Tragödie in den Bergen

Touristin (39) stürzt im Höllental beim Stangensteig in den Tod

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Der Stangensteig führt entlang einer Steilwand und unter ihm geht es ebenfalls steil nach unten.

Ein tödlicher Bergunfall hat sich im Höllental ereignet. Eine Frau stürzte vor den Augen ihres Ehemannes 200 Meter tief ab. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Grainau - Die Tour oberhalb der Höllentalklamm ist im Sommer und im Herbst eine der beliebtesten Wanderrouten im Wettersteingebirge. An warmen Sommertagen können sich in der Klamm und um sie herum schon mal 1000 Wanderer auf den Wegen tummeln. Am Montag wurden einige Touristen Zeugen eines tragischen Bergunfalls: Eine 39-jährige Frau aus Herbrechtingen in Baden-Württemberg stürzte auf dem Rückweg ins Tal in die Tiefe. Sie konnte nur noch tot geborgen werden.

Zusammen mit ihrem Mann (40) befand sich die Frau nach Angaben der Polizei im Abstieg über den Stangensteig im Höllental. Gerade eben hatte das Paar eine Frau mit ihrer Mutter kennengelernt. Man hat geratscht. Über den Urlaub, über die Schönheit der Landschaft. Was man so spricht, wenn man Gleichgesinnte auf einem gemeinsamen Weg trifft. Dann, um kurz nach 15 Uhr, passierte das Unfassbare: Die Frau verlor aus ungeklärter Ursache das Gleichgewicht und stürzte über eine Strecke von fast 200 Metern über steiles, felsdurchsetztes Gelände ab. Sowohl der Ehemann als auch die beiden neuen Bekannten waren machtlos – sie konnten die Tragödie nicht verhindern.

Mit einem Hubschrauber wurden die Bergwachtler zum Unglücksort gebracht.

Für die Frau kam jede Hilfe zu spät

Toni Vogg (27) von der Bergwacht Grainau verfasste am Montag gerade die Einsatzberichte vom Wochenende. „Da ging der Piepser wieder los“, berichtet er. Nach einem Rückruf bei der Einsatzstelle wurde entschieden, dass sich die Helfer am besten mit dem Rettungshubschrauber Christoph Murnau auf den Weg machen sollten. „An der Unfallstelle haben bereits Wanderer gewunken“, so Vogg. Zwei Retter der Bergwacht, ausgebildete Sanitäter, seilten sich ab zu der abgestürzten Frau. Auch der Notarzt wurde abgesetzt. Doch für die 39-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Ihre Leiche wurde später durch zwei Polizeibergführer der Polizeiinspektionen Penzberg und Oberammergau, die zur Alpinen Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gehören, geborgen. 

Ein weiterer Bergretter kümmerte sich derweil um den Ehemann der Toten. Kurz nach dem Unfall war bereits ein Wanderer zur Stelle gewesen, der ehrenamtlich bei der Feuerwehr tätig ist. Er hatte schon versucht, den geschockten Mann zu beruhigen. Sowohl der Ehemann als auch die Zeugen wurden ins Tal begleitet. Sie alle mussten vom Kriseninterventionsteam betreut werden.

Frau hatte gute Ausrüstung

An mangelhafter Ausrüstung hatte es nicht gelegen, dass die Frau abgestürzt ist. Toni Vogg berichtet, dass das Ehepaar vernünftiges Schuhwerk trug. „Der Weg ist gehtechnisch nicht schwierig, aber an manchen Stellen etwas ausgesetzt. Er erfordert keine spezielle Sicherung“, weiß der Bergwachtler. Der Weg, der früher der Zustieg der Knappen zum Bergwerk war, führt oberhalb der Klamm entlang. Immer wieder befinden sich gröbere Steine auf der Strecke. „Wenn man an der falschen Stelle stolpert oder ein bissl zu weit an die Kante kommt, dann kann es dramatisch werden.“

Schwindelfrei sollte man auf dem Weg sein, rät der Bergwachtler. Man benötige knöchelhohe Bergschuhe mit guter Sohle, müsse ausreichend zu trinken dabeihaben und über eine vernünftige Wanderkonstitution verfügen. Mit Kindern solle man diesen Weg nicht gehen, fügt er ausdrücklich hinzu.

Quelle: tz