„Hat ihn eindeutig gesehen“

Sensations-Sichtung in Bayerns Flachland: Seltene Raubkatze springt über Hunde - Experten alarmiert

Ein Mann spaziert am Montag (29.11.2010) in einer verschneiten Winterlandschaft bei Grünwald (Oberbayern) an der Isar entlang.
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Ein Luchs wurde im Isarmündungsgebiet im Landkreis Deggendorf gesehen: Durch diesen Teil Bayerns streift das Tier sonst nicht. (Symbolbild)

Schreck-Moment für einen Jäger nahe Deggendorf. Eine Großkatze springt plötzlich über seine Hunde. Ob es das in Bayern schon einmal gab?

  • Nahe Plattling wurde ein Jäger von einem Luchs überrascht.
  • Bis in diesen Teil Bayerns streift die scheue Raubkatze eigentlich nie.
  • Breitet sich der Luchs gerade im Freistaat aus?

Deggendorf - Bei einer Drückjagd im Isarmündungsgebiet sprang einen Jäger eine Sensation beinahe an. Der Bayer stieß nahe Plattling unverhofft auf einen Luchs, wie Manfred Pichler, Luchsbeauftragter des Bayerischen Jagdverbands, dem Bayerischen Rundfunk bestätigte. Im Flachland sieht man die scheue Raubkatze eigentlich nie.

Schreck-Moment bei Drückjagd: Luchs springt über Jagdhunde - Spektakuläre Entdeckung in Bayern

Kurz vor Weihnachten habe sich der Jäger gemeldet. Bei der Wildschweinjagd hätten seine Hunde im Isar-Schilf angeschlagen. Als er zu der Stelle ging, sprang der Luchs mit einem Riesen-Satz über die Hunde hinweg.

Sehr ungewöhnlich, dachte sich Pichler. Aber: „Der Jäger hat mich kontaktiert, er hat ihn eindeutig gesehen.“ Ob es das schon einmal gegeben hat, einen Luchs im flachen Bayern? Das fragt sich der Luchs-Experte selbst, ließ sich seine Skepsis von der genauen Beschreibung des Jägers aber nehmen.

Luchs in diesem Teil von Bayern? Experte versichert sich zweimal - „Es besteht kein Zweifel“

„Es besteht kein Zweifel, dass es ein Luchs war“, erklärt er, „der Jäger hat die Fellzeichnung, die Punkte am Fell, den kurzen Stummelschwanz und die Größe beschrieben.“ Eigentlich nimmt der Bayerische Jagdverband keine Luchsmeldungen ohne Foto-Beweis an. Der Deggendorfer Jäger konnte den Ehrenamtler aber offenbar überzeugen. Der hofft jetzt, dass Jäger mit Fotofallen oder Spaziergänger doch noch ein Bild von der seltenen Großkatze schießen.

Die Ausflügler müssen sich auch keine Sorgen wegen des Raubtiers machen, hebt Pichler hervor. „Der Luchs ist völlig ungefährlich für den Menschen und es ist unwahrscheinlich, dass man ihn sieht.“ Und auch Bauern können beruhigt sein. Sollte ein Nutztier gerissen werden, entschädigt sie der Jagdverband oder der Luchs-Fonds.

Im Video: Jäger entdeckt zufällig extrem seltenen Luchs

Luchse in Bayern: Eigentlich nur im Bayerischen Wald und Oberpfälzer Wald - Breitet er sich aus?

In Bayern leben aktuell insgesamt etwa 70 Luchse. In den 1980er Jahren wurden sie im Freistaat wieder angesiedelt. Dass einer von ihnen bis ins Isarmündungsgebiet gestreift ist, ist allerdings äußert untypisch. Sie leben eigentlich im Bayerischen Wald oder dem Oberpfälzer Wald.

Breitet sich der Luchs also gerade in Bayern aus? Wohl leider nein, muss Sybille Wölfl, Vorsitzende des Vereins „Luchs Bayern“ der Augsburger Allgemeinen erläutern. „Damit südlich der Donau Luchse ansiedeln, müssten Weibchen nachfolgen und die brauchen für die Aufzucht der Jungen störungsfreie Rückzugsgebiete“, schildert sie. Das Gebiet zwischen Passau und Regensburg sei aber zu sehr von offenen Flächen und Landwirtschaft geprägt. Der Luchs braucht Wald-Nähe.

An Bayerns Ausflug-Hotspots wird sich die menschenscheue Wildkatze zurzeit wohl kaum heranwagen. Die Tourismus-Ziele im Freistaat platzen trotz des Lockdowns aus allen Nähten. Lokale Verantwortliche haben bereits Notrufe an die Landesregierung geschickt. Stärkere Kontrollen sollen folgen.