Eltern verklagen die Zugspitzbahn

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Darum geht es: Das Gericht muss klären, ob die (mit „X“ gekennzeichnete) Stütze hätte gepolstert werden müssen. Gegen sie ist die elfjährige Pia gerutscht.

Garmisch-Partenkirchen - Bei einem Skiunfall hat sich ein elfjähriges Mädchen an einer ungesicherten Stütze schwer verletzt. Die Eltern haben daraufhin die Zugspitzbahn verklagt. Doch dort ist man sich keiner Schuld bewusst.

Schmerzen im Stehen, Schmerzen beim Sitzen, jeder Gang zur Toilette wird zur Qual: Die Tortur, die die elfjährige Pia nach einem Beckenbruch durchmachen musste, dauerte über Wochen. So steht es zumindest in der Anklageschrift, die dem Landgericht München II vorliegt. Darin erheben Pias Eltern nach einem Skiunfall schwere Vorwürfe gegen die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) und fordern 5000 Euro Schmerzensgeld. Ihre Begründung: Das Garmisch-Partenkirchner Unternehmen soll seine Sicherungspflicht grob verletzt haben.

Ob das so war, wird das Gericht ab dem 20. April klären. Im Mittelpunkt des Zivilprozesses steht dabei die Frage, ob ein Betreiber sämtliche Pfosten seines Skiliftes abpolstern muss. Denn eben eine ungesicherte Stütze am Brunntal-Schlepplift war es, die der kleinen Pia bei ihrem Skitag auf der Zugspitze zum Verhängnis geworden ist.

Passiert ist der Unfall am 31. Januar des vergangenen Jahres. Die Elfjährige hatte mit ihrem Vater die Abfahrt vom Wetterwandeck gewählt. Am Brunntal-Lift nahm das Unglück seinen Lauf: Im Anstellbereich gerieten dem Mädchen die Skispitzen übereinander, weshalb es sich aufs Gesäß fallen lassen musste. Dann rutschte Pia unter dem Markierungsseil hindurch und prallte - weil ihre Skier in der Luft waren - mit dem Steißbein gegen die ungesicherte Stützstrebe aus Metall. Die Folge: eine Fraktur im Becken, schwere Prellungen und Blutungen.

Pia habe „unter stärksten Schmerzen sowohl in Ruhe als auch in Bewegung“ gelitten, heißt es in der Anklageschrift. Für ihre Rechtsanwältin Beate Steldinger ist klar: Das hätte nicht sein müssen - wenn der Metallpfosten entsprechend gepolstert gewesen wäre. Aber: Eine der orangefarbenen Matten, die an den anderen Elementen des Liftes angebracht sind, fehlte. „Diese Stütze ist auch nicht durch ein Fangnetz oder einen Schneewall abgesichert“, beschreibt Steldinger die Situation am Anstellbereich. Der Fauxpas, der dem Mädchen aus München dort passiert ist, könne sich jederzeit wiederholen. Dass sich die Skier kreuzen, „ist nichts Außergewöhnliches“.

Steldinger betont, dass es gerade im Liftbereich, wo viele Skifahrer aufeinandertrefffen, häufig zu Kollisionen und Stürzen komme. Sie sieht die BZB generell in der Bringschuld, die gesamte Anlage abzusichern. In Bezug auf Pias Unfall erhebt sie den Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrssicherungspflicht: „Fest im Boden verankerte Metallpfosten an der Talstation eines Skiliftes müssen zum Schutz von Skifahrern gegen Verletzungen grundsätzlich abgepolstert werden.“

Das sieht Peter Huber, Technischer Vorstand der BZB, in dem konkreten Fall anders. Die Stütze, an der sich das Kind verletzt hat, liege seiner Ansicht nach „weit außerhalb der Piste“. Es gebe für die BZB deshalb „keine Veranlassung“, den Pfosten zu sichern. Für das Unternehmen, dessen Haupteigner die Marktgemeinde ist, fand der Unfall 13 Meter neben der Piste statt. Pias Rechtsvertreter sprechen von vier Metern. Welche Variante stimmt, muss das Gericht im Frühling klären.

Quelle: tz