Münchner Architektur-Studentin spricht über die lang ersehnte Rückkehr an die Hochschule

„Endlich ein richtiger Semesterstart“

Viele Studenten in einem Vorlesungsraum
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Studierende tummeln sich wieder in den Vorlesungsräumen.

Nach eineinhalb Jahren haben die Universitäten wieder ihre Türen geöffnet. Architektur-Studentin Mina Oskouei (24) erzählt, wie sie den Semesterstart erlebt hat.

Frau Oskouei, seit einer Woche dürfen Sie wieder in die Hochschule. Ein Grund zur Freude?
Ja, auf jeden Fall.

Mit welchen Gefühlen sind Sie in dieses Wintersemester gestartet?
Ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder vor Ort zu sein. Es war schön, die Gesichter meiner Kommilitonen zu sehen. Ich habe erwartet, dass ich keinen mehr wiedererkenne. Aber das war zum Glück nicht der Fall.

Wie lange haben Sie Ihre Kommilitonen nicht mehr gesehen?
Seit eineinhalb Jahren. Ich hatte leider nur in meinem ersten Semester Präsenz-Vorlesungen. Seitdem studiere ich von daheim. Jetzt bin ich im fünften Semester und hatte endlich einen richtigen Semesterstart. Das hat sich die vorherigen Male nicht so angefühlt. Ich saß daheim vor dem Computer und habe gewartet, bis die Professoren online gehen.

Wie ist die Stimmung jetzt?
Ich habe den Eindruck, dass sich alle freuen, einander wiederzusehen. Es ist schön, sich endlich wieder persönlich auszutauschen. Vor allem darüber, wie es uns in den letzten eineinhalb Jahren ging. Manche haben erzählt, dass sie die Zeit zuhause genossen haben. Die Mehrheit ist erleichtert, wieder Präsenz-Vorlesungen zu haben. Am zweiten Tag ging es direkt mit dem Stoff los. Am Ende der Woche ist die Euphorie ein wenig zurückgegangen. Der Uni-Alltag ist doch recht schnell wieder eingekehrt.

Wie sieht der Uni-Alltag an der Hochschule München aus?
Wir müssen auf den Gängen Maske tragen. In den ersten Tagen mussten wir auch während den Vorlesungen die Maske anbehalten. Unsere Dozenten haben die Kurse anfangs in der Aula abgehalten. In meinem Studiengang sind 120 Studierende. Wir saßen eng auf eng. Das hat sich aber im Laufe der Woche geändert. Jetzt sind wir in kleineren Kursen mit rund 20 Studenten. Das ist angenehmer, weil wir jetzt Abstand halten können. Es ist uns überlassen, ob wir in den Vorlesungsräumen Maske tragen. Manche Kommilitonen lassen sie auf, um nebeneinander zu sitzen.

Gibt es weiterhin Online-Vorlesungen?
Ja. Meine Kommilitonen aus den unteren Jahrgängen haben neben Präsenz-Veranstaltungen auch Online-Kurse. Das erste und dritte Semester ist sehr theoretisch. Da sind Hybridveranstaltungen eine gute Möglichkeit. Das fünfte Semester ist überwiegend praxisorientiert. Ich habe zum Glück alle Kurse in Präsenz. Ich wüsste nicht, wie ich meinen Bachelor in einem halben Jahr machen soll, wenn ich nicht in der Uni wäre.

Sind Mensa und Bibliothek für Studenten geöffnet?
Wir können die Mensa und Bibliothek unter Einhaltung der Hygiene-Regeln besuchen. Ich meide unser Stucafé. Da ist es mir zu eng. In der Bibliothek gibt es ebenfalls relativ wenige Plätze. Wir Architekturstudenten sind an der Fakultät 1 an der Karlstraße. Die Mensa und Bibliothek im Hauptgebäude an der Lothstraße ist größer.

Studierende dürfen die Hochschule nur betreten, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind. Kennen Sie Studenten, die der Uni weiterhin fernbleiben, weil sie einen Test verweigern?
Von meinen Kommilitonen sind bis jetzt alle in die Uni gegangen. Unsere Kurse sind immer voll besetzt. Ich kenne niemanden, der sich nicht testen lassen will. An der Teststation war bisher nicht viel los. 90 Prozent der Studenten sind sowieso geimpft.

An den Haupteingängen steht Sicherheitspersonal, das die 3G-Regel kontrolliert. Kommt es da zu Gedrängel?
Nein, es läuft alles ganz ruhig ab. Alle achten aufeinander. Auf den Gängen ist nicht viel los. Am ersten Tag bildete sich vorm Haupteingang eine lange Schlange. Ich musste 20 Minuten warten, bis ich rein konnte. Es ist ungewöhnlich, für die Uni anzustehen. Es hat mich überrascht, dass die Kontrollen nur oberflächlich waren. Wir mussten bloß unseren Impfnachweis vorzeigen. Für unseren Personalausweis hat sich niemand interessiert. Ich habe erwartet, dass die 3G-Regel stärker geprüft wird.

Macht Studieren unter solchen Umständen überhaupt noch Spaß?
Es macht auf jeden Fall mehr Spaß als online. In den ersten Tagen war es befremdlich, ständig Maske zu tragen. Damit die Uni offen bleibt, trage ich sie aber gerne. Hauptsache wir sind wieder da. Ich war so lange alleine zuhause. Es tut gut, endlich wieder in Gemeinschaft zu sein, mich mit meinen Kommilitonen über Prüfungen aufzuregen und Erfolge zu feiern. Das geht nicht alleine vor dem Computer.

Mina Oskouei (24) studiert im fünften Semester Architektur an der Hochschule München.