Es braucht mehr Know-how

Gerüstet für die zweite Welle: Gastkolumne von Susanne Breit-Keßler*

Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.
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Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Ein zweiter Lockdown wegen der Corona-Pandemie scheint unmöglich. Doch wie sollen sich gerade Senioren auf eine mögliche zweite Welle des Virus vorbreiten? Eine Kolumne von Susanne Breit-Keßler.

Es ist nicht meine Idee. Monika, Vollblut-Lehrerin, macht sich Gedanken über die zweite Corona-Welle. Spätestens im Herbst, da sind fast alle einer Meinung, wird das Virus erneut hochaktiv sein und die Gesellschaft - kombiniert mit dem dann aktuellen Grippevirus - drangsalieren. Ein zweiter Lockdown scheint unmöglich, will man nicht die Wirtschaft ruinieren und die anhaltende Zustimmung der Mehrheit zu getroffenen Maßnahmen riskieren.

Im Fall einer zweiten Welle werden besonders gefährdete Risikogruppen verstärkt zu Hause bleiben, um sich gut zu schützen. Das sind neben denen, die bestimmte Vorerkrankungen haben, vor allem ältere Jahrgänge. Sie haben unter Einsamkeit während des ersten Lockdown sehr gelitten. Es wäre sinnvoll, ihnen jetzt schon auf Wunsch die Möglichkeit zu geben, sich technisch so auszustatten und auszubilden, dass sie Kontakt zu all ihren Lieben und den Personen halten zu können, die sie zur Unterstützung möchten.

Dazu brauchen sie die notwendigen Geräte und das Know-how, mit ihnen zurechtzukommen. Bis 2005 gab es im Fernsehen den „7. Sinn“ - eine exzellente und legendäre Informationssendung zur Verkehrssicherheit. Denkbar wäre, eine solche Sendung jeweils fünf Minuten lang, mindestens einmal wöchentlich auszustrahlen. Man könnte Tipps zum richtigen Umgang mit Computern und Tablets zeigen und grundsätzliche Fertigkeiten vermitteln. Natürlich gehen viele ältere Menschen längstens souverän mit ihren PCs um.

Sie skypen mit aller Welt, was das Zeug hält, halten sich auf Instagram auf und jonglieren mit Passwörtern, Text- und Bildbearbeitungsprogrammen. Aber es gibt eben auch Senioren, die Hilfe brauchen könnten, um mit anderen eigenständig zu kommunizieren. Zudem gibt es inzwischen auch großartige Möglichkeiten, digital Filmfestivals und Museen in aller Welt zu besuchen sowie Wildtiere zu beobachten. Eine regelmäßige, wöchentliche Sendung, die baldmöglichst startet, wäre der Türöffner dazu.

Informationen und Tricks zum menschlich-elektronischen Austausch sind ein Zugewinn an menschlicher und kultureller Freiheit. Und an intergenerativer Begegnung – denn beibringen können einem das Ganze vor allem junge Leute.

Wenn Vereine, Volkshochschulen und Kirchen ihre verlässlichen Computerfreaks ins Haus schicken, braucht man im Anschluss die ebenfalls altbewährte Sendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ bestimmt nicht. Und die Krise würde ein Mehr an Miteinander bringen - für Alt und Jung.

*Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern, künftig übernimmt sie den Vorsitz des neuen bayerischen Ethik-Rates.