Kormoran-Streit am Ammersee: Abschuss oder nicht?

München/Dießen - Das Kormoranproblem am Ammersee, es treibt die Fischer in die Verzweiflung. Daran konnte auch das Münchner Verwaltungsgericht nichts ändern. Immerhin gab es brauchbare Alternativen zum radikalen Abschuss:

Der Ärger um die Kormorane am Ammersee nimmt kein Ende. Die Fischer sind verzweifelt. Der Vogel räubert in ihren Beständen. Es wird ernsthaft befürchtet, dass es in naher Zukunft keine Fischer mehr am Ammersee gibt, sollte die Politik nicht reagieren. Gestern jedenfalls hatten fast alle Fischer Zeit, zum Klagetermin am Verwaltungsgericht in München zu fahren. Dort forderte die Genossenschaft eine Reduzierung der Kormoran-Kolonie auf andere Art und Weise als den Abschuss.

Der neue Vorsitzende Bernhard Ernst aus Utting (Kreis Landsberg am Lech), von Hauptberuf Biologe, hatte alternativ vorgeschlagen, die Brutbäume zu fällen oder die Eier mittels einer Lichtquelle auszukühlen, so dass die Tiere vom Brutvorgang abgeschreckt würden. In Österreich habe man mit diesen Methoden gute Erfolge erzielt.

Vorsitzender Richter Volker Berberich, ein erfahrener Verwaltungsjurist, gab interessiert diese Vorschläge an das Landesamt für Umweltschutz und die Regierung von Oberbayern weiter. Deren Vertreter sahen aber vorab schon so viele Probleme, dass sie bevorzugt für ihren Vorschlag warben, den Abschuss der Kormorane an ihren Teichanlagen im benachbarten Wielenbach (Kreis Weilheim-Schongau) durchzuführen. Doch wie viele Tiere dort schon erlegt werden konnten, wollten sie nicht so recht verraten. Genossenschafts-Vorsitzender Ernst vermutete dahinter eine ebenso erfolglose Jagdbilanz, wie es sie auch am Ammersee gibt. Tatsache ist nämlich, dass es in den vergangenen zwei Jahren dort nicht gelungen ist, einen einzigen Vogel abzuschießen. Dabei dürfen die Kormorane zu bestimmten Zeiten sogar vom Boot aus und an den Fangnetzen geschossen werden, wo sie in der Regel den größten Schaden anrichten.

Das Problem ist aber doppelschichtig. Zum einen ist es schwierig, die Vögel ohne Kugeln abzuschießen – die aber sind wegen der Gefahr der Querschläger auf dem Wasser verboten. Deshalb muss mit Schrot geschossen werden. Zum anderen, so Richter Berberich, müssten erst einmal Jäger gefunden werden, die Zeit hätten, den Kormoran zu schießen. Denn für den Vogel gebe es weder eine Prämie, noch könne man ihn auf dem Viktualienmarkt verkaufen. „Dieses Problem wird juristisch kaum zu lösen sein, sondern nur politisch“, erklärte der Richter und riet den beiden Parteien, sich umgehend zusammenzusetzen und eine Lösung zu finden.

Beim Vorsitzenden Ernst fiel der Vorschlag auf fruchtbaren Boden. Man könne nicht mehr vier bis fünf Jahre warten. „Dann gibt es keine Fischer mehr“, sagte er. „Aber vielleicht wird dann auch der Finanzminister wach, wenn er keine Pacht mehr bekommt“, bemerkte Berberich. Er vertagte den Prozess, um Fischer wie Behörden zum gemeinsamen Gespräch zu veranlassen.

Angela Walser

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © dpa