Das ist der Grund

Richter entscheidet: Diesel-Fahrerin aus Erding muss ihr Auto stilllegen

+
„Ich bin sehr enttäuscht“, sagt die Klägerin Christina C. Ihren Wagen darf die 27-jährige Erdingerin nicht mehr nutzen, weil sie – wie mehrere andere Kläger auch – sich geweigert hatte, neue Software aufspielen zu lassen.

Sie weigerten sich, ein umstrittenes Software-Update auf ihre Autos zu spielen - nun müssen eine Erdingerin und fünf weitere Autofahrer ganz ohne ihre Gefährte auskommen.  

München/Erding - Wie soll ich jetzt in die Arbeit kommen?“ Fassungslos sitzt Christina C. (27) am Mittwoch in Saal 4 des Verwaltungsgerichts. Soeben haben die Richter ihre Klage abgewiesen. Nach dem Abgasskandal bei VW und ­Audi muss die Erdingerin ihren Diesel stilllegen. „Aber ich bin doch auf meinen Wagen angewiesen“, sagt die 27-Jährige.

Verhandelt wurde die Klage von insgesamt sechs Autofahrern, die sich weigern, ein umstrittenes Software-Update zu installieren. Fünf ließen sich vertreten, nur Christina C. erschien persönlich. Die Zulassungstelle Erding hatte die Beamtin aufgefordert, ihren Audi A4 Avant stillzulegen. Das aber wollte Christina C. nicht. „Ich arbeite im Schichtdienst am Flughafen und kann öffentliche Verkehrsmittel nicht immer nutzen.“ Die Anbindung sei zu schlecht. Bis zum Prozess ist sie noch mit ihrem Auto gefahren.

Lesen Sie auch:  Dichter Nebel: Frau stirbt bei Unfall auf B301 bei Zolling

Kein Update wegen möglicher Folgeschäden

Und warum will Christina nicht einfach die neue Software aufspielen lassen, so dass ihr Audi sauberer wird? Sie fürchtet genau wie die Kläger, dass das Update dem Auto schaden und Mängel zur Folge haben könnte. Anwalt Marc Malleis, der C. und vier weitere Kläger vertritt, berichtet etwa, dass einer seiner Mandanten seit dem Update zwölf Mal in der Werkstatt war.

Das Gericht sah es anders – die Klagen kamen nicht durch. Das Urteil unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Dietmar Wolff: „Verweigern Fahrzeughalter die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen, die werksseitig mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung versehen sind, darf der Betrieb der Pkw versagt werden.“

Lesen Sie auch: Lungenfacharzt zum Diesel-Skandal: Stickstoffausstoß um europäischen Grenzwert "total ungefährlich"

„Ich finde die Entscheidung unfair“

Ausgedieselt! Christina C. schüttelt ungläubig den Kopf: „Wenn man vor Gericht zieht, erhofft man sich immer, Recht zu bekommen, weil man die Rechtslage anders sieht.“ Ihrer Ansicht nach ist der Urteilsspruch zu hart. „Ich finde die Entscheidung unfair, ich sehe die Verhältnismäßigkeit nicht.“ Eine Chance aber hat die Erdingerin noch – wenn sie in Berufung geht. Richter Wolff erklärte: „Da dies der erste Fall dieser Art mit einem Urteilsspurch ist, sollte die Möglichkeit gegeben sein, dass eine zweite Instanz den Fall prüft.“

Ob die Kläger diese Möglichkeit wahrnehmen, ist noch nicht gewiss. Ein Anwalt kündigte bereits an, eine Berufung in Betracht zu ziehen. Auch Malleis will mit C. und den anderen Mandanten prüfen, ob er Rechtsmittel einlegt.

Annalina Jegg

Quelle: tz