Bahn: Stillgelegte Strecken sollen flott gemacht werden

Bayern: Hoffnungsschimmer für rostende Gleise

So war’s früher: ein Schienenbus („Uerdinger“) auf der Fuchstalbahn bei Schongau.
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So war’s früher: ein Schienenbus („Uerdinger“) auf der Fuchstalbahn bei Schongau.

Langenneufnach in Schwaben, Unterdießen bei Landsberg und Dombühl in Mittelfranken haben eine Gemeinsamkeit: Es sind kleine Orte an stillgelegten Bahnstrecken. Jetzt gibt es Chancen, dass bald wieder Züge fahren.

München – Markus Büchler blättert im „Eisenbahnatlas Deutschland“, einem Fachbuch, das das ganze Schienennetz abbildet. Im Kapitel über Bayern gibt es viele graue Striche. Das sind Strecken, die die Bahn seit den 1960er-Jahren stillgelegt hat – weil sich der Betrieb angeblich nicht mehr rechnete. Büchler, Bahnexperte bei den Grünen im Landtag, nennt den dicken Wälzer fast ehrfürchtig „die Bibel“. Er sei Realist, meint er. „Natürlich lohnt sich nicht jede Strecke.“ Viele aber schon.

Die Grünen im Landtag haben 18 Strecken vorgeschlagen, die mit Hilfe des Freistaats reaktiviert werden könnten. Eine davon ist die Fuchstalbahn zwischen Schongau und Landsberg, auf der heute nur ab und zu Güterzüge zuckeln. An diesem Samstag, den der Fahrgastverband Pro Bahn zum Bayerischen Reaktivierungstag ausgerufen haben, wird mal wieder ein Personenzug auf der Strecke fahren. Die Grünen haben einen „Lint41“-Dieselzug von der Bayerischen Regiobahn gemietet und veranstalten eine Sonderfahrt mit 40 Personen. Kurios ist, dass der Zug in Schongau notgedrungen auf einem Gleis enden wird, das ohne Bahnsteig ist. Die Bahn hat ihn beim barrierefreien Ausbau des Bahnhofs beseitigt. Und eine Weiche, die das Gleis der Fuchstalbahn mit dem bestehenden Bahnsteig verbinden würde, fehlt ebenfalls. Das, sagt der Organisator der Fahrt, Markus Büchler, spreche ja wohl für sich.

Söders Ankündigung

Nun könnte aber neuer Schwung in das Thema kommen. So hat die Deutsche Bahn angekündigt, dass sie bundesweit 20 Strecken mit einer Länge von 245 Kilometern reaktivieren will. Zwei Projekte berühren Bayern: Blankenstein-Marxgrün und Eisfeld-Coburg sollen den Bahnverkehr zwischen Bayern und Thüringen beleben. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich in seiner Regierungserklärung zum Klimaschutz am Mittwoch für die Reaktivierung stillgelegter Nebenstrecken ausgesprochen. „Ich glaube, dass wir hier ein großes Potenzial haben, um das Schienenangebot im ländlichen Raum zu verbessern.“ Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) nennt auf Nachfrage acht Projekte, die sich nach ihren Angaben „ökologisch rechnen“, darunter sind mit Wassertrüdingen-Gunzenhausen oder Dombühl-Wilburgstetten auch mehrere, die auch die Grünen als aussichtsreich beurteilen. Allerdings bliebt die Ministerin trotz Söders Ankündigung unverrückbar beim sogenannte 1000er-Kriterium. Sprich: eine Bahnstrecke soll nur dann reaktiviert werden, wenn mindestens 1000 Fahrgäste je Streckenkilometer prognostiziert werden. „Wir werden die Reaktivierung vorantreiben, wo die ökologische Bilanz stimmt“, sagt Schreyer. „Wir werden nicht diskutieren, sind es 1000 Fahrgäste, oder 998. Aber nur die Hälfte ist definitiv zu wenig.“

Es gibt aber auch Stimmen in der CSU, die hier mehr Flexibilität fordern. Jürgen Baumgärtner, der Bahnexperte der CSU-Landtagsfraktion, schlägt in einem Positionspapier mehr Förderung für touristische Bahnen vor – auch wenn sie nicht 1000 Fahrgäste erreichen. Für Strecken mit kleinen Gemeinden, die die 1000er-Grenze verfehlten, müsse es einen „Perspektivtopf“ geben.

„Es bewegt sich was“, sagt der Grünen-Abgeordnete Büchler. Gut möglich, dass der Eisenbahnatlas bald eine Neuauflage benötigt – und aus grauen Strichen rote werden. Für Strecken mit Zugverkehr.

Diese Strecken wollen die Grünen reaktivieren:

Bereits im Gange sind folgende Strecken-Reaktivierungen, die Grünen fordern hier allerdings mehr Tempo:
- Gessertshausen-Langeneufnach (ein Teil der Staudenbahn)
- Gunzenhausen-Wassertrüdingen (Hesselbergbahn, südlich von Nürnberg)
- Wolfratshausen-Geretsried (S7-Verlängerung)
Sofort reaktiviert werden könnten nach Ansicht der Grünen folgende Strecken:
- Volkach-Seligenstadt (bei Würzburg)- Dombühl-Wilburgstetten (Schwaben)
- Türkheim-Ettringen (südlicher Teil der Staudenbahn)
Potenzial haben des Weiteren folgende Strecken:
- Schongau-Landsberg (Fuchstalbahn)
- Passau-Freyung (Ilztalbahn)
- Wiesau-Waldsassen (Oberpfalz)
- Wassertrüdingen-Nördlingen (südlicher Teil der Hesselbergbahn)
- Pilsting-Elsenbach (Niederbayern)
- Bad Endorf-Obing (bei Rosenheim)
- Wasserburg Stadt zum Bahnhof
- Saal-Kelheim (Niederbayern)
- Blankenstein-Marxgrün (Höllentalbahn, Oberfranken/Thüringen)
- Eisfeld-Coburg (Werrabahn)
- Wilburgstetten-Nördlingen (Teil der Hesselbergbahn)
- Kitzingen-Schweinfurt (Steigerwaldbahn)