Hotelstreit eskaliert in Rosenheim

+
Prof. Dr. Anton Kathrein

Rosenheim - Weil die Stadt dem bekannten Unternehmer Prof. Dr. Anton Kathrein ein Grundstück weggeschnappt hat, ist in Rosenheim ein Streit entbrannt.

Am Namen Kathrein kommt niemand in Rosenheim vorbei. Ob am Eisstadion (Kathrein-Stadion), an der Anton-Kathrein-Straße oder den gleichnamigen Werken – überall ist der Antennen-Weltmarktführer in der Innstadt präsent. Prof. Dr. Anton Kathrein und Rosenheim, da sollte kein Papier dazwischenpassen, zumal der Unternehmer auch im Stadtrat sitzt, zuletzt als dritter Bürgermeister für die Fraktion der Freien Wähler/UP. Und doch ist das innige Verhältnis plötzlich böse zerrüttet: Nach einer nichtöffentlichen Abstimmung im Stadtrat über den Kauf einer Immobilie kündigte der 60-Jährige an, über die Rosenheimer Werke seines Unternehmens einen Investitions- und Einstellungsstopp zu verhängen. Zudem spricht er sogar vom Abzug von Teilen der Kathrein-Verwaltung.

Prof. Kathrein hätte nämlich besagte Immobilie, ein Grundstück nebst Restaurant an der Stirn des Naherholungsgebiets Happinger See, selbst gerne besessen und auch bereits fest mit dem Erwerb gerechnet. Für eine Investitionssumme von zehn Millionen Euro wollte er hier ein Dreieinhalb-Sterne-Hotel errichten. „In vernünftiger Größenordnung und von vernünftiger Qualität.“ Der Stadtrat übte aber in der Sitzung, an der Kollege Kathrein als Betroffener nicht teilnehmen durfte, sein Vorkaufsrecht aus. Kosten: 1,9 Millionen Euro. „Geld, das die Stadt nicht hat“, schimpft der Unternehmer, der offenbar erst aus dem Oberbayerischen Volksblatt davon erfahren hatte. Die Stadträte selbst wollten laut OVB mit dem Kauf sicherstellen, dass die Badebereiche öffentlich zugänglich bleiben. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) widersprach dabei der Darstellung von Prof. Kathrein, dass die Flächen am See frei zugänglich blieben. „Das Investitionsprojekt zielte darauf ab, wichtige Teile des bisherigen Strandbereichs zu privatisieren und für die noch öffentlich zugänglichen Randbereiche Eintrittsgebühren zu erheben.“ Um den Kauf jetzt aber zu stemmen, muss die Stadt einen Nachtragshaushalt aufstellen und neue Schulden machen.

Das drastische Vorgehen von Unternehmerseite her, das de facto auf die Kassenlage der Stadt abzielt, wundert die Räte. CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann: „Ich halte das für eine unangemessene Reaktion, auch angesichts Kathreins Verpflichtung als dritter Bürgermeister von Rosenheim.“ Rätin Maria Noichl (SPD) blieb unaufgeregt. „Bevor Herr Prof. Dr. Kathrein jetzt wütend wird, sollte er Kontakt mit den Stadträtinnen und Stadträten aufnehmen, die ihn bei Sitzungen nur selten zu Gesicht bekommen.“ Der so Angesprochene sagte zuvor in einem Interview mit dem Portal rosenheim24, dass er mit Kollegen im Stadtrat gesprochen habe; einige seien wegen der Abstimmung „erschüttert“. Wer das wohl war? Das geheime Votum verlief einstimmig …

tz

tz-Stichwort Kathrin-Werke

Die Kathrein-Werke bezeichnen sich selbst als der weltweit älteste und größte Antennenhersteller und als führendes Unternehmen in der Kommunikationstechnik. Sie produzieren etwa Mobilfunk-Antennensysteme, „Satellitenschüsseln“, Receiver, dazu Autoantennen und riesige Fernsehantennen. Das Unternehmen wurde von Anton Kathrein senior, einem Elektrotechniker, im Jahr 1919 als Einmann-Firma gegründet. Er produzierte zunächst Blitzableiter. Anton Kathrein übernahm nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1972 im Alter von 21 Jahren das Unternehmen. Von 1972 bis 2008 steigerte er den Jahresumsatz von 51 Millionen D-Mark auf geschätzte 1,4 Milliarden Euro. Damit ist Kathrein Weltmarktführer in vielen Bereichen. Auf dem ganzen Globus beschäftigte die Kathrein-Gruppe 2008 in 58 Unternehmen über 6100 Mitarbeiter in 14 Produktionsstätten und zahlreichen Vertriebszentren und erzielte im selben Jahr einen Umsatz von über 1,3 Milliarden Euro.

Quelle: tz