Urban sagt Andechs Servus

Eine Ära endet! Wirt von berühmtem Gasthof geht nach fast 30 Jahren

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„Do bin i dahoam“, sagt Alexander Urban. Andechs wurde ihm zur zweiten Heimat. Zum Ende des Jahres nimmt der Wirt vom Klostergasthof Abschied vom Heiligen Berg.

Auf dem Heiligen Berg geht eine Ära zu Ende. Nach fast 30 Jahren verlässt der Wirt des Klostergasthofes zum Jahresende seinen bisherigen Wirkungskreis. Alexander Urban bedauert dies, sieht aber keinen gemeinsamen Weg mehr mit der Klosterbrauerei Andechs.

Andechs Mit Wehmut und schweren Herzens habe er diese Entscheidung getroffen, schreibt Alexander Urban in einem Infobrief an Gäste und Weggefährten. „Leider haben wir, die Geschäftsführung der Klosterbrauerei Andechs und ich, uns nicht auf eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit einigen können. Und so trennen sich erst einmal unsere gemeinsamen Wege.“ Urban geht, ohne verbrannte Erde zu hinterlassen. „Ich habe dem Kloster sehr viel zu verdanken, und es war auch eine schöne Zeit. Deshalb werde ich bis zum Jahresende alles tun, ein gut bestelltes Haus zu hinterlassen.“

Urban war gerade einmal 22 Jahre alt, als ihn der damalige Cellerar Pater Anselm Bilgri 1990 als Geschäftsführer für das Bräustüberl einstellte. „Es war eine sehr lehrreiche Zeit, während der ich das Knowhow für meinen künftigen Berufsweg mitbekam“, erinnert sich der heute 50-Jährige. „Zusammen mit dem Konvent haben wir damals neue Ideen entwickelt und immer versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden.“ Als Glücksfall bezeichnet Urban, dass sich 1992 sein väterlicher Freund Otto Robl (gestorben 2006), erfolgreicher Forsthaus-Wirt vom Starnberger See, bereit erklärt hatte, den Klostergasthof zu übernehmen und auch neue Akzente zu setzen. „Robl stellte aber die Bedingung: Ohne ein Weißbier auf dem Heiligen Berg geht gar nichts. Abt Odilo hatte es gefreut, weil er schon immer wollte, dass die Klosterbrauerei auch Weißbier ins Sortiment aufnimmt. Der damalige Brauereidirektor Alexander Jesina hatte auch nichts dagegen. Deshalb gibt es heute in Andechs ein Weißbier.“

Robl sei dann aus privaten Gründen ausgestiegen, betont Urban. „Da blieb mir gar nichts anderes übrig, als die Herausforderung anzunehmen und selbst Wirt vom Klostergasthof zu werden.“ Die Herausforderung hat der Vater von heute fünf Kindern nachweislich gut gemeistert. Im Klostergasthof gaben sich Prominente aus Wirtschaft, Kirche und Politik die Klinke in die Hand. Auf der Gästeliste standen unter anderem Astronauten, der spätere Papst Benedikt, diverse Bundespräsidenten, Bundeskanzler Helmut Kohl, Bundeskanzlerin Angela Merkel, seine kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg, Fußballprofis und international bekannte Schauspieler. Auch Einheimische und Touristen kehrten gleichermaßen gerne „beim Urban“ ein.

Zudem hat der umtriebige Wirt unter anderem den Aschermittwochsgottesdienst mit anschließendem Kabarett ins Leben gerufen, den „Gstanzl-Wettbewerb“ mit Moderator Bernt Lusteck, die Verköstigung der Feuerwehrjugend Erling-Andechs nach deren Übungen unter Leitung des damaligen Jugendbetreuers Frater Lambert (gestorben 2012) und Veranstaltungen wie „Kirche, Wirtshaus und Kultur“. Nicht zu vergessen das traditionelle Benefiz-Essen zugunsten des Freundeskreises Krankenhaus Seefeld, das Urban in Kooperation mit der Grande Dame der Kreis-CSU, Ingrid Frömming, über zwei Jahrzehnte mit organisiert und zum Teil großzügig finanziert hat. „Wir haben immerhin jedes Mal bis zu 30 000 Euro zusammengebracht, die wir der Klinik Seefeld für Extras zur Verfügung stellen konnten. Heuer findet das Benefiz-Essen am 26. April zum 20. und leider zum letzten Mal statt.“ Wert legt Urban abschließend auf die Feststellung: „Meine persönliche Entwicklung wurde durch die benediktinischen Werte ganz besonders geprägt. Andechs ist meine zweite Heimat, do bin i dahoam.“

Von Uli Singer

Quelle: tz