Kuh tagelang im Schlamm

Im Video: Trächtige Kuh steckt fünf Tage in einem Loch fest - Darum wurde sie überhaupt gefunden

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In diesem Loch steckte Kuh Regina fest. 

Wohl beim Grasen rutschte Regina plötzlich ab und musste fünf Tage lang in einem schlammigen Schacht im Boden ausharren. Nur durch einen Zufall wurde die trächtige Kuh gefunden: Ihr Retter, ein Urlauber, wäre fast selbst in das Loch gestolpert.

Halblech – Niemand hatte damit gerechnet, Regina lebend zu finden. Jetzt grast die trächtige Kuh friedlich auf einer Wiese in der Gemeinde Halblech im Allgäu. „Sie macht sich gut“, sagt ihr Besitzer Markus Grieser. Das ist nicht selbstverständlich, denn Regina hat ein echtes Abenteuer hinter sich. Vor einigen Wochen war sie wohl beim Grasen in ein Loch im Boden gestürzt – sechs Meter in die Tiefe. Dort musste sie fünf Tage lang ausharren, ohne Futter und Wasser. Bis der Urlauber Jürgen Vollmer aus Kusterdingen in Baden-Württemberg nichts ahnend über die Wiese spazierte und auf das Loch aufmerksam wurde – samt der Kuh darin.

„Ich habe mich ganz schön erschrocken“, sagt Vollmer über den Moment, als ihm das Tier schicksalsergeben aus dem schlammigen Schacht entgegenäugte. Fast wäre er selbst in das Loch gestolpert, erzählte er unserer Zeitung. Der 52-jährige Hobbyfotograf war abends mit seiner Kamera auf Motivsuche, als er die an der Oberfläche nicht einmal einen Meter weite Öffnung bemerkte. „Da wäre ich nicht mehr rausgekommen“, sagt er.

Als er sah, dass die Kuh sich bewegte, alarmierte der Urlauber sofort den Landwirt eines nahe gelegenen Gehöfts, der wiederum Reginas Besitzer Grieser informierte. So gut getarnt war das Loch auf der Wiese, dass sich der Kuh-Entdecker Vollmer schwer tat, es wiederzufinden. Dann aber ging es mit Reginas Rettung zügig voran. „Wir haben dann nicht groß Tamtam gemacht“, erzählt ihr Besitzer. Er rückte mit dem Bagger an, erweiterte das Loch und stieg zu seiner Kuh hinab. „Sie hat mich erkannt und gemuht“, berichtet der 49-jährige Landwirt. Mit einer Seilwinde wurde die Kuh aus dem Schlamm im Boden befreit und an die Oberfläche gezogen.

Schon unmittelbar nach ihrer Rettung, die mehr als drei Stunden dauerte, habe sie auf allen Vieren gestanden und sei weggetrottet. Mit einem Viehtransporter sei die neunjährige Regina dann zurück zum Stall gebracht worden. „Dort hat sie direkt 40 Liter Wasser gesoffen.“ Markus Löchle, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Buching, die das Loch während der Bergung der Kuh ausgeleuchtet hatte, ist immer noch baff, dass das trächtige Tier die Strapazen so gut überstanden hat. „Da hat keiner mit gerechnet“, sagt er. Die Kuh erwartet ihr achtes Kalb.

Doch wie war Regina überhaupt in den Schlamassel geraten? „Das Loch war mit Gras überwachsen“, erklärt Grieser. Die Kuh sei wohl beim Grasen abgestürzt. Martin Nell, Sprecher der Regierung von Oberbayern, bei der das Bergamt Südbayern angesiedelt ist, weiß mehr über die tückische Stelle. Unter dem Grundstück sei Ende der 1940er Jahre Braunkohle abgebaut worden, erklärte er auf Anfrage. „Die Existenz einiger Stollen ist dem Bergamt Südbayern und dem Grundstückseigentümer seit Längerem bekannt.“ Diese seien entsprechend beobachtet und vorhandene Öffnungen verfüllt worden.

Der Bruch des Stollens, der durch starke Regenfälle und das Gewicht der Kuh entstanden war, sei mittlerweile mit Kies aufgefüllt worden. „Beim Bergamt Südbayern laufen aktuell detailliertere Erkundungen zum vorliegenden Altbergbau in Halblech“, teilte Nell weiter mit. Details zur Lage von Bergwerkszugängen in der Gegend nenne seine Behörde aus sicherheitsrechtlichen Gründen grundsätzlich nicht.

Josef Ametsbichler 

Quelle: tz