Corona als Herausforderung für Paare und Familien

Heiraten in Zeiten der Pandemie - Kolumne von Susanne Breit-Keßler*

Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.
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Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Heiraten ist schon in normalen Zeiten eine Herausforderung. Aber in Zeiten von Corona? Ein Kolumne von Susanne Breit-Keßler.

Wo und wann finden standesamtliche und kirchliche Trauung statt, wen möchte man einladen und wie werden die Gäste sitzen? Explosive Fragen, die den Keim zur Familienspaltung in sich tragen. Denn solche Ereignisse bringen ans Tageslicht, was es schon immer an Eifersüchteleien und Rangeleien gegeben hat, an Neid und Kritik, die nie ausgesprochen wurden. Uralte Geschichten werden herausgekramt und fliegen den Beteiligten um die Ohren. Übergangsriten, so wie die Hochzeit eine ist, lassen tief in Seelen blicken.

Die Corona-Zeiten verstärken das um ein Vielfaches. Viele Paare mussten ihre für Frühjahr oder Sommer geplante Eheschließung verschieben. Auch freudige Versammlungen waren mengenmäßig begrenzt. Jetzt darf man sich zu privaten Feierlichkeiten wieder begegnen: 200 Menschen im Freien, 100 in geschlossenen Räumen. So ist es in Bayern. Jedes Ministerpräsidententreffen verfolgen die, die sich trauen (lassen), mit innerem Bibbern: Wird die Zahl der erlaubten Gäste angesichts steigender Infektionszahlen wieder reduziert? Erst einmal nicht.

Aber wer klug ist - und das sind die meisten künftigen Ehepaare - überlegt mit Pfarrern und Pfarrerinnen, mit Wirten und Wirtinnen ein vernünftiges Schutzkonzept. Masken und Mindestabstand sind zwar nicht mehr zwingend vorgeschrieben, aber trotzdem sinnvoll. Schon der Apostel Paulus sagte: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. ... Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.“ Fast, als hätte der Gute gewusst, was mit Corona auf einen zukommt. Die Paare, die ich kenne, nutzen bei Weitem nicht alles aus.

Sie wählen fürsorglich Kirche und Restaurant so, dass man mit der möglichen Nähe und nötigen Distanz sitzen kann. Familienangehörige aus einem oder zwei Hausständen, die sich mögen, beieinander. Die anderen weiter entfernt. Manche Konflikte können allein dadurch gar nicht erst ausbrechen. Wer möchte, darf an den sonst unbeliebten „Katzentisch“ - und sich dort richtig sicher fühlen. In Gotteshaus und Lokal bekommen Musizierende weiten Raum, der Gesang wird auf ein andermal verschoben. Giftige Streithansel lädt man genauso wenig wie COVID-19 ein.

Drei Paare traue ich in den nächsten vier Wochen. Sie haben gut paulinisch die Absicht, nicht das Ihre zu suchen, sondern Respekt vor anderen zu zeigen. Außerdem - wer will schon nach einem der schönsten Tage des Lebens Beziehungsscherben kitten, Leute im Krankenhaus oder an ärgeren Orten besuchen? Dazu ist eine Hochzeit viel zu einmalig.

*Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.