesing. An der Hand hält er seinen zweijährigen Sohn. „Mein Kleiner musste getestet werden, weil er krank war“, erklärt er. Obwohl er für den Test seines Sohnes nicht zahlen muss, ist Fusco genervt. „Es ist eine Schweinerei, dass die Tests etwas kosten.“ Der Fachlagerist aus München ist nicht geimpft. Er traue der Impfung nicht, sagt er. Nun, da die Tests etwas kosten, habe er früher oder später jedoch keine Wahl. „Das ist eine Kostenfrage“, sagt Fusco. „Würden die Tests unter zehn Euro kosten, würde ich mich weiterhin testen lassen.“ Die Schnelltests der Johanniter kosten 15 Euro. Im Preisvergleich zu Angeboten privater Testzentren zählen sie zu den günstigsten. Unter diesen Umständen werde er sich wohl bald impfen lassen.

Viele Eltern und Schwangere brauchen Corona-Test

In Bayern sind die Tests für die Mehrheit der Bürger seit gestern kostenpflichtig. Am Johannitertestzentrum in Giesing herrscht dennoch nahezu Normalbetrieb. „Das hat uns überrascht“, sagt Gerhard Bieber, Sprecher der Johanniter. Für die Mitarbeiter des Testzentrums bedeutet die Umstellung einen größeren Aufwand. „Es ist neu für uns, als Hilfsorganisation vor Ort bar zu kassieren“, erklärt Bieber.

Gerade warten fünf Menschen vor dem Eingang des Testzentrums. Die wenigsten brauchen den Test für ihre Freizeit. Viele, die am Montagmorgen in der Warteschlange stehen, sind Mütter oder Väter, die, wie Fusco, ihre Kinder freitesten lassen. Auch Stillende und Schwangere sind unter den Wartenden. So auch Hera Nasir, die gerade mit ihrem Mann Touseef Siddikui aus dem Testzentrum kommt. Das Ehepaar aus Taufkirchen ist aufgebracht. Siddikui versteht nicht, warum er zahlen muss. „Das ist idiotisch“, schimpft er. Wie sich herausstellt, gilt für die Schwangere eine Übergangsregelung. Das habe der Kollege am Empfang wohl übersehen, meint Gerhard Bieber. „In der Testverordnung gibt es viele detaillierte Ausnahmen, die wir alle auf dem Schirm haben müssen.“

Testzentren in einigen Landkreisen geschlossen - Apotheken nahezu ausgebucht

Unsicherheiten im Umgang mit der neuen Regelung bekommen auch die Apotheken aus dem Umland zu spüren. Einige Menschen hätten angerufen, um Fragen zu klären, berichtet Stefan Müller, Leiter der Sternapotheke in Dachau. Dort sind Apotheken die Hauptanlaufstelle, um sich testen zu lassen. Die Testzentren des BRK sind mittlerweile alle geschlossen. Müller wundert es daher nicht, dass der Betrieb an der Teststation am Montag nahezu normal weiterläuft. Er habe keinen großen Unterschied zur vergangenen Woche feststellen können. „Wir sind nahezu ausgebucht.“

Auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben mittlerweile einige Teststationen ihren Betrieb eingestellt. Ebenso wie in Dachau verzeichnen auch hier die Anlaufstellen, die weiter Tests anbieten, eine rege Nachfrage.

Der Wunsch der Politik war eigentlich, dass sich durch die kostenpflichtigen Tests mehr Menschen zu einer Impfung bewegen lassen. Und obwohl die Testzentren am ersten Tag noch fleißig genutzt wurden, ist in manchen Regionen schon eine gesteigerte Nachfrage nach der Spritze zu spüren. Zum Beispiel im Kreis Fürstenfeldbruck. „Letzte Woche haben wir schon einen Anstieg gesehen“, sagt der ärztliche Leiter des Impfzentrums Dr. Matthias Skrzypczak. In Erding und Freising wurde ebenfalls ein Anstieg verzeichnet.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), der das Ende der kostenlosen Tests verteidigt, appelliert an alle Ungeimpften, sich impfen zu lassen. „Der Weg aus der Pandemie ist das Impfen, nicht das Testen.“