Schlechtestes Ergebnis seit über 70 Jahren

CSU erlebt historisches Wahl-Debakel - Parteichef Söder hat bereits einen Schuldigen ausgemacht

Die CSU fährt bei der Bundestagswahl 2021 ein historisch schlechtes Ergebnis ein. Einen Schuldigen hat Parteichef Markus Söder bereits ausgemacht.

München - Noch gibt es kein amtliches Endergebnis der Bundestagswahl. Doch schon nach den ersten Hochrechnungen deutet sich für die CSU in Bayern ein Wahldebakel an. Nach Zahlen von Infratest dimap des Bayerischen Rundfunks von 21.45 Uhr kommt die Partei von Ministerpräsident Markus Söder gerade einmal auf 32,5 Prozent der Stimmen.

Bundestagswahl: Historisches Debakel für die CSU in Bayern

Bei der Bundestagswahl 2017 hatte die CSU noch 38,8 Prozent erreicht, 2013 fast 50 Prozent. Haben die Zahlen am Ende Bestand, wäre es das schlechteste Resultat seit 1949. Vor mehr als 70 Jahren hatte die Partei bei der ersten Bundestagswahl noch schlechter abgeschnitten.

Parteichef Söder geben die schlechten Zustimmungswerte zu denken. „Unser Ergebnis in Bayern gefällt uns nicht, ganz im Gegenteil, es ist kein zufriedenstellendes Ergebnis“, sagte er in einem ersten Statement in Berlin.

Bundestagswahl 2021: CSU-Größen enttäuscht über schwaches Ergebnis

Auch CSU-Spitzenkandidat Alexander Dobrindt sprach im BR von einem Resultat, „das man sich so nicht wünscht. Es ist ein Ergebnis, das stärker sein könnte und stärker sein sollte.“ Generalsekretär Markus Blume redete von Zahlen, „die können in absoluter Höhe nicht zufriedenstellen.“

Söder konnte dem schwachen Ergebnis dennoch etwas Positives abgewinnen. „Aber es liegt doch deutlich über dem Bundesergebnis und ist zumindest ein substanzieller Beitrag.“ Für die CSU seien zwei Wegmarken wichtig gewesen: Über 30 Prozent in Bayern und über fünf Prozent bundesweit zu erreichen.

Markus Söder kritisiert Bundestagswahlkampf der Freien Wähler

Hinsichtlich einer Beteiligung an einer möglichen Bundesregierung nach der Bundestagswahl 2021 forderte Söder, dass alle raus aus ihrer Komfortzone müssten. In der „Berliner Runde“ von ZDF und ARD sagte er, dass es nicht darum gehe, „sich die Verantwortung hin und herzuschieben, jetzt müssen wir aus dem Ergebnis auch eine Regierung bilden.“

In dem Zusammenhang warf Söder den Freien Wählern erneut vor, mit ihrem Bundestagswahlkampf die Bildung eines „echten bürgerlichen Bündnisses“ erschwert zu haben, da CDU und CSU nun Stimmen fehlten. Das sei ein schwerer Fehler gewesen. Deren Parteichef Hubert Aiwanger hat mit einem Skandal-Tweet zu einer Umfrage heftige Kritik auf sich gezogen.

Einen Kommentar zu den Freien Wählern konnte sich Söder auch im BR-Interview nicht verkneifen. Alice Weidel habe erst vorhin gesagt, die AfD habe mit den Freien Wählern konkurriert, das sei bemerkenswert. Corinna Miazga, Landesvorsitzende der AfD in Bayern räumte ein, dass die AfD das Ziel stärker zu werden, nicht erreicht habe. Ein Faktor: Hubert Aiwanger habe das wichtige AfD-Thema Corona besetzt und sich „groß als Impfskeptiker inszeniert.“ Ersten Erkenntnissen zufolge habe das in Bayern etwa sechs Prozent der Klientel gekostet, die dieses Mal die Freien Wähler gewählt haben „und ihre Stimme damit in den Mülleimer geworfen haben“. Doch auch die Kampagne der Union, vor Rot-Rot-Grün zu warnen, habe Wähler gekostet. Einige seien zur Union umgeschwenkt, um diese Konstellation zu verhindern. (mt/dpa)

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