Eine gefürchtete mütterliche Prognose

„Da blüht dir was“ - Gastkolumne von Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler*

Susanne Breit-Kessler, evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

„Da blüht Dir was, meine Liebe!“ pflegte meine Mutter zu sagen, wenn sie vorausschauend irgendwelche lausdirndlmäßigen Unternehmungen meinerseits verhindern wollte.

Das kam nicht allzu oft vor, denn angesichts solcher Warnungen stellte ich meine Pläne lieber erstmal zurück. Inzwischen, ein paar Jahrzehnte später, wird die gefürchtete mütterliche Prognose in ganz anderen Kontexten verwendet.

Unter dem Titel „Da blüht dir (oder uns) was!“ kann man besinnliche Lektüre „mit guten Gedanken und lieben Wünschen“ erwerben. Wenn ich das damals schon meiner Mama hätte schenken können ... Man kann Tagungen zu Biodiversität besuchen und Bestellungen bei zahllosen Gärtnereien abgeben. Witzig finde ich „Axels Veilchen“, eine Anspielung auf Boxlegende Axel Schulz und die blauen Augen, die er gelegentlich kassierte: „Da blüht Dir wat!“

Inzwischen verstehe ich es ausschließlich positiv 

Soweit wäre meine Mutter selbstverständlich nie gegangen. Sie setzte auf die Kraft des Wortes. Möglicherweise hat das meine Berufswahl beeinflusst. Aber ich schweife ab. Dass mir etwas blühen könnte, verstehe ich inzwischen ausschließlich positiv. Um der Artenvielfalt willen habe ich nämlich unseren Balkon insektenfreundlich gestaltet. Eigentlich fehlen mir nur noch Apfelbäume, Schlehen und Weiden, um das Glück perfekt zu machen.

Da der Platz nicht ausreicht, begnüge ich mich mit Oregano und Thymian, die meine Kochkünste unterstützen. Genauso wie Koriander, Basilikum und Schnittlauch, deren Blüten man natürlich nicht abschneiden darf, wenn man eine Bienen-Hummel-Party miterleben will. Minze und Salbei mag ich als Gewürz nicht so gern - aber für die Insekten mache ich alles. Und ein Saltimbocca für Gäste springt allemal raus oder ein geminztes Erbspüree.

In unsern Balkonkästen gibt es Lilien und Raublatt-Astern, Lavendel und Glockenblumen - ein Schlafplatz für wilde Männer-Bienen. Die Verbenen sind bezaubernd anzusehen und geben köstlichen Tee. Efeu pflanze ich erst noch, damit auch für die Übergangszeiten etwas bereit steht. Die Winterheide blüht ab Januar - falls ein Insekt in der kühlen Jahreszeit etwas schnabulieren möchte.

Wasser zum Trinken steht auf den Blättern bereit. Ein Miniteich mit Insel wird noch gebastelt, in dem keine Biene ertrinkt. Und: Ich denke inzwischen über ein Bienenhotel nach. Da ich nicht maßlos geschickt bin und manche Angebote in Super- oder Baumärkten von den Bienen nicht angenommen werden, könnte ein Stück Totholz reichen. Kost und Logis sind dann frei. Uns blüht was. Stimmt. Danke für den Tipp, Mama.

*Susanne Breit-Kessler ist noch bis 1. Dezember evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern. Künftig schreibt sie alle zwei Wochen eine Kolumne im Bayernteil.

Sie erreichen die Autorin per mail unter: bayern@merkur.de

Quelle: Merkur.de