Immer mehr Pflegebedürftige

Kurzzeitpflege: Viel zu wenige Plätze in Bayern

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Bis 2030 steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern auf 490 000. 

Die Kurzzeitpflege wurde geschaffen, um pflegende Angehörige zu entlasten. Doch in Bayern gibt es viel zu wenige Plätze. Gleichzeitig wird die Nachfrage immer größer.

In Bayern gibt es heute mehr als 400000 Pflegebedürftige.Rund 70 Prozent von ihnen werden nicht im Heim versorgt, sondern zu Hause. Oft kümmern sich Angehörige. Doch was ist, wenn die Pflegenden selbst ausfallen? Wenn sie krank werden oder einfach mal Erholung brauchen? Für genau diese Fälle gibt es Kurzzeitpflegeplätze, wo Pflegebedürftige dann vorübergehend gut aufgehoben sein sollen – zumindest in der Theorie. In der Praxis fehlt es hingegen massiv an genau diesen Angeboten. Keinem einzigen bayerischen Regierungsbezirk gelingt es derzeit, den stetig steigenden Bedarf zumindest annähernd zu decken. Gerade einmal 250 feste Kurzzeitpflegeplätze gab es 2017 in Bayern – Tendenz stark fallend, im Jahr 2011 waren es noch 680. Dazu kommt eine wesentlich größere Zahl flexibel eingestreuter Plätze, die die Heime je nach Verfügbarkeit zur Verfügung stellen. Nicht nur viele Betroffene empfinden die Situation als unübersichtlich.

Kurzzeitpflege ist für die Einrichtungen wenig attraktiv

Georg Sigl-Lehner ist der Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern und leitet selbst eine Pflegeeinrichtung. „Der ursprüngliche Gedanke hinter der Kurzzeitpflege war es, die pflegenden Angehörigen zu entlasten“, sagt er. Doch die bräuchten eben Planungssicherheit, die ihnen die Heime mit flexibel eingestreuten Plätzen nicht geben können. „Wir wissen heute nicht sicher, ob wir in einigen Monaten tatsächlich einen freien Platz haben.“

Mit sogenannten solitären – also festen – Kurzzeitpflegeplätzen wäre das natürlich leichter. Doch für die Häuser ist das wirtschaftlich schwierig. Denn die Nachfrage ist saisonal sehr unterschiedlich, das Personal muss aber auch bezahlt werden, wenn gerade keine Urlaubszeit ist.

Überhaupt sind Kurzzeitpflegeplätze für die Einrichtungen wenig attraktiv. Häufig wechselnde Bewohner verursachen einen höheren Verwaltungsaufwand. Mehr Aufnahmen und Entlassungen bedeuten mehr Arbeit. Und die Angehörigen haben oft höhere Ansprüche. Einer Studie zufolge planen 80 Prozent der Einrichtungen nicht, ihr Kurzzeitpflege-Angebot mittelfristig auszuweiten.

Der demografische Wandel erhöht die Zahl der Pflegebedürftigen

Klar ist aber: Das Problem wird immer größer. Mit dem demografischen Wandel steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern von heute 410 000 auf knapp 490000 im Jahr 2030. Während 2017 schätzungsweise knapp 3800 Kurzzeitpflege-Plätze nachgefragt wurden, rechnet das bayerische Gesundheitsministerium im Jahr 2030 deshalb mit einem Bedarf von bis zu 5400 Plätzen.

Angesichts dieser Aussichten hat die Staatsregierung ein Förderprogramm zum Ausbau von Kurzzeitpflegeplätzen aufgelegt, das 500 neue Plätze bringen soll. Zudem gilt inzwischen: Verpflichtet sich eine Pflegeeinrichtung, eine bestimmte Anzahl Kurzzeitpflegeplätze vorzuhalten, erhält sie verbesserte Konditionen für die Leistungsabrechnung.

Doch auch in der Langzeitpflege ist die Nachfrage hoch. Die meisten Häuser sind schlicht voll, sagt Joachim Görtz, der als Bayern-Geschäftsführer des Verbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) viele Pflege-Einrichtungen vertritt. „Wir haben oft keine freien Plätze.“

Und der Mangel an Plätzen bildet nur das halbe Problem ab. Dazu kommt der Personalengpass. Allein in Bayern fehlen derzeit circa 15 000 Pflegekräfte. Schon deshalb könne man das Problem nicht getrennt von der Langzeitpflege betrachten, sagt Arbeitgebervertreter Görtz. Wer die Häuser generell entlaste – etwa durch eine Flexibilisierung der Fachkraftquote –, schaffe Freiräume für mehr Kurzzeitpflegeplätze.

Auch Sigl-Lehner hält es für zu kurz gesprungen, allein auf die Kurzzeitpflege zu blicken. „Wir haben ein generelles Versorgungsproblem“, sagt er. Mit kleinteiligen Lösungen komme man da nicht weit. Sigl-Lehner glaubt: „Wir müssen unser gesamtes System aufmachen.“

Görtz, Sigl-Lehner und andere Akteure sind Anfang Februar zu einem Treffen im Gesundheitsministerium eingeladen. Das Ziel ist eine gemeinsame Vereinbarung zur Stärkung der Kurzzeitpflege.

Quelle: Merkur.de