Seniorin schwer verletzt

Frau verunglückt mit dem Radl - ihr Sohn sah das Unheil kommen

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Vorsicht Raser! Nur wenige Autofahrer halten sich auf der St 2045 ans Tempolimit.

„Es hätte verhindert werden können!“ Seit Jahren kämpft Konrad Pichlmeier für einen Radweg von Volkmannsdorf nach Edlkofen. Zu gefährlich sei die Strecke für Radfahrer. Nun wurde dies seiner Mutter zum Verhängnis.

Volkmannsdorf/Bruckberg - Es gehört zu ihrer täglichen Routine: Fast jeden Morgen steigt Theresia Pichlmeier auf ihr Fahrrad, um von Volkmannsdorf (Gemeinde Wang im Landkreis Freising) nach Bruckberg (Kreis Landshut) zu gelangen. Ob Einkäufe erledigen, beim Sohn nach dem Rechten sehen oder Arztbesuche – für die rüstige Rentnerin bedeutet das Radlfahren Freiheit. Doch genau dies wurde der 87-Jährigen an jenem Freitag vor zwei Wochen zum Verhängnis.

Kurz hinter der Landkreisgrenze geschah der Unfall.

Auf dem Nachhauseweg von Edlkofen, nur knapp 100 Meter vor der Landkreisgrenze, passierte das Unglück: Eine junge Autofahrerin setzt auf der Moosburger Straße zum Überholversuch an. Zur gleichen Zeit wird diese selbst von einem Motorradfahrer überholt. Die Fahrerin erschrickt dabei so sehr, dass sie mit ihrem rechten Außenspiegel den Lenker der Seniorin streift und sie zu Boden reißt.

Die Ärzte müssen die Rentnerin ins Koma versetzen

Theresia Pichlmeier erleidet schwerste Verletzungen: Riss der Aorta, Kieferbruch, Bruch eines Halswirbels, Nasenbeinbruch, Schürfwunden. Die Ärzte müssen die Rentnerin in ein künstliches Koma versetzen, sie schwebt in Lebensgefahr. Vor wenigen Tagen dann die erleichternde Nachricht: Theresia Pichlmeier ist ansprechbar und inzwischen auf dem Weg der Besserung.

Vergebliche Versuche: Konrad Pichlmeier zeigt seine Schreiben an die Gemeinde Wang.

Wut und Enttäuschung machen sich bei Konrad Pichlmeier trotzdem breit. Seit Jahren kämpft der Sohn von Theresia Pichlmeier für einen Radweg. Mehr denn je möchte er sich nun dafür einsetzen, denn: „So etwas darf keiner anderen Familie mehr passieren.“ Diverse Schreiben an die Gemeinde zeigen das langwierige Bemühen der Familie. Der 57-Jährige fordert darin vermehrt den Bau des Geh- und Radweges, er möchte Antworten. „Man erhält aber einfach keine konkreten Aussagen, wird ständig hingehalten.“

Die Aussage des 2. Bürgermeisters empört den Sohn

Völliges Unverständnis zeigt Pichlmeier gegenüber Aussagen des zweiten Bürgermeisters Markus Stöber. „Auf die Situation angesprochen, meinte er nur, man könne ja den Feldweg benutzen.“ Dieser verläuft zwar parallel zur Bahnstrecke Richtung Bruckberg, führt nach gut 200 Meter jedoch tief in den Wald hinein. „Zum einen ist der Weg in keinem guten Zustand, als Radfahrer hat man nur Schlaglöcher unter sich. Zum anderen würde ich meine Tochter nachts nicht da durch schicken“, meint Pichlmeier kopfschüttelnd.

Seit dem Ausbau des Gewerbegebietes in Bruckberg herrsche ein massives Verkehrsaufkommen innerhalb der Ortschaft. „Viele preschen hier einfach durch, es hält sich niemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung“, klagt Konrad Pichlmeier. Eine Messung, die im April 2012 durchgeführt wurde, ergab ein erschreckendes Ergebnis: Lediglich 15 Prozent aller Fahrer hielten sich an die Geschwindigkeit. „Man traut sich zu Fuß einfach nicht mehr auf die Straße. Das kann es doch nicht sein.“

Gemeinderäte entscheiden heute über Radweg

Rathauschef Hans Eichinger kann den Unmut verstehen. „Der Geh- und Radweg steht seit längerer Zeit auf der Agenda“, bestätigt er gegenüber dem Freisinger Tagblatt. Viele Komponenten hätten ein Voranschreiten immer wieder blockiert. Zumindest ein Lichtblick: Zusammen mit der Gemeinde Bruckberg wolle man die Sache nun als Gemeinschaftsprojekt angehen. 

In der Gemeinderatssitzung am heutigen Montag steht der Radweg auf der Tagesordnung. Die Familie hofft nun, dass der Unfall von Theresia Pichlmeier nicht umsonst geschehen ist. „Ich habe immer gefragt, ob denn erst was Schlimmes passieren muss, bevor etwas getan wird“, so der 57-Jährige. Dass es jetzt ausgerechnet seine Mutter erwischt hätte, ist für Pichlmeier besonders schwer zu ertragen.

Anna Schledzinski

Quelle: tz