Mann gesteht versuchte Entführung voller Pannen

+
Anton S. (l.) wollte eine Million Euro erpressen. Hier spricht er mit Verteidiger Erhard Frank aus Burghausen

Massing - Anton S. (59) aus Massing im Kreis Rottal-Inn wollte die SPD-Stadträtin Susanne Engelmann entführen und von ihrem Ehemann eine Million Euro erpressen. Das ist ihm gehörig misslungen.

Als es am Abend an der Tür klingelte, erwartete der Waldkraiburger Apotheker Willi Engelmann (57) einen Boten. Der sollte Unterlagen für seine Ehefrau Susanne, die noch nicht daheim war, vorbeibringen. Engelmann öffnete also – und blickte in den Lauf einer silbernen Pistole! Der Unbekannte, der einen Helm trug, drängte den Waldkraiburger ins Esszimmer. Von dort gelang dem Apotheker aber die Flucht.

Am Montag stand der Angreifer wegen versuchten erpresserischen Menschenraubs vor dem Traunsteiner Landgericht. Der angeklagte Anton S. (59) aus Massing (Kreis Rottal-Inn) gestand dabei, dass er im März 2011 Engelmanns Ehefrau Susanne, SPD-Stadträtin und ebenfalls Apothekerin, entführen wollte. Er wollte eine Million Euro Lösegeld vom Ehemann erpressen. Das Geld sollte als Kaution dienen, damit S. eigene Ehefrau, die krebskrank ist, aber im Gefängnis sitzt, Haftverschonung erhält.

Bei seiner Vernehmung sagte der Angeklagte aus, er habe von einer Bekannten gehört, „dass von dem kinderlosen Ehepaar Geld zu holen ist“. Am 28. März rief er zunächst in der Apotheke an, als ein „Nikolaus Platzer aus der Berliner Parteizentrale“. Er müsse noch parteiinterne Dokumente überbringen. Als Willi Engelmann später die Haustür öffnete, hielt ihm der Mann eine Schreckschusspistole vor die Nase.

Dass ihre Entführung misslang, ersparte Susanne Engelmann ein Martyrium. Der Staatsanwalt: „ Er hat die Stadträtin entführen, mit einem knappen Vorrat an Lebensmitteln in eine Kiste sperren und den Behälter vergraben wollen.“ Der Fall ähnelt in dem Punkt auf schreckliche Weise dem Entführungsfall Oetker.

Weil Willi Engelmann entkommen konnte, suchte nun aber auch der Entführer das Weite. Auf seiner Flucht verlor er mitgebrachte Kabelbinder und ein Handy – im Speicher des Telefons waren sogar vorbereitete SMS für eine Geldübergabe gefunden worden. Anton S. gelang es dennoch, nach Thailand zu entkommen. Vier Wochen später wurde er aber verhaftet: am Flughafen bei der Einreise.

Der 59-Jährige hatte schon zuvor Jahre im Gefängnis abgesessen. Außerhalb der Mauern führte er ein bewegtes Leben – darunter mal als Bettelmönch in Indien oder als Knecht auf einer Berghütte in Österreich. Bei den Opfern hat er sich bereits aus der U-Haft entschuldigt: „Für meine Tat aus Verzweiflung und Liebe.“ Nach der Haft will er, wie er am Montag meinte, in Thailand in ein Kloster gehen – mit seiner geliebten Frau in der Nähe. Er habe noch Geld, rund 15 000 US-Dollar. Bis es aber so weit ist, fließt noch einiges Wasser den Mekong hinunter. Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs verurteilte ihn zu vier Jahren und neun Monaten Haft.

KD/MC

Quelle: tz