Hochwasser am Königssee

Verzweiflung nach Hochwasser: Söder trifft auf Frau, die alles verloren hat - Er versucht zu trösten

Markus Söder (CSU) trifft am Sonntag mit einem Flutopfer zusammen und wirkt sichtlich betroffen. Bei seinen Klimaschutzzielen muss er sich kritische Fragen gefallen lassen.

Schönau am Königssee - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besuchte am Sonntagnachmittag mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Hochwasserregion am Königssee im Berchtesgadener Land. Dort erlebten sie einen Moment, auf den beide Politprofis wohl so nicht vorbereitet waren.

Ergreifende Szene am Königssee: Frau, die alles verloren hat, wird Söder vorgeführt

Markus Söder und Olaf Scholz versuchen am Königssee ein Flutopfer zu trösten.

Eine Frau wird den beiden Politikern vorgeführt, sie muss von zwei Angehörigen gestützt werden, steht unter Schock nach der Flutkatastrophe, die Schönau am Königssee hart getroffen hat. Was sie sagt, ist nicht verständlich. Aber das muss es auch nicht. Scholz und Söder sind sichtlich von der Begegnung getroffen. Scholz bleibt stumm, nickt. Söder ergreift irgendwann das Wort und ihre Hand. „Da können wir helfen, da können wir wirklich helfen“, sagt Söder, „wir lassen niemanden allein.“ Die Szene zeigt einerseits die brutalen persönlichen Schicksale hinter der Flutkatastrophe und andererseits, wie schmal der Grad ist, auf dem sich Politiker zu Wahlkampfzeiten zwischen Inszenierung und echter Betroffenheit bewegen müssen. Wie gut sich Söder schlägt, kann jeder selbst entscheiden. Das Video ist noch auf rtl.de abrufbar. Sein ehemaliger Rivale Armin Laschet (CDU) hatte ja unlängst für Negativschlagzeilen gesorgt, als kichernder Kanzlerkandidat inmitten der Hochwassertrümmer.

Flutkatastrophe: Söder bekennt sich zu mehr Klimaschutz - und muss sich kritischen Fragen stellen

In der Sache allerdings hat Söder mit denselben Problemen zu kämpfen wie Laschet. Der Union noch flott in den letzten Wochen vor der Wahl einen grünen Anstrich zu verleihen, wird wohl nicht so einfach gehen. Ein Interview im ARD-Morgenmagazin Moma am Montagmorgen offenbart das Problem. Bayern sei Vorreiter in Sachen Klimaschutz, behauptet da Söder, allen anderen Bundesländern weit voraus, jetzt gehe es darum, noch schneller zu handeln. „Wir brauchen einen Klima-Ruck in Deutschland.“ Der Moderator will daraufhin wissen, warum Söder dann nicht einfach die umstrittene 10H-Regelung streiche. Das seit 2014 geltende Gesetz schreibt vor, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von Wohnbebauung entfernt sein muss. Seitdem ist der Windkraftausbau im Bayern de facto zum Erliegen gekommen. Söder muss ausweichend reagieren. Denn seine CSU will eisern an derselben festhalten.

Markus Söder mit Olaf Scholz vor der zerstörten Rodelbahn am Königssee.

Die Union ist halt eben nicht ansatzweise so grün, wie es Söder und Laschet aktuell darstellen wollen. Auch die für Mittwoch geplante Regierungserklärung Söders zu neuen Klimaschutzmaßnahmen wird wohl kaum Überraschungen bereithalten, außer die sowieso schon vom Kabinett beschlossenen Maßnahmen.

Hochwasser-Katastrophe in Bayern: Baerbock greift Söder an

Eine offene Flanke, die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gerne angreift. Ebenfalls am Montagmorgen im Moma rechnet sie vor, dass man, wenn man es mit dem Klimaschutz und der Energiewende ernst meine, mindestens zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft verwenden müsse. Dafür trete sie mit ganzer Kraft ein. „Das ist der Unterschied zu Herrn Söder an dieser Stelle.“

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Rubriklistenbild: © Felix Hörhager/dpa