Der Wendepunkt der zweiten Welle?

„Nicht perfekt gelaufen“: Selbstkritik von Söder und Co. - Doch Bayern bleibt bei strenger FFP2-Pflicht

Markus Söder Anfang Januar bei der Pressekonferenz zu Beginn seines Besuchs bei der Winterklausur der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag
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Markus Söder Anfang Januar bei der Pressekonferenz zu Beginn seines Besuchs bei der Winterklausur der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag.

Markus Söder geizt diesmal nicht mit Selbstkritik. Man habe bei der Bekämpfung von Corona Fehler gemacht, schildert der Ministerpräsident. Seine Grundphilosophie ändert er vorerst nicht.

  • Die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen macht Hoffnung darauf, dass die Corona-Lage besser wird.
  • Jedoch sind Markus Söder und Co. Fehler unterlaufen - Die strengen Maßnahmen bleiben Bayern erhalten.
  • Doch der Ministerpräsident selbst kann sich Lockerungen vorstellen, wahrscheinlich ab Mitte Februa.
  • Hier finden Sie die Corona-News aus Bayern. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen im Freistaat.

München – Der Auftritt ist beinahe zu Ende, da ist ein bisher unbekannter Klang zu vernehmen. Selbstkritik, in kleiner Dosis, aber unüberhörbar: Nach einem Jahr Corona-Politik sagt Markus Söder bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz in München, es sei „nicht perfekt“ gelaufen. „Dutzende Einzelpunkte“ betreffe das. „Wir lernen jeden Tag dazu“, erklärt der Ministerpräsident.

Es ist ein Tag der etwas neuen Töne. Bei sinkenden Zahlen nicht mehr der Tenor von „Es wird immer schlimmer“ und „Bayern wird noch strenger“. Söder macht deutlich, dass er sich nicht im Staub wälzen mag wie die Ost-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und Michael Kretschmer (CDU) vor wenigen Tagen, die lange den Ernst von Corona verkannt hatten. „Wir haben nichts verschlafen. Wir haben uns nicht grundlegend geirrt.“ Indirekt redet er aber über Fehler: Den späten Schutz der Altenheime spricht er an („das schmerzt sehr“), auch die Testpannen an den Autobahnen im August, man habe sich da mit der Geschwindigkeit gegenseitig überfordert.

Corona-Infektionszahlen in Deutschland: Diese Woche Wendepunkt der zweiten Welle?

Wenn alles gut läuft, wenn die neuen Virus-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika sich nicht in Bayern ausbreiten, könnte diese Woche der Wendepunkt der zweiten Welle sein. Die Infektionszahlen und die Bettenbelegungen sinken. Der Lockdown wird zwar noch bis Mitte Februar verlängert, aber anders als bisher nicht nochmal spürbar verschärft.

Was die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel am Dienstagabend nach acht Stunden in Berlin beschlossen hatten, tangiert Bayern kaum – verschärft wird in den anderen Ländern, was im Freistaat seit teils mehreren Wochen gilt. Der Landtag wird dafür nicht mal aus der Winterpause geholt.

Die Schulen bleiben also bis Mitte Februar fast komplett im Distanzunterricht. Die Kontaktsperre bleibt bei einem Haushalt plus eine Person. Die Ausgangssperren in Bayern bleiben bei 21 Uhr, der Ausflügler-Radius für Hotspot-Bewohner bei 15 Kilometern. Und die neue FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr bleibt auch. Sonderregel: Im Rest Deutschlands sind auch „OP“-Masken erlaubt, also die dünneren medizinischen Masken, in Bayern zählt das explizit weiterhin nicht.

Das gilt auch für zwei Detail-Verschärfungen: FFP2-Pflicht gilt künftig auch in bayerischen Gottesdiensten und für Pfleger im Einsatz in Heimen. Die beiden großen christlichen Kirchen hatten zu den besseren Masken bereits unverbindlich geraten.

„Grundphilosophie: Vorsichtig bleiben“, sagt Söder. Dazu soll die Zahl der wöchentlichen Tests des Personals in Heimen von zwei auf drei steigen. Ob die Grenzen wieder streng kontrolliert werden, um die Testpflicht für Pendler und Heimkehrer durchzusetzen, ist offen. Das wird auf EU-Ebene entschieden. Ohne „gute europäische Lösung“ sei das „zwingend notwendig“, droht Söder.

Corona-Lockdown bald beendet? Eltern verlieren Nerven - Söder will „über Öffnungen reden“

Noch etwas ist neu an diesem Tag: Söder spricht über Lockerungen. Das klingt noch wolkig: „Kein Versprechen“ gebe er. Aber: „Bleibt die Tendenz positiv, gibt es Überlegungen, über Öffnungen zu reden.“ Wie oft ist es Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger, der den Zwischenschritt mit den Überlegungen auslässt und gleich redet: „Ab Mitte Februar werden wir in den Bereichen Schule, Handel und vielem mehr deutliche Lockerungsschritte sehen.“ Wenn es so weiter gehe, würden bis dahin viele Landkreise eine Inzidenz unter 50 erreichen. Aiwanger spürt wachsenden Druck aus der Bevölkerung: „Immer mehr Eltern verlieren die Nerven und sagen: Macht doch endlich auf!“