Emil Kneiß war der Buzi-Maler

Dös Hundsviech, dös miserablige

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Kellnerinnenparade – Postkarte 1911. Später auch in der Werbung verwendet

Der Buzi ist eine Legende, was man von seinem Erfinder nicht behaupten kann. Der Münchner Emil Kneiß war nicht nur der Buzi-Maler, seine Bilder prägten den Humor um die Jahrhundertwende.

München – „Wo steckt er denn wieder der Buzi, dös Hundsviech, dös miserablige?“ – so sucht das Prachtexemplar eines bayerischen Mannsbilds seinen Hund, der unter seiner gewaltigen Wampe Männchen macht. Es ist die bekannteste Karikatur des Münchner Malers Emil Kneiß, die er erstmals 1930 für Zeitungen, 1936 dann für das Tegernseer Bräustüberl und später auch noch in anderen Varianten malte. Doch wie so häufig: Das Bild blieb, sein Maler ward vergessen.

Zweifelsfrei zu Unrecht. Emil Kneiß war eigentlich nicht nur der „Buzi-Maler“, sondern viel mehr: Ein begnadeter Zeichengott, der den Humor um die Jahrhundertwende mit prägte. Er malte, tuschte, pinselte wie ein Besessener.

Der Buzi – wo steckt denn dös Hundsviech?

Den Archivpfleger Hermann Kurz aus Grafenau im Bayerischen Wald hat der Buzi-Maler nicht mehr losgelassen, nachdem er Kneiß-Zeichnungen in alten Archivbänder der heimischen „Grafenauer Zeitung“ entdeckt hatte. Im Februar 2017, als er sich mit einem Aufruf an die Leser unserer Zeitung wandte, waren 1700 Zeichnungen bekannt. Mittlerweile sind es über 3000 – und es werden laufend mehr. „Erst am Sonntag habe ich für 13 Euro eine bisher nicht bekannte Postkarte ersteigert“ – aus der Schweiz, via Ebay.

Radfahrchaos – aus der „Jugend“ 1896

Auch unsere Leser trugen das eine oder andere bei. Unter anderem meldete sich ein Tölzer, dessen Vater im Fotogeschäft Postkarten vom Buzi reproduzierte – die dann im Bräustüberl verkauft wurden. Aus Bamberg erhielt Kurz „zu einem erschwinglichen Preis“ gleich 120 Kneiß-Zeichnungen, die von einem Flohmarkt stammen. Der Händler dort wusste mit dem Namen Kneiß nichts anzufangen. „Die Signatur unter seinen Bildern kann ohnehin niemand lesen.“ Fast niemand – Hermann Kurz selbstverständlich schon.

Dass nun das Gesamtwerk des humoristischen Zeichners bekannt wird, ist also Hermann Kurz zu verdanken. Ja, man kann sagen: Kurz ist dem Kneiß-Fieber verfallen. Er hat sogar Nachfahren gefunden – eine Enkelin lebt 84-jährig in München. Mit einem Buch ist seine Forscherarbeit nun zu einem (vorläufigen) Abschluss gelangt. „Es ist schon eine große Freude.“

Kneiß-Forscher Hermann Kurz. 

Mit Vorliebe spießte Kneiß Zeiterscheinungen auf. Die Zeitschrift „Radfahr-Humor“, ähnlich wie der „Simplicissimus“ eine zeittypische Zeitschrift der Jahrhundertwende für das Bürgertum, wäre ohne ihn wohl nicht denkbar gewesen. Schon zum ersten Jahrgang 1887/88 steuerte Kneiß etliche Zeichnungen bei. Radfahren (später auch Motorradfahren) kam damals in Mode, zuerst auf dem Hochrad. Kneiß frönte dem Hobby ebenfalls. Kuriosum am Rande: Die Radler benötigten eine behördliche Erlaubnis – auch Kneiß erlangte 1892 vom Magistrat der Stadt München die Erlaubnis, mit dem Velociped Nr. 1472 öffentliche Straßen zu befahren. Auch im Allgemeinen Schnauferl-Club war Kneiß aktiv – Schnauferl stand für das Auto. Klar, dass es da auch humoristische Fachzeitschriften wie „Das Schnauferl“ und die „Fliegenden Blätter für Autler-Humor“ mit Kneiß-Beiträgen gab – Aut statt Auto war zunächst das Fachwort für das Automobil.

Also doch – der Berliner findet Jemseneier (1934).

Die unschönen Seiten von Emil Kneiß verschweigt Kurz nicht: In der NS-Zeit vertrieb der „Bayerische Zeitungsblock“ einen Mantelteil für kleinere Blätter von Pasing bis Miesbach mit Zeichnungen von Kneiß, in denen er Juden antisemitisch mit krummen Nasen und fettleibig karikierte. 1941 brach die Mitarbeit aus unbekannten Gründen ab. Ob Kneiß in nationalsozialistischen Organisationen aktiv war, ist unbekannt. Eine Spruchkammerakte ist nicht erhalten.

Hermann Kurz

Der Buzi-Maler. Leben und Werk von Emil Kneiß (1867– 1956), Volk Verlag, 25 Euro

Quelle: Merkur.de