Älter werden ist teuer und anstrengend

Fröhlicher Faltenwurf - Gastkolumne von Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler*

Susanne Breit-Kessler, evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Bruce Willis hatte sich mit John Malkovich und Morgan Freeman unter dem Motto „Älter. Härter. Besser“ als extrem gefährlicher CIA-Agent im Ruhestand erwiesen.

Jetzt agiert Clint Eastwood mit fast neunzig Jahren als Drogenkurier, Robert Redford und Michael Caine werkeln mit 82 und 86 Jahren als Bankräuber. Männer scheinen zumindest auf der Leinwand ein anderes Anti-Aging-Programm zu absolvieren als Frauen. Manche dieser Geschichten sind übrigens dem Leben nachempfunden.

Unsereins schlägt beim Friseur oder Zahnarzt Magazine auf und sieht sich mit einer unüberschaubaren Menge an Mittelchen konfrontiert, die keine Bösewichter, sondern Falten killen. Niemand empfiehlt mir als Jungbrunnen, Kreditinstitute zu überfallen - ich soll eher freie Radikale fangen, die meine Hautzellen drangsalieren. Wenn ich alles kaufen würde, was mich angeblich jünger wirken lässt, müsste ich irgendwann wie Eastwood Betäubungsmittel ausfahren, um meine Schulden zu bezahlen.

Wenn ich jetzt lache, kriege ich dummerweise neue Falten

Älter werden ist teuer und anstrengend. Ich bekomme eine plissierte Stirn von all dem, was es zu verstehen gilt, um überhaupt mitreden zu können. Kryolypolyse, Thermage, Micro-Dermabrasion, Detoxing, Cellular Filler, Booster ... Alles, um faltenfrei älter zu werden und sich für immer jugendliches Aussehen zu bewahren. Wenn ich jetzt lache, kriege ich dummerweise neue Falten. Ernst bleiben kann ich aber auch nicht. Außerdem fehlt mir dann die nötige natürlich-strahlende Frische.

Eine Frau braucht Vorbilder. Da ich die Verjüngungs-Projekte der männlichen Stars im Moment als für mich ungeeignet betrachte, halte ich mich an meine Mutter. Die hat sich das Gesicht fein säuberlich gewaschen und mit einer Creme aus dem Reformhaus genährt. Wenn Mama große Kosmetik betrieb, nahm sie eine Feuchtigkeitslotion hinzu. Das hat gereicht, um sie gut aussehen zu lassen. Ähnlich wie Helen Mirren, die neben Bruce Willis eine glänzende Figur macht und Kosmetik im Drogeriemarkt besorgt.

Nachdem Ernährung eine große Rolle spielt, habe ich mir im Internet eine Seite herausgesucht, die hervorragende Tipps gegen Hautalterung auf Lager hat und Laune macht. Grünen Tee soll man regelmäßig trinken. Käse und frische Erbsen essen. Dabei belasse ich es dann mal, weil ich das sowieso schon tue. Und mir denke, dass der Faltenwurf im Gesicht vom Leben erzählt. Und diese Geschichten möchte ich nicht weggeben, sondern bei mir behalten. Älter, klüger, besser.

*Susanne Breit-Kessler ist noch bis 1. Dezember evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern. Künftig schreibt sie alle zwei Wochen eine Kolumne im Bayernteil.

Sie erreichen die Autorin per mail unter: bayern@merkur.de

Quelle: Merkur.de