Lehrermedientag

Digitale neue Welt: Experten zeigen Pädagogen Wege zur Medienkompetenz

+
Effektiver lernen mit digitalen Schulbüchern? Die Experten erklärten beim Lehrermedientag, wie das funktioniert.

Die digitale Welt ist allgegenwärtig – längst auch in Kinder- und Klassenzimmern. Für junge Menschen ist es nicht einfach, sich bei der Flut von Informationen und Angeboten zu orientieren. Rund 200 Pädagogen haben sich beim Lehrermedientag der bayerischen Zeitungsverlage informiert, wie sie Jugendliche unterstützen können.

München – Es gibt vermutlich nicht viele Klassenzimmer in Bayern, in denen Bibi und ihr Beauty Palace noch nie Thema waren. Zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gehören schon lange auch Youtube-Stars wie Bianca „Bibi“ Heinicke. Und auch in den meisten Kinderzimmern wird heutzutage nicht mehr nur analog gespielt. Mit Computerspielen wie Fortnite oder 3D-Spielsachen wie Playmogram müssen sich nicht nur Eltern befassen – sondern auch Lehrer.

In München drehte sich gestern beim Lehrermedientag der bayerischen Zeitungsverlage alles um die Frage, wie Pädagogen jungen Menschen dabei helfen können, Medienkompetenz zu entwickeln. Aber auch um die Frage, wie die neuen Medien sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können, um Lernziele zu erreichen.

„Das sind Spuren, von denen wir gar nichts mitkriegen“

Die Professoren Bardo Herzig (Direktor des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung der Uni Paderborn) und Sandra Aßmann (Institut für Erziehungswissenschaften an der Uni Bochum) schärften die Sinne der Pädagogen für die Spuren, die jeder einzelne mit seinem Medienverhalten im Internet hinterlässt. „Das sind Spuren, von denen wir gar nichts mitkriegen, die aber zum Beispiel Einfluss auf das Ergebnis-Ranking unserer Google-Suchen haben“, erklärte Herzig.

Wie neue Medien bei der Vermittlung von Lernzielen eingesetzt werden können, erklärte Bardo Herzig.

Daher sei es besonders bei jungen Menschen wichtig, ein Bewusstsein und eine Kompetenz im Umgang mit dem Internet, sozialen Netzwerken oder Computerspielen auszubilden. Nur so könnten sie „gute“ und „schlechte“ Informationsquellen unterscheiden und Manipulationsversuche erkennen. Auch eine moralische Urteilsfähigkeit sei nötig, um sich kompetent in sozialen Netzwerken zu bewegen, betonte Aßmann. Zum Beispiel wenn es darum geht, sich Bewegungen oder Debatten nicht unkritisch anzuschließen.

Rund 200 Pädagogen waren zu dem Vortrag von Sandra Aßmann ins Münchner Wilhelmsgymnasium gekommen.

Auch für den Unterricht hatten die beiden Experten einige Beispiele für die Lehrer vorbereitet, die zeigen sollten, wie die digitale Welt dabei helfen kann, den Lernstoff besser zu vermitteln. Beispielsweise durch Apps, die aus Schulbüchern digitale Schulbücher machen, in denen es 3D-Animationen oder interaktive Lernmethoden gibt. Ihre zentrale Botschaft: Digitalisierung im Unterricht ist kein Selbstzweck. Im Zentrum stehe immer die Frage, was das Lernziel ist – und auf welchen Wegen es besser erreicht werden kann. Herzig ermutigte die Lehrer, kreativ zu sein und mit neuen Methoden zu experimentieren.

Wie sehr die neuen Medien den Alltag der Journalisten verändert haben, berichteten anschließend Bernd Ernemann (Münchner Merkur) und Dirk von Gehlen (SZ). In einer Welt, in der jeder Nachrichten verbreitet, müsse Journalismus mehr einordnen denn je, betonte Ernemann, Leiter der Merkur-Heimatredaktionen. Welcher Nachricht man trauen kann, wie auch Bilder lügen können oder wie Lehrer und Schüler ihre Persönlichkeitsrechte schützen können, diskutierten Journalisten von Merkur, tz und SZ nachmittags mit den rund 200 Lehrern in Workshops.

Die bayerischen Zeitungshäuser haben den Lehrermedientag zum zweiten Mal ausgerichtet. In ganz Bayern haben mehr als 1200 Pädagogen in verschiedenen Städten daran teilgenommen.

Quelle: Merkur.de