„Cinemamobile“

Filmemacher Wolf Gaudlitz verliert sein mobiles Kino durch Feuer: „Konnte nur noch beim Abbrennen zuschauen.“

Brand des Cinemamobile bei finning
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Das „Cinemamobile“ von Wolf Gaudlitz ist bei Finning in Flammen aufgegangen.

Der Filmemacher Wolf Gaudlitz reiste 23 Jahre lang mit seinem mobilen Kino um die Welt. Nun wurde das einzigartige Arthouse-Open-Air-Kino bei einem Brand zerstört - und mit ihm das Zuhause des 66-Jährigen.

Finning – Erst kürzlich hat Wolf Gaudlitz im Scherz gesagt, dass seine Leinwand abbrennen würde, wenn er einen „Eberhofer“-Film zeigt. Dass aus dem Scherz bitterer Ernst werden könnte, hatte der Münchner Filmemacher nicht ahnen können: Sein „Cinemamobile“, ein mobiles Arthouse-Kino, ist am Freitag komplett ausgebrannt. Mit ihm wurden 23 Jahre Erinnerungen und der Hausstand des 66-Jährigen zerstört.

Am Freitagnachmittag war Gaudlitz auf dem Weg von Vilgertshofen im Landkreis Landsberg, wo er den ersten „Eberhofer“ gezeigt hatte, zum nächsten Spielort in Weßling im Landkreis Starnberg. „Bei Finning kam der Rauch-Geruch“, erzählt er. Er lenkte den Wohnlaster auf einen Feldweg und bekämpfte den Brand, den er entdeckte, zunächst selbst mit dem Feuerlöscher. „Es hat sich schnell gezeigt, dass das nichts bringt.“ Als die Feuerwehren eintrafen, stand das Fahrzeug schon vollständig in Flammen. Wolf Gaudlitz konnte das traurige Geschehen nur noch mit der Kamera festhalten. „Das Drama ist, dass du nur noch beim Abbrennen zuschauen kannst.“

Der Filmemacher betreibt mit dem „Cinemamobile“ ein fahrbares Open-Air-Kino, führt kleine und große Filmkunst vor. Damit hatte sich der 66-Jährige, der auch als Autor und Darsteller bekannt ist, eine Fangemeinde aufgebaut. Zuletzt spielte er beim Fünf Seen Festival und dem Landsberger Kultursommer.

Seit 1999 war Gaudlitz mit dem umgebauten Mercedes A1017 unterwegs, bereiste Nordafrika und zeigte den Nomaden Filme auf der großen Außenleinwand. Für seine Vorführungen in der Heimat fuhr er den Off-Road-Laster, der zugleich sein Zuhause war, von Süditalien nach Oberbayern.

Das „Cinemamobile“ wurde vom Feuer beinahe vollständig zerstört, nur das Gestell für die Leinwand lässt sich wohl retten. Außerdem ein Beamer, der Computer und eine Kamera. „Ich dachte nur: Rette den Projektor, dann kannst du Filme zeigen!“ Während die Polizei den Schaden auf rund 35 000 Euro schätzt, ist der Brand für den Filmemacher existenzbedrohend. Er ist vorübergehend bei eine Freund in Landsberg untergekommen.

Wolf Gaudlitz schmiedet bereits Pläne, das „Cinemamobile“ wieder aufzubauen –wenn auch wahrscheinlich in anderer Form. Gestern holte er eine Leinwand in Ichenhausen (Kreis Günzburg) ab, die ihm ein Busunternehmer spontan gespendet hat, nachdem er von dem Brand gelesen hatte. Damit Gaudlitz seine zugesagten Vorführungen einhalten kann. Er will auf jeden Fall weitermachen: „Es geht mir um die Kultur“, sagt er. „Die hat in den letzten anderthalb Jahren so sehr gelitten.“