70 Häuser, acht Einbrüche

Bande sucht kleines Dorf immer wieder heim

Die Schneekirche von Mitterfirmiansreut von 2011

Mitterfirmiansreut - 70 Häuser, aber schon acht Einbrüche: Immer wieder sucht eine Einbrecherbande das kleine Dorf Mitterfirmiansreut im Bayerischen Wald heim. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Früher, da ließ man in Mitterfirmiansreut den Schlüssel in der Haustür stecken, wenn man schnell zum Bäcker ging. Klar, in dem 70-Häuser-Dorf im Bayerischen Wald kennt halt jeder jeden. Früher – das ist übrigens noch gar nicht lange her. Ein paar Monate. Erst seit dem Herbst ist es vorbei mit dem blinden Vertrauen im Ort. Der Grund: Eine geheimnisvolle Diebesbande treibt ihr Unwesen. Schon acht Mal stieg sie in Wohnhäusser und Geschäfte ein und räumte diese leer. Und jeder fragt sich nun: „Wen trifft es als nächsten?“

Ein Dorf in Angst – der einheimische Bernd Stiefvater bringt das Gefühl der Bürger auf den Punkt: „So richtig wohl fühlt sich in dem Ort keiner zur Zeit. Jeder baut Alarmanlagen bei sich zu Hause ein und auch jedes fremde Auto wird skeptisch beäugt“, erzählt der Bayer, der vor einem Jahr als einer der Initiatoren der berühmten Schneekirche bekannt wurde. Bei dem Nachbarn von ihm brachen die Gangster sogar nachts ein, während das ältere Ehepaar im oberen Stockwerk ruhig schlief: „Da haben sie Computer, Laptop, und andere Wertsachen eiskalt rausgeräumt.“

Wer ist nur diese Gangsterbande (die Polizei geht von mehreren Tätern aus)? Die Einheimischen aus Mitter-, Vorder- und Hinterfirmiansreut sind sich sicher: Sie sind ortskundig und gut informiert. Sie wissen genau, wer wann nicht zu Hause ist und wo Wertsachen deponiert sind. Den ersten Einbruch gab es übrigens im Spätsommer. „Seitdem haben die Täter acht Mal zugeschlagen“, so ein Polizeisprecher. Ob es schon eine Spur gibt? „Noch nicht. Unsere Ermittlungen laufen aber auf Hochtouren.“

Den letzen Coup landeten die Gangster am 7. Januar. Da drangen sie in die Skischule des Urlaubsortes ein – ganz gezielt. Erst wurde die Kasse im Inneren aufgebrochen und ein hoher Bargeldbetrag entwendet. Dann packten die Diebe Skier, Skischuhe, Bindungen, Skibekleidung und sonstiges Zubehör in Säcke und stellten diese zum Abtransport bereit. Aber irgendwas muss die Langfinger dann bei ihrer Tat gestört haben – sie ließen einige Säcke stehen und türmten nur mit einem Teil der Beute. Die Polizei geht davon aus, dass sie einen großen Lieferwagen als Tatfahrzeug nutzten.

Kommen die Täter vielleicht aus dem benachbarten Tschechien, schlagen blitzschnell zu und rasen wieder über die Grenze? Diese ist nur wenige hundert Meter entfernt. „Dafür haben wir noch keine Beweise“, so die Polizei. Einen Hinweis auf diese Möglichkeit gibt es aber, wie die Einheimischen gehört haben wollen: So ließen die Gangster auch einen Tresor aus einem Hotel mitgehen. Der wurde Wochen später in Tschechien gefunden – leer natürlich. Bernd Stiefvater meint: „Egal, wer es ist. Wir wollen, dass er geschnappt wird, damit hier endlich wieder Ruhe einkehrt.“

AGE

Quelle: tz